Wien lernt dazu

Errichtung eines stilvollen Kindergartens in Holzbauweise

Schul- und Kindergartenerweiterungen vorübergehenden Bestandes wurden in Wien bisher in Containerbauweise errichtet. Das soll sich künftig durch die vermehrte Errichtung stilvoller Holzbauten ändern. Wie das geht und um wie viel schöner temporäre Schulanbauten aus Holz sein können, zeigt das Architekturbüro Runser / Prantl mit der Erweiterung der Volksschule Grinzing in der Mannagettagasse in Wien.

„Holz zum Wohlfühlen“ für sechs Schulklassen

Die Schule wurde 1871/72 nach Plänen des Architekten Heinrich von Ferstel errichtet und steht unter Denkmalschutz. 2012 wurde, um den Anforderungen einer Ganztagsvolksschule gerecht zu werden, ein Neubau in Leichtbauweise errichtet. Dieser beherbergt vier Volksschulklassen, eine Vorschul- und eine Freizeitklasse sowie zwei Garderoben, Sanitäranlagen und Putzräume. Bald wird auch mit der Sanierung des Altgebäudes begonnen, dessen Räumlichkeiten neu organisiert werden. Sein Erdgeschoss ist straßen- und hofseitig nur über eine Treppenanlage erreichbar, die sich für den Einbau eines rollstuhlgerechten Liftes als zu klein erwies. Der nun entstandene Zubau löst diese Probleme durch seine Situierung und die gewählte Höhenlage. Der Schulhof, welchen man zu einem Spielhof erweitert hat, ermöglicht nun die barrierefreie Erschließung von Bestand und Zubau. Als zusätzliche funktionelle Aufwertung soll das Obergeschoss des Zubaus später über eine gläserne Brücke mit dem Altbestand verbunden werden. Vorerst zeigt sich diese Verbindung aber nur als aufstockbares Flugdach.

Eine Schule nach modernsten Standards – aus Holz
Eine Schule nach modernsten Standards – aus Holz

Kinder brauchen Freiraum

Der Zubau wurde so gestaltet, dass die Gartenflächen in gut nutzbarer Form und Größe erhalten bleiben, um den Freiraum als wichtiges Kriterium einer Ganztagsschule aufzuwerten. Damit und durch den Einsatz großzügiger Fensterflächen wird die Beziehung aller Klassen zum vorhandenen Freibereich verstärkt. Die lichtdurchfluteten Räumlichkeiten erfüllen alle Anforderungen der Grundsätze modernen Schulbaus. Der Holzrohbau des Niedrigenergiegebäudes stand in nur vier Tagen. Die Konstruktion des Zubaus und der Verbindungsbrücke besteht aus vorgefertigtem Brettsperrholz. Dieses ist im Innenbereich – wo Schall- und Brandschutz es erlauben – teilweise weiß lasiert sichtbar belassen. Laut Architektin Christa Prantl konnten die Klassenraumwände den Wiener Schallschutzbestimmungen nur durch den einseitigen Vorsatz von Rigipsplatten gerecht werden. „Selbstverständlich entschieden wir uns, die Innenseite der Klassenwände in Holz zu belassen“, sagt Prantl.Ob die neu gestaltete Schule in der Mannagettagasse als gutes Beispiel modernen und praktikablen Holzbaus vorangeht und bald Nachahmer findet, wird sich zeigen. Jedenfalls geben mittlerweile einige Studien Aufschluss über die positiven Auswirkungen des Baustoffs Holz auf die Herzratenvariabilität von Schulkindern. Dass dieser Effekt existiert, ist von vielen Seiten bestätigt – lediglich eine detaillierte Erklärung fehlt noch. 

Fotos: Rupert Steiner