BSP: Wachstum ist abgeflaut

2015 wird nur um 3% mehr BSP erzeugt

30.09.2015 – Nach Jahren der massiven Investitionen hat sich das Wachstum bei BSP heuer abgekühlt. Im deutschsprachigen Raum wird erneut die 500.000 m³-Schwelle verfehlt. Wachstum findet künftig wohl anderswo statt. Im Objektbau und in Norddeutschland wäre allerdings noch vieles möglich. Die heuer geplanten BSP-Produktionsmengen summieren sich im deutschsprachigen Raum (inklusive Tschechien) auf 488.000 m³. Das ist nur mehr ein kleines Plus von 3,1 % – und nicht einmal das ist abgesichert. Da bei einigen Produzenten die Mengen nur geschätzt werden können, liegt der Zuwachs in der statistischen Schwankungsbreite.

Weltweites Interesse steigt

Nach wie vor bleibt der Alpenraum der Wachstums-, aber vor allem Innovationsmotor. Doch „Cross Laminated Timber“ ist längst weltweit ein Begriff. In Oregon erzeugt seit dem Sommer etwa D.R. Johnson das erste Brettsperrholz in den USA. Estland hat mit Cross Timber Systems ebenfalls einen ersten Produzenten. Japan, ein immens wichtiger Abnehmer europäischer (Leim-)Holzprodukte, hat sogar offiziell eine Strategie zum Aufbau einer heimischen BSP-Industrie entwickelt. Wichtig für die Zulieferbetriebe: Jedes Land, das neu in die BSP-Produktion einsteigt, kann ein Wachstumsmarkt sein. Das beweist Österreich seit den späten 1990er-Jahren.

Entwicklung der BSP-Produktionsmenge im deutschsprachigen Raum (inkl. Tschechien); © Hannes Plackner
Entwicklung der BSP-Produktionsmenge im deutschsprachigen Raum (inkl. Tschechien); © Hannes Plackner

Seine Stärken

Über die Vorteile von Brettsperrholz wurde schon alles gesagt. Die massive, schnelle, trockene und nachhaltige Bauweise zieht nach wie vor. Die Hersteller und Abwickler kommen aber auf immer neue Pluspunkte. Etwa, dass bei Aufstockungen in dicht besiedelten Stadtteilen weniger Lkw-Fahrten nötig sind, oder dass mehr Nettowohnfläche bleibt, wenn Elektroinstallationen in der BSP-Wand verlegt werden. Die größten Fortschritte machte Brettsperrholz zuletzt bei seinen Oberflächen. Die Zeiten sind vorbei, wo man nur zwischen Industrie-, Industriesicht- und Sichtqualität – natürlich alles in Fichte – wählen konnte. Zahlreiche Laubhölzer, aber auch gedämpfte, gebürstete oder gehackte Altholzoberflächen zieren heute schon die tragenden Massivholzwände. Dass es in ein paar Jahren Bedarf an Reparaturlösungen für diese Produkte geben wird, ist eine andere Geschichte.

Herausforderungen

Was den BSP-Einsatz nach wie vor hemmt, sind überholte (Landes-)Bauordnungen. Obgleich schon viel Positives geschehen ist, bleibt viel für die Holzverbände und Holzbauinnungen zu tun. Es gibt genügend Beispiele, dass mehrgeschossige Holzbauten problemlos zu errichten sind.

Brettsperrholz wird fast ausschließlich auf Bestellung produziert. Die Elemente kommen millimetergenau zugeschnitten auf die Baustelle. Das funktioniert tadellos – verlangt aber eine präzise Vorausplanung. Wer mit Brettsperrholz baut, muss Projekt- und Prozessmanagement beherrschen. Dabei werden die digitalen Plandaten immer öfter ausgetauscht. Dieser Datenfluss, bevor der erste Schnitt gesetzt wird, ist bei den hochwertigen (und hochpreisigen) Bauelementen ähnlich wichtig wie im Ingenieurholzbau. Architekt, Zimmermeister, Händler, Hersteller und Kunde müssen an diesem Prozess teilnehmen. Dem Datenmanagement kommt hier höchste Bedeutung zu. Mit BIM und IFC gibt es aber auch hier funktionierende Modelle.

Chancen für die Zukunft

Was sind die Wachstumsmärkte von morgen? Im DACH-Raum wartet sicher noch ein Millionenbusiness im mehrgeschossigen Wohnraum. Das ist in Zeiten der Urbanisierung nicht zufällig jenes Segment, wo die Baugenehmigungen am deutlichsten wachsen. Wohnraum brauchen auch Hunderttausende Flüchtlinge, die gegenwärtig in Mittel- und Nordeuropa ankommen. Vorgefertigte Holzmodule wären eine Möglichkeit, schnell und unbürokratisch auf Raumbedarf reagieren zu können. Dabei muss allerdings die Qualität hochgehalten werden.

Text: Hannes Plackner (erschienen im BSP-Special, gekürzte Version)