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Kunsthandwerk mit Schlitzen

Zimmerleute erneuern "abgesäbeltes" Fachwerkhaus

Wenn sich Künstler an Bauwerken verwirklichen, geschieht das nur in den seltensten Fällen mit Holz. Gegen den Trend von Bronze-Büsten, ästhetisch verbogenen Metallfassaden oder virtuos den Boden bedeckenden Betonwüsten hat Gary Rieveschl beim Ulmer Landratsamt vor über 20 Jahren ein Kunstwerk aus Fichte geschaffen. Des Künstlers Idee war, das Fachwerk eines klassisch schwäbischen Wohnhauses schräg abzuschneiden. Und tatsächlich: Auf den ersten Blick verwirren die kreuz und quer stehenden Balken das Auge, welches Ordnung sucht. Dann aber erkennt man die zimmermannsmäßigen Verbindungen, welche für Fachwerke typisch sind. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich eine Fachwerkkonstruktion, die schräg abgesäbelt wurde.Im Laufe der Jahre wurde das unbehandelte Holz von Efeu überwuchert (beabsichtigt), ist aber auch schlicht und einfach weggefault (unbeabsichtigt). Da die Stadt Ulm aber die Verpflichtung hat, das Kulturgut 100 Jahre lang instand zu halten, wurde Zimmermeister Walter Bux aus Blaubeuren damit beauftragt, die Holzstruktur zu erneuern. Der Originalzustand musste soweit als möglich wieder hergestellt werden, was sich als gar nicht so einfach erwies. Der Anschluss an das gemauerte Fundament geschah über verdeckte Schlitzbleche. Eine Schnittfuge durfte nicht sichtbar sein. Die meisten Abbundanlagen überfordert so ein Vorhaben. Das Abbundzentrum Ulm, an dem Bux beteiligt ist, besitzt zwar eine Hundegger K3, aber eine verdeckte Stirnschlitzung kann damit nicht angefertigt werden. Also fragte Tino Bühler, Geschäftsführer des Abbundzentrums, bei Hundegger nach, wie man diese delikate Aufgabe lösen konnte. Die Hawanger Abbundspezialisten halfen aus. Eine Maschine, die gerade für Japan fertiggestellt wurde, verfügte über das seltene Universalschlitzgerät. Akribische Vermessung des Originals Bevor aber der erste Balken gekappt werden konnte, musste das marode Bauwerk vermessen werden. Die Originalpläne waren ebenso wenig verfügbar wie der Künstler. Der gebürtige Franzose war mittlerweile in die USA gezogen. Mit einem Theodolit maßen die Zimmermänner von Bux die Lage der Balken und der Anschlüsse aus. Um die zersägte Konstruktion aufrechtzuerhalten, setzte man auch zum Teil verdeckte Stahlelemente ein, die ebenfalls akribisch vermessen wurden. Das beschnittene Bauwerk misst 9,2 mal 6,5 m in der Grundfläche und ist 6,4 m hoch. Den Status quo transferierte man auf eine Sema-3D-CAD-Software. Die Lösung heißt Universalschlitzgerät Der 3D-Plan war Ausgangspunkt für das Abbundzentrum Ulm. Die Zuschnittspezialisten kümmerten sich auch um die Bestellung der nötigen Holzbauprodukte. Statt Fichte wurde diesmal die widerstandsfähigere Douglasie verwendet. In Summe wurden 7,2 m³ Holz in 158 Einzelteilen verarbeitet. Bei gut zwei Dutzend Stücken war der verdeckte Stirn-Schlitz nötig. Wenn der Künstler vor 20 Jahren so wenig als möglich vom Anschluss sehen wollte, musste dies auch heute möglich sein. Die Position der bestehenden Stahllaschen mit einem Querschnitt von 20 mal 80 mm wurde ebenfalls exakt vermessen. Das Universalschlitzgerät in der K2i, die für den Japan-Export vorbereitet war, kann die Bauteilseiten 2 und 4 sowie die Stirnseiten bearbeiten. Das Einschlitzen an sich war unspektakulär und in wenigen Stunden geschehen. Hundegger bewies damit aber erstens die Vielfalt seiner Ausstattungsmöglichkeiten und zweitens einen Kundendienst, der weit über den Standard-Support hinausgeht. "Einem Kunden, mit dem wir seit über 20 Jahren gut zusammenarbeiten, helfen wir selbstverständlich so gut wir können", drückt es Hundegger-Außendienstmitarbeiter Robert Bachlberger aus. Seit Anfang an Abbundpartner Die Hilfe in Hawangen in Anspruch zu nehmen, war logistisch kein Problem, bei gerade mal 70 km Entfernung, welche das Abbundzentrum vom CNC-Abbundanlagen-Weltmarktführer trennen. Diese Strecke kennt Bachlberger sicherlich gut. Das Abbundzentrum Ulm vertraut schon seit seiner Gründung 1991 auf die Lösungen aus Hawangen. "Als Erstes kam eine P10, kannst du dich noch erinnern?", fragt Bachlberger Bühler. Von dieser (noch grün lackierten) Anlage blieb die Hobelanlage zurück. 2006 investierte man in Blaustein in die Hochleistungs-Abbundanlage K3 mit drei Greifarmen. Im Juli des Vorjahres wurde das Ensemble mit einer Speedcut SC3 ergänzt. Ausgestattet mit einer Schwenkkappsäge und einem Revolverfräsaggregat, kombiniert sie präzisen Abbund mit großem Durchsatz. Künftig wird Brettsperrholz abgebunden In naher Zukunft ist die Anschaffung einer Abbundanlage der aktuellen Version K2i geplant. Diese will man beim Abbundzentrum Ulm mit einer Arbeitsbreite von 1250 mm erwerben. Die Idee dahinter ist, künftig auch 1,25 m breite Brettsperrholzelemente von Binderholz Bausysteme, Unternberg, abbinden zu können. "Auf derselben Maschine laufen aber genauso Dachlatten, Pfetten oder BSH-Träger drüber", unterstreicht Bachlberger die Flexibilität der K2i, die bald im baden-württembergischen Städtchen ihren Dienst aufnehmen wird.Blaustein muss auf der Hundegger-Landkarte doppelt unterstrichen sein. Gleich neben dem Abbundzentrum liegt das Gelände des Holzbauunternehmens Müllerblaustein. Der entschied sich unlängst für eine SPM2, die zweite Generation der Speed Panel Machine, die Hundegger im Vorjahr bei seinen Innovationstagen vorstellte (s. Link). Damit können 2,6 mal 6 m große Plattenwerkstoffe vollautomatisch konfektioniert werden, präzisiert der Hundegger-Außendienstmitarbeiter. HUNDEGGER Gründung: 1978Geschäftsführer: Hans Hundegger, Otto Nothelfer, Walter Fahrenschon, Hans SchillmeierStandort: Hawangen/DE, weltweit 26 NiederlassungenMitarbeiter: 400, davon 300 am StammsitzSortiment: Abbundanlagen, Zuschnitt, Portalbearbeitungsanlagen, Plattenkonfektion, HobelmaschinenInstallierte Anlagen: 4200 in 42 Ländern ABBUNDZENTRUM ULM Gründung: 1991Geschäftsführer: Tino BühlerMitarbeiter: 11Abbundvolumen: 5.500 m³ (2011)Anlagen: Hundegger-K3 mit Vierseiten-Hobelautomat, Hundegger Speedcut SC3

 

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