HoHo Wien: Die Behörde

Im Gespräch mit Senaträtin Irmgard Eder von der Kompetenzstelle Brandschutz der MA 37 Baupolizei Wien

Die Sachverständige: Die Meinung von Brandschutzexpertin Irmgard Eder spielt bei der Genehmigung des HoHo Wien eine entscheidende Rolle. © Michael Reitberger
Die Sachverständige: Die Meinung von Brandschutzexpertin Irmgard Eder spielt bei der Genehmigung des HoHo Wien eine entscheidende Rolle. © Michael Reitberger

? Frau Eder, welche Rolle übernehmen Sie beim Vorhaben, in Wien den welthöchsten Holzbau zu erbauen?

! Wir von der Kompetenzstelle Brandschutz der MA 37 sind Sachverständige im Baugenehmigungsverfahren der Stadt Wien. Eine unserer Hauptaufgaben liegt in der Überprüfung von Einreichplänen und Brandschutzkonzepten für Gebäude, die in Wien zur Genehmigung eingereicht werden – so wie auch für das HoHo Wien. Unsere Ergebnisse leiten wir als Stellungnahmen an die Genehmigungsdezernate der Baupolizei weiter, die dann über eine Genehmigung entscheiden. In der Regel stimmt das Ergebnis unserer Überprüfung mit der endgültigen Entscheidung der Behörde überein.

? Es wird immer wieder diskutiert, Österreich sei „überbürokratisiert“. Bis heute hat jedes Bundesland seine eigene Bauordnung. Wird sich mit der neuen Fassung der OIB 2015 etwas verbessern?

! Bereits jetzt sind die meisten technischen Inhalte der österreichischen Bauordnungen unter den Bundesländern harmonisiert, bis auf Salzburg. Aber auch hier gibt es gerade beim Brandschutz kaum Abweichungen. Die OIB-Richtlinie Ausgabe 2015 ermöglicht für den Holzbau eine maximale Anzahl von sechs oberirdischen Geschossen, wobei Treppenhäuser und Aufzugschächte immer mineralisch auszuführen sind. Dass Ausnahmeregelungen unter Vorlage der entsprechenden Nachweise umsetzbar sind, haben bereits einige Projekte gezeigt, und das wird auch für HoHo Wien gelten.

? Österreichische Holzbauunternehmen haben in den letzten Jahrzehnten viel erreicht. Neue Produkte wurden geschaffen, hochtechnische Methoden entwickelt. Und doch müssen viele ihr hart erlangtes Wissen ins Ausland tragen, weil man dort dem Baustoff Holz mehr zutraut als bei uns. Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, dass sich diesbezüglich etwas verbessert?

! Was den Holzbau in Österreich betrifft, muss klar zwischen dem Westen und Osten des Landes unterschieden werden. Obwohl der Holzbau in den Gebäudeklassen eins und zwei in Wien seit vielen Jahren baurechtlich kein Problem darstellt, nehme ich ihn kaum wahr. Fast alles wird nach wie vor mineralisch gebaut. Auch deshalb haben wir in Wien kaum Erfahrung mit dem Holzbau. Was ich damit sagen will, ist, dass die Möglichkeit, in Holz zu bauen, in Wien aus Behördensicht schon lange gegeben ist, aber faktisch nicht genutzt wird. Wir beobachten natürlich, wie sich das europäische Umland im Umgang mit Holz verhält, und haben uns beispielsweise auch die Schweizer Richtlinien angesehen. Dort wird allerdings grundsätzlich anders gebaut. Zum Beispiel arbeitet man in der Schweiz mit sehr viel kürzeren Fluchtwegen als in Österreich. Es ist also nicht so einfach, wie es zuerst scheint. Man muss immer das Gesamtpaket betrachten, nicht lediglich Einzelheiten übernehmen. Trotzdem haben wir in Zusammenarbeit mit den kompetenten Holzforschungsstätten in Österreich einiges erreicht. Und eben diese Möglichkeiten sollten zuallererst einmal ausgeschöpft werden. Ich glaube, bezogen auf den mehrgeschossigen beziehungsweise urbanen Holzbau liegt die große Chance für den Holzbau im hohen Vorfertigungsgrad und der damit verbundenen Qualitätsüberwachung. Allerdings wird man auch hier nicht um eine Qualitätsprüfung auf der Baustelle herumkommen, wie sie bei anderen Baustoffen üblich ist. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg könnte in einer unabhängigen Prüfstelle für vorgefertigte Holzbauten liegen.

? Vor dem Hintergrund eines stärker werdenden Trends zu ökologischen Produkten in der Bevölkerung: Können Sie sagen, wie die politische Spitze Wiens zum Thema Holzbau steht?

! Der Druck der Politik auf den Holzbau ist eher gering, jedoch wird die vermehrte Verwendung von Holz positiv gesehen.

? Wie weit ist man mit Hoho Wien aus Ihrer Sicht?

! Das Projekt befindet sich noch in Entwicklung. Aber die Grundfragen der Machbarkeit sind geklärt. An den Details wird noch gearbeitet. Noch im Sommer eine Genehmigung des Vorhabens zu bekommen, wie es der Bauherr anstrebt, halte ich persönlich für sportlich. Aber aus Sicht der Kompetenzstelle Brandschutz wird es sehr wahrscheinlich zu einer Umsetzung kommen. Wir stehen in engem Kontakt mit der Wiener Feuerwehr und auch von dieser Seite ist kein Widerstand zu erwarten, sofern alle noch offenen Fragen geklärt werden. Zudem könnte das HoHo Wien nicht das einzige Holzbauprojekt in dieser Größenordnung bleiben. Ich habe bereits den Entwurf eines Brandschutzkonzeptes eines anderen Investors gesehen, der ebenfalls ein bis zu 90 m hohes Holzgebäude in Wien errichten möchte.