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Das Kinder- und Familienzentrum in Ludwigsburg vereint Jung und Alt genauso wie Stein und Holz.  © © Dennis Müller

Kontrastmittel

Ein Artikel von Redaktion | 05.03.2017 - 14:31

Das elfte Kinder- und Familienzentrum der Stadt Ludwigsburg/DE vereint Jung und Alt genauso wie Stein und Holz. An ein Einfamilienhaus dockte das Architekturbüro VON M einen puristischen Holzanbau an. Die klare Formensprache trennt und eint zugleich die verschiedenen Elemente und Funktionen des Projekts.

Inspiration aus der Vergangenheit zu schöpfen, ist eine beliebte Herangehensweise, um Neues zu schaffen. Neben immer wiederkehrenden Trends, wie Schlaghosen und Stuckdecken, lässt sich Vorhandenes durch Hinzufügen weiterer Elemente aber auch völlig neu erfinden. Das bewiesen die Architekten von VON M mit ihrer Verwirklichung eines Kinder- und Familienzentrums im Ludwigsburger Stadtteil Poppenweiler. Aus einem zweigeschossigen Einfamilienhaus entstanden dank des hölzernen Anbaus 1750 m2 Nutzfläche. 

Erschien die Vorgabe, das Bestandsgebäude zu integrieren, zunächst eher als Einschränkung, entpuppte sie sich für das kreative Team schnell als Chance, eine spezifischere Herangehensweise auszuprobieren. Das Ergebnis ist eine preisgekrönte Fusion aus Alt und Neu, die den Ansprüchen von rund 100 Kindern und ihrer Eltern gleichermaßen gerecht wird und als „Spielscheune“ Bekanntheit erlangt hat.

Einheit trotz Abgrenzung

Das steinerne Ausgangsgebäude wurde für das Projekt von Erkern und anderen Anbauten befreit und auf einen Kubus mit Satteldach reduziert. Dieser beherbergt die Beratungsräume des Familienzentrums. Die Raumaufteilung behielt man nahezu bei. Lediglich das Treppenhaus wurde für einen nahtlosen Übergang zum Anbau verändert. Die Ebenen im Neu- und Altbau sind versetzt, was für eine ungezwungene Verschmelzung sorgt. 

Innen unterscheidet sich der hölzerne Kindergartentrakt durch das helle Erscheinungsbild von lasierten Dreischicht-Fichtenplatten an Wänden und Decken, die von vielen bodentiefen Fenstern durchbrochen sind. Außen bildet die Fichtenfassade zwar einen optischen Kontrast. Durch die durchgängigen Proportionen beider Gebäude fügt sich jedoch auch bei dieser Perspektive alles zu einem Ganzen zusammen. In der Konstruktion aus Brettsperrholz, OSB und Nadelholz sind etwa 260 m3 des nachwachsenden Rohstoffs verbaut.

Preisgekrönte Herausforderung

18 Monate betrug die Bauzeit für dieses Projekt, das mit einem Best Architects 17 Award ausgezeichnet wurde. Es zeigt, wie vielseitig Holz in Anbauten Verwendung findet und welchen Spagat der Baustoff bereitwillig vollführt. Das freundliche Kinder- und Familienzentrum transportiert so als passender und doch einzigartiger Teil in der baulichen Umgebung eine authentische Nachricht an seinen Betrachter: Integration braucht Verbindungspunkte und -willen. 

Projektdaten

Standort: Ludwigsburg
Fertigstellung: 2015
Architektur: VON M
Holzbau: Holzbau Merkle
Nutzfläche: 1750 m2 auf 2 Ebenen