Häuser aus Altpapier

Schweizer Architekt kombiniert Leichtbau mit den Eigenschaften von Zement

17.11.2016 – Leicht bauen funktioniert am besten mit Holz. Um alle Vorteile nachwachsender Rohstoffe mit jenen von mineralischen Bauprodukten zu verbinden, hat ein findiger Schweizer Holz mit zementgetränktem Papier kombiniert.

Papier – ein Baustoff mit Zukunft? Ein Schweizer Architekt ist fest davon überzeugt. © Ecocell
Papier – ein Baustoff mit Zukunft? Ein Schweizer Architekt ist fest davon überzeugt. © Ecocell

Zwölf Mal leichter als Beton, drei Mal leichter als Holz und dabei hoch brandbeständig, belastbar und ebenso gut wärmedämmend – mit diesen Prädikaten definiert Architekt und Unternehmer Fredy Isely seinen Ökobaustoff Ecocell. Was dahinter steckt, ist ein Sandwich-Verbundwerkstoff aus Papierwaben im Kern (Honeycomb) und Beplankungen aus 3-Schicht-Massivholzplatten. Zur Erlangung der Feuerwiderstandsklasse EI 60 werden die Papierwaben mineralisch beschichtet.

Die Ecocell-Platten bestehen aus einem Sandwich aus zementgetränkten Papierwaben …
Die Ecocell-Platten bestehen aus einem Sandwich aus zementgetränkten Papierwaben …
… und OSB-Beplankungen aus 3-Schicht-Massivholz. © Ecocell
… und OSB-Beplankungen aus 3-Schicht-Massivholz. © Ecocell

Holz – Zementpapier – Holz

Hergestellt wird das Ecocell-Bausystem in einem Werk im schweizerischen Sulgen in einem speziellen Verfahren. Zum Einsatz kommen die nachwachsenden Rohstoffe Massivholz und Holzfasern (für Papierwaben) sowie Zement für den Brandschutzüberzug. Der Zement beschichtet dabei die gesamte Oberfläche inklusive jene innerhalb der Hohlräume der Wabenplatten. Die offene Wabenstruktur bleibt dabei erhalten. Die getrockneten Betonwaben werden anschließend mit Holzpaneelen beplankt. Für eine hohe Maßhaltigkeit der Bauelemente, die nach dem Nut- und Feder-Prinzip miteinander verbunden werden, sorgen CNC-Bearbeitungszentren.

Laut Erfinder Isely stammen die Holzfasern für den Wabenkern ausschließlich von Altpapier und recycelten Kartonagen. 

In der Ostschweiz entstehen derzeit erste Häuser aus dem Papierbaustoff. © Ecocell
In der Ostschweiz entstehen derzeit erste Häuser aus dem Papierbaustoff. © Ecocell

Papier in Wand und Decke für 400 Wohneinheiten

Anwendung finden die Ecocell-Platten als Wand- und Deckenelemente sowie in Form von Sonderbauteilen. Je nach Anforderung und Funktion kommen die Platten als ein-, zwei- oder dreilagige Sandwiches zum Einsatz. Die Nut- und Feder-Verbindungen ermöglichen einen relativ unproblematischen Rückbau der Bauelemente wie auch deren partielle Wiederverwendung bzw. Aufbereitung. Für Elektro- und Sanitärinstallationen stehen aus Massivholz gefertigte Kanalelemente zur Verfügung, die im Rahmen der Vorfertigung miteingeplant werden müssen.

In der Ostschweiz entstehen seit Mitte des Jahres 230 Doppel-, Reihen- und Einfamilenhäuser mit insgesamt rund 400 Wohneinheiten aus dem Papier-Baustoff. Alle Objekte folgen einem gesamtökologischen Grundsatz aus großteils nachwachsenden Rohstoffen und einer autarken Energieversorgung durch solare Gewinne.

Je nach Anforderung können die Sandwichplatten ein-, zwei- oder dreilagig ausgeführt werden. © Ecocell
Je nach Anforderung können die Sandwichplatten ein-, zwei- oder dreilagig ausgeführt werden. © Ecocell

Dämmt und trägt zugleich

Hersteller Ecocell gibt an, dass es sich bei den Zementpapierwaben um das weltweit erste Wandsystem handelt, das als Isolation dient und zugleich statisch belastet werden kann. Die röhrenartigen, dicht gepackten Kammern erlauben Belastungen von bis zu 220 t/m2 (bezogen auf den Wabenkern ohne Holzbeplankung) bei einem Raumgewicht von nur 230kg/mwährend der Wärmeisolationswert bei Lambda = 0,13 W/mK liegt.

1. Preis bei GreenTec-Award

Für sein neuartiges Produkt erhielt Fredy Isely im Mai dieses Jahres den 1. Preis in der Kategorie "Bauen und Wohnen" der renommierten GreenTec-Awards. Damit werden Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen oder private Projekte ausgezeichnet, die Maßstäbe im Bereich nachhaltiger Umwelttechnologien setzen.

_mr / Quelle: Ecocell