Holz & Lehm

Für das Raumklima ergänzen sich Lehm und Holz ideal. Durch dieses Zusammenspiel können im Trockenbau hervorragende feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften erzielt werden. Das stellt keine Revolution für den Holzbau dar, kann sich aber in Kombination mit den Werkstoffeigenschaften von Holz sehr positiv auf das Innenraumklima von Wohnungen auswirken.

Harmonie der Werkstoffe: Holz und Lehm lassen sich sinnvoll kombinieren
Harmonie der Werkstoffe: Holz und Lehm lassen sich sinnvoll kombinieren

Lehm gilt neben Holz als einer der ältesten Baustoffe der Erde. Bereits unsere Vorfahren verwendeten den natürlichen Werkstoff als Grundlage für den Hausbau. In unseren Gefilden wurde Lehm allerdings im Laufe der Geschichte immer wieder durch neue, industriell gefertigte Produkte verdrängt – zu unrecht, wenn man sich die lange Liste von Vorteilen vor Augen hält.
Heute erlebt der Baustoff ein Comeback, denn Lehm in Verwendung als sichtbare Wandoberfläche hat ähnliche Vorteile wie Holz. „In Kombination sind beide Baustoffe nahezu unschlagbar“, sagt Nikolaus Hulatsch, Geschäftsführer von Claytec in Graz. „Das fasziniert auch kreative Architekten und naturnahe Hausbauer. Längst blicken immer mehr Bauherren über ihren enggesteckten Horizont hinaus und entdecken, dass sich hinter der vermeintlich schlichten Erde ein hochwertiger Baustoff mit hervorragenden bauphysikalischen und baubiologischen Eigenschaften verbirgt.“ Lehmbau hat seine Stärke vor allem im Innenbereich.

Mit Lehm ergeben sich folgende Vorteile:

  • Lehmprodukte sind zu 100 % frei von synthetisch-organischen Zusatzstoffen – Die einzigen Bindemittel sind der natürliche Tonanteil im Lehm sowie hochelastische Pflanzenfasern.
  • Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit und ist diffusionsfähig – Tonminerale im Lehm können durch ihre sehr große Oberfläche mikroskopisch kleine Schadstoffe und Gerüche aufnehmen und neutralisieren. Somit reinigt Lehm die Luft und trägt zu einem gesunden und angenehmen Raumklima bei. Das Biomaterial kann bei Bedarf Feuchtigkeit aufnehmen und wieder an die Raumluft abgeben – bis zu einem halben Liter Wasser pro Quadratmeter Wandfläche. Schimmelbildung wird verhindert, die in Wasserdampf gelösten Schadstoffe werden aus der Luft absorbiert.
  • Lehm wirkt antibakteriell und bietet Schädlingen kein Milieu – Lehm konserviert Holz: Da Bauholz in der Regel eine höhere Feuchtigkeit als getrockneter Lehm aufweist, entzieht der Lehm dem Holz einen Teil der Feuchtigkeit und bewahrt es damit – ohne weitere Maßnahmen – nachhaltig vor Pilz- und Insektenbefall. Durch die Kombination der beiden Materialien können Fachwerkhäuser mehrere Jahrhunderte überdauern. Auch der moderne Holzbau kann davon profitieren.
  • Lehm ist vollständig form- und recycelbar – Über die Formbarkeit entscheidet der Feuchtegehalt: Je feuchter Lehm ist, desto formbarer und klebriger ist er. Durch die Zugabe von Wasser kann Lehm jederzeit wieder formbar gemacht werden. Anders als Beton kann Lehm auf diese Weise einfach wiederverwendet und in eine andere Form gebracht werden.
  • Lehm speichert Wärme – Als schweres Material kann Lehm nicht nur vor Schall schützen, sondern auch Wärme sehr gut speichern. Dadurch halten Lehmwände das Haus im Sommer lange kühl. Im Winter speichern Sie die Energie der tief stehenden Sonne und geben sie später an den Raum ab.

Ähnlich wie Holz, weisen Lehmprodukte in der Erzeugung einen sehr geringen Betrag für die Primärenergie auf. Lehm kommt aus der Natur und kann ihr (unbehandelt und unverschmutzt) auch wieder bedenkenlos rückgeführt werden.
„Holz & Lehm“ ergeben eine harmonische Partnerschaft natürlicher Werkstoffe nach ökologisch orientierten Grundsätzen.

 

Fotos: Claytec

Text: Birgit Koller