Lichtkanal im Holzgewand

Das wahrscheinlich längste Einfamilienhaus der Welt

Mit 37m Länge ist das Einfamilienhaus von Juri Troy das wahrscheinlich längste seiner Art – zumindest konnte kein noch längeres gefunden werden.
Mit 37m Länge ist das Einfamilienhaus von Juri Troy das wahrscheinlich längste seiner Art – zumindest konnte kein noch längeres gefunden werden.<br /><br />

24.11.2014 – 37 Meter lang ist das Einfamilienhaus, das im Vorarlberger Rheintal zwischen Schattenwald und den Rheinauen liegt. Es beherbergt das Heim einer Jungfamilie sowie ein Grafikbüro. Wohnen und Arbeiten im Verbund also, wie es im EDV-diktierten „Homeoffice“-Zeitalter häufig vorkommt. 

Ein Strom aus Licht und Naturbildern

Die schlanke, lange Figur des Gebäudes ist der Grundstücksform zu verdanken und unterscheidet sich durch seine klare Linie von der Vielzahl der umgebenden Einfamilienhäuser. Das Haus ist „sichtorientiert“, soll heißen: Es bedient sich der grandiosen Ausblicke ins unmittelbare Vorarlberger Umland aus Tal und Bergen. Fenster und Öffnungen wurden entlang der Längsfassade präzise positioniert und richten sich in Größe und Format nach dem, was die Außenwelt an Blickfängen zu bieten hat.
Auf die Planung nahm auch der Einfall des Sonnenlichts ganz entscheidenden Einfluss: „Aufgrund der fast geschlossenen Seiten des Gebäudes könnte man vielleicht vermuten, zu wenig Tageslicht käme in das Gebäude. Aber der Schein trügt. Wir haben Öffnungen genau dort platziert, wo sie am meisten Sinn machen. Der stärkste Lichteintrag geschieht durch das Dach über einen Lichthof mit begrünter Terrasse. Dieses Licht wird durch vertikale Öffnungen in den unteren Stock weitergeleitet“, erklärt Architekt Juri Troy das Konzept.

Minitunnel quer durchs Eigenheim

Der Grundriss ist als Enfilade von Räumen organisiert, die dann an beiden Enden in großzügige, offene Wohn- und Arbeitsräume aufgelöst wird. Die Arbeits- und Wohnbereiche sind einerseits unter einem Dach vereint und andererseits klar durch den Eingangsbereich mit Parkplatz, der den Gebäudekörper unterbricht, sowie einer Loggia im Obergeschoss getrennt.

Einmal mit dem Kettcar durchs Haus fahren: Per Minitunnel kein Problem.
Einmal mit dem Kettcar durchs Haus fahren: Per Minitunnel kein Problem.
Felsen, Täler, Berge: Vorarlberg ist das Land der schönen Ausblicke – die beengte Bebauung rund um das Grundstück ließ aber nur eine schlanke, lange Figur des „37?m-Hauses“ zu.
Felsen, Täler, Berge: Vorarlberg ist das Land der schönen Ausblicke – die beengte Bebauung rund um das Grundstück ließ aber nur eine schlanke, lange Figur des „37?m-Hauses“ zu.


Außenhaut mit Botschafterfunktion

Der Beruf des Bauherrn – Grafiker – war auch Inspiration für die Fassade, welche aus einem anthrazitfarbenen Polyurethannetz gefertigt wurde und so nach Belieben als Werbefläche genutzt und umgestaltet werden kann.

Kein Schnick, kein Schnack: Klare Linien ziehen sich durch die Räume des 37?m-Hauses.
Kein Schnick, kein Schnack: Klare Linien ziehen sich durch die Räume des 37?m-Hauses.
Wohnzimmer mit Panoramablick: Ein Fernsehgerät wäre hier wohl ein Störfaktor.
Wohnzimmer mit Panoramablick: Ein Fernsehgerät wäre hier wohl ein Störfaktor.
Die Bauherren mögen es offensichtlich schlicht im Innenraum – aber sie lassen die volle Blüte der Natur in ihr Esszimmer.
Die Bauherren mögen es offensichtlich schlicht im Innenraum – aber sie lassen die volle Blüte der Natur in ihr Esszimmer.


Daten & Fakten:

Standort: Hohenems
Architektur: Juri Troy architects, www.juritroy.at
Holzbau und Tragwerksplanung: Kaspar Greber Holzbau, www.kaspargreber.at
Bruttogeschossfläche: 285m2
Bauzeit: Mai 2013 bis Januar 2014

Bilder: Juri Troy architects, Wolfgang Schmidhuber