Freie Sicht auf die edelsten Teile

Holz als alter und neuer Zukunftsträger im Bauwesen

Für das Gebäude wurde Holz aus der Region eingesetzt. @ Joshua Jay Elliott
Für das Gebäude wurde Holz aus der Region eingesetzt. @ Joshua Jay Elliott

02.06.2016 – Wo einst steinerne Mauern den hölzernen Kern Portlands verbargen, zeigt das neue Bürogebäude „Framework”, dass einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit der neue Zukunftsträger im Bauwesen ist.

Nostalgisch und zugleich futuristisch fügt sich Framework, ein 19 m hohes Holzbauprojekt von Works Partnership Architecture, in das Zentrum Portlands ein. Die – wie ihr Name schon sagt – Hafenstadt (Binnengewässer) in Oregon/USA war vor 100 Jahren Veranstaltungsstätte einer Weltausstellung. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sich ihre Bevölkerungszahl. Industrie siedelte sich an, was die schnelle Errichtung neuer Gebäude erforderte. Das ist wohl ein Grund dafür, dass sich diverse der damals typischen Holzrahmenbauten mit Mauerverkleidung in diesem Teil der Stadt befinden. Die schnell realisierbaren Mehrgeschosser prägen noch heute stark das Stadtbild. 100 Jahre später haben fortschrittliche Unternehmen, wie Intel, adidas, Nike und Leatherman, in Portland ihre Unternehmenssitze. Derartige Weltkonzerne sowie Kreativschmieden und andere Betriebe benötigen verständlicherweise noch etwas mehr Platz. In Portland wird daher wieder gebaut – auch in Holz.

Futuristisch fügt sich Framework in das Zentrum Portlands ein. @ Joshua Jay Elliott
Futuristisch fügt sich Framework in das Zentrum Portlands ein. @ Joshua Jay Elliott

Von der Sanierung zum Neubau

„Die Idee zu Framework entsprang einem Sanierungsauftrag, den wir für den Bauherrn Urban Development Partners ausführten“, erinnert sich Olivia Guethling, Marketingverantwortliche bei Works Partnership Architecture. „Es kam die Frage auf, ob wir einen solchen historischen Industriebestandsbau in die Moderne übersetzen könnten. Wir stellten uns der Herausforderung.“ Das Architekturbüro hat sowohl Erfahrung mit Holz als auch mit der Adaption historischer Bauweisen. Der Werkstoff ist zudem ein gebräuchlicher in der Region – sogar in der Stadt. Nachdem der Bauherr sichere Statik und Brandschutz nachweisen konnte, erfolgte der Bau von vier Holzstockwerken auf einem Erdgeschoss aus Beton. Letzteres beherbergt Lobby, Garage und Geschäfte. Darüber entfalten sich Büros und Kreativschmieden.

Das Erdgeschoss ist mit einer futuristisch anmutenden Holzfassade verkleidet. @ Joshua Jay Elliott
Das Erdgeschoss ist mit einer futuristisch anmutenden Holzfassade verkleidet. @ Joshua Jay Elliott
@ Joshua Jay Elliott
@ Joshua Jay Elliott

Begehbare Vitrine

Die Konstruktion aus Douglasien- und Lärchenleimholz-Trägern sowie vereinzelten Furniersperrholz-Wänden ist teilweise gläsern umhüllt, um den Blick auf ihren historischen Kern freizugeben. Nur auf der stark von der Sonne beschienenen Ost- und Südseite hat man auf große Fassadendurchbrüche verzichtet. Des Feuchteschutzes halber ist eine Glas-Aluminium-Schicht vorgelagert. Um das offene Erscheinungsbild zu realisieren, bedurfte es allerdings eines geänderten Konzepts, da die Außenwände keine tragende Rolle spielen konnten. Man orientierte sich so stark wie möglich am Erscheinungsbild von vor 100 Jahren und entwickelte eigens sichtbare Verbinder, um den Industriecharme noch zu verstärken. 80% des verbauten Holzes liegen offen und erfüllen die frei gestaltbaren Räume mit Behaglichkeit. Wer das Gebäude betrachtet und betritt, versteht dessen Aufbau. Die Decken bestehen aus diagonal angeordneten Nut-Feder-Brettern. Das Treppenhaus ist aus vorgefertigten Elementen, wie Laminated Strand Lumber (LSL) und Sperrholz, gefertigt. „Wir vergleichen Framework gern mit einem Flaschenschiff“, bemerken die Architekten Carrie Strickland und Bill Neburka. „Es ist ein filigraneres Abbild eines historischen und massiveren Vorbilds hinter Glas.“ – Wie ein Schmuckstück in einer Vitrine.

85% Holz – 100% aus der Region

Die Wahl regionaler Zulieferer, wie der Idaho Forest und der Frank Lumber Company, Oregon, verstärkt die Verbundenheit zum Standort. Ganz nebenbei ist das Projekt mit einem Holzanteil von 85% ein Paradebeispiel für optisch ansprechenden Klimaschutz im Bauwesen. Reichlich verwendetes Spezialglas begünstigt die Energieeffizienz und isoliert bei zu viel Wärmeeinstrahlung. „Framework löste durchwegs positive Resonanz aus“, so die Architekten. „Nachbarn und Politik begrüßen das nachhaltige Konzept, das mehrere Architekturpreise gewonnen hat.“ Einen WoodWorks Design Award des Softwood Lumber Board und des US Department of Agriculture brachte das Projekt ebenfalls ein. Seit der Fertigstellung am 30. September 2015 sind bereits 90% der 2300 m2 vermietet. Der individuelle Innenausbau läuft – und kann von außen mitverfolgt werden.

@ Joshua Jay Elliott
@ Joshua Jay Elliott

Erlaubt ist, was nachweislich hält

Oregon gilt als holzfreundlicher Bundesstaat und Vorreiter für den Holzbau innerhalb der USA. Im Oregon Structural Specialty Code – der örtlichen Bauordnung – werden Mindestmaße und -qualitäten für diverse Holzarten und -produkte im Holzbau vorgegeben. Gleichzeitig lässt man bei der Gestaltung und Kombination Freiraum. Um ein mehrgeschossiges Gebäude aus Holz zu errichten, wird ein unabhängiger Nachweis über die statischen Eigenschaften und den Brandschutz benötigt. Die Höhenbegrenzung laut Bebauungsplan spielt außerdem eine Rolle. Häufig arbeiten (private) Waldbesitzer, Forschungseinrichtungen und Industrieverbände zusammen, um die Möglichkeiten des Holzbaus weiter voranzutreiben. Preise werden ausgelobt und Wissen wird geteilt – häufig online und somit staatenübergreifend.

Framework – der Name ist Programm: Die großzügige Glasfassade gibt den Blick auf die Konstruktion frei. @ Joshua Jay Elliott
Framework – der Name ist Programm: Die großzügige Glasfassade gibt den Blick auf die Konstruktion frei. @ Joshua Jay Elliott

Preisgekrönte Holzbauexperten

Works Partnership Architecture wurde 2005 in Portland, Oregon, gegründet und befasst sich mit zeitlosem Design, das den Zweck jedes Projekts nach außen trägt. Vor allem anderen steht die Identifikation dieses Zwecks. Anschließend erfolgt die Planung unter Berücksichtigung eines optimalen Kosten-Rendite-Verhältnisses. Das Team integriert Umweltaspekte in seine Dienstleistungen als Architekturbüro. Weitere Projekte in Holz befinden sich bereits in Planung oder im Bau, wie der Büro- und Einzelhandelsstandort „811 Stark“. Der Dreistöcker ist ähnlich aufgebaut wie Framework, optisch aber in unregelmäßig angeordnete, rechteckige Einheiten unterteilt, die den Anschein erwecken, als würden sie lose aufeinanderliegen. Welche spezielle Funktion wohl hinter diesem Design steckt?

@ Joshua Jay Elliott
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Projektdaten

Standort: Portland/Oregon
Fertigstellung: 2015
Architektur: Carrie Strickland & Bill Neburka Works Partnership Architecture
Holzbau: Urban Development Partners
Systemlieferant: Calvert Company

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