Der Hippokrates von London

Warum ein moderner Holzpavillon an eine 2400 Jahre alte Platane erinnert

05.07.2017 – Auf der griechischen Insel Kos steht inmitten der gleichnamigen Altstadt eine große Platane, die dem darunterliegenden Platz viel Schatten spendet. Hippokrates, der Urvater der modernen Medizin, soll die Platane selbst gepflanzt und unter diesem Baum gelehrt haben. Als der Apostel Paulus ein paar Jahrhunderte später nach Kos kam, lehrte er unter demselben Baum das Christentum, heißt es. 

Der diesjährige Serpentine Pavillon im Londoner Kensington Gardens erinnert an einen Baum als Treffpunkt. © 2017 Iwan Baan
Der diesjährige Serpentine Pavillon im Londoner Kensington Gardens erinnert an einen Baum als Treffpunkt. © 2017 Iwan Baan

Große Bäume gelten seit Menschengedenken vor allem im Sommer als beliebte Sammelpunkte, weil sie wertvollen Schatten oder auch Schutz vor Regen spenden. Die Idee „des Baumes als Mittelpunkt für einen gegenseitigen Austausch“ griff auch der aus Burkina Faso stammende und in Berlin tätige Architekt Diébédo Francis Kéré für den Bau des diesjährigen Serpentine Gallery Pavillon in London auf. Er ist der siebzehnte Architekt, der einen temporären Pavillon in die Kensington Gardens stellt. Seit dem Projektstart im Jahr 2000 erregen die Pavillons Jahr für Jahr internationale Aufmerksamkeit. Der preisgekrönte Planer hat ein schwungvolles, innovatives Gebäude gestaltet, das seinen charakteristischen Sinn für Licht und Leben in die britische Hauptstadt bringt.

Ein licht- und luftdurchlässiges Holzdach wird von einem filigranen Stahlrahmen getragen, umgeben von blauen Holzwänden. © 2017 Iwan Baan
Ein licht- und luftdurchlässiges Holzdach wird von einem filigranen Stahlrahmen getragen, umgeben von blauen Holzwänden. © 2017 Iwan Baan

Veranstaltungsreihe unterm Holzdach

Inspiriert durch einen Baum, der ähnlich wie einst die Platane des Hippokrates als zentraler Kommunikationstreffpunkt in seiner Heimatstadt Gando dient, hat Kéré ein luftdurchlässiges Gebäude entworfen, das seine Besucher mit der Natur verbinden möchte. Ein weit auskragendes Holzdach ahmt die Krone des Baumes nach und ermöglicht dabei der Luft frei zu zirkulieren, während es gleichzeitig Schutz vor Londons Regen und Sommerhitze bietet. Ein filigraner Stahlrahmen, auf dem das Dach ruht, ist von einer blauen Holzwand umgeben. Vier Eingänge führen zu einem offenen Innenhof. Als zusätzlicher Hingucker wird das gesammelte Regenwasser vom Dach zum Wasserfall bevor es im Boden versickert.

Im Serpentine Pavilion 2017 werden im Laufe der Sommermonate eine Reihe von Veranstaltungen stattfinden, unter anderem auch die Park Nights, eine interdisziplinäre Veranstaltungsreihe, die auf die Architektur des Pavillons Bezug nimmt. Den Pavillon selbst kann man noch bis 8. Oktober besichtigen.

_bg / Quelle: serpentinegalleries.org