Holz und Licht statt Kirchturm

Gewagter Entwurf eines neuen Sakralbaus für Kopenhagen

07.09.2017 – Ein mächtiges Gebäude, zentraler Standort, hoher Turm, Kreuz drauf: weltweit Gestaltungsmerkmale eines Gotteshauses. Moderne Kirchenneubauten konterkarieren allerdings oft das traditionelle Bild – sie kommen ohne Turm aus und weichen von der überlieferten Form ab.

Ein Entwurf, der wohl etwas zu gewagt war: Das britische Büro „Architects of Invention“ konnte die Verantwortlichen leider nicht von seiner Vision einer Kirche von morgen überzeugen. © Architects of Invention
Ein Entwurf, der wohl etwas zu gewagt war: Das britische Büro „Architects of Invention“ konnte die Verantwortlichen leider nicht von seiner Vision einer Kirche von morgen überzeugen. © Architects of Invention

Architekten sehen Sakralbauten seit jeher als reizvolle Herausforderung an und experimentieren gerne, was Form, Material und Innenraumgestaltung angeht. So sah sich auch das Londoner Team von Architects of Invention geleitet, einen extravaganten Entwurf in die Wettbewerbsentscheidung zu einer neuen Kopenhagener Kirche zu schicken. 

Vertikale Nutzung für mehr Flexibilität

Das Konzept spiegelt einerseits die industrielle Vergangenheit des Geländes des Bezirks Sydhavnen wider und nimmt trotzdem die traditionelle Kirchenarchitektur Kopenhagens in sich auf. Vertikal ragt der Holzbau 49 m in die Höhe und läuft oben spitz zusammen. Was den speziellen Sakralbau aber von anderen vertikal ausgerichteten traditionellen Gebäuden unterscheidet, ist, dass der Raum nicht ausschließlich auf ein horizontales Nutzungskonzept ausgelegt ist. Die Vertikale bleibt nicht funktionslos – durch den Einzug von Ebenen bietet sich ein flexibles Spektrum an Gebrauchsmöglichkeiten. Neben der traditionellen Messe könnte der Neubau auch Vorträge oder Konzerte in sich aufnehmen.

Moderne Geometrie in Holz

Die Außenhaut ist als strukturelles Skelett inklusive Fraktalmuster gestaltet. Das erzeugt scharfe Schatten im Inneren. Diese Geometrie und mannigfaltiger Lichteinfall prägen den Sakralbau maßgeblich. Das helle Holz – durchgehend an den Wänden und am Boden sowie für alle Sitzmöglichkeiten verwendet – schafft eine schutzstiftende Atmosphäre, wie es von einem Gotteshaus erwartet wird.

Aus der Ferne erscheint der Londoner Entwurf als eine verschwommene abstrakte Wolke mit einer unverwechselbaren Silhouette. Diese wird allerdings in der Realität nie zu bewundern sein, da ein anderes Architektenteam das Wettbewerbsrennen für sich entschied. Seit 1989 wurde keine neue Kirche mehr in Kopenhagen errichtet. Bis 2019 gedenkt man den Entwurf der ortsansässigen Wettbewerbsgewinner JAJA Architects umzusetzen.

_kl