Origami-Bauwerk ganz aus Holz

Historische Zimmermannsmethoden neu interpretiert: Der neue Pavillon des Théâtre de Vidy in Lausanne

29.09.2017 – Wie halten 45 mm dünne Platten ein ganzes Gebäude? Für den Bau eines neuen Theaterpavillons in Lausanne stellten sich knifflige Statik-Aufgaben. Gelöst wurden sie mit traditionellen Methoden – umgesetzt durch neueste Technologien.

Feinste Architektur aus feinstem Material: Der Neubau des Théâtre de Vidy; © BLAG / Kramer
Feinste Architektur aus feinstem Material: Der Neubau des Théâtre de Vidy; © BLAG / Kramer

Wie ein überdimensionales Origami-Faltgebilde steht der neue Pavillon des Théâtre de Vidy an der Lausanner Strandpromenade im Schutz alter Bäume. Schlicht und unaufdringlich wirkt der grau lasierte Holzbau von Architekt Dr. Christopher Robeller – und zugleich einzigartig in seiner polygonalen Form.

So besteht das Hallengebäude, dessen Dach die Distanz von 20 m ohne Stützen überwindet, aus zwei parallelen Schichten von Holzwerkstoffplatten, die je nur 45 mm dick sind. Dass die dünnen Platten statisch tragen, liegt an der Anordnung der dreieckigen Bauteile, die sich gegenseitig stabilisieren. Zugleich entsteht auf diese Weise die besondere Origami-Faltform.

© BLAG / Kramer
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Statisch gelöst durch hochkomplexe Zapfenverbindungen

Die Spezialität des Baus, welche ebenfalls die Statik betrifft, ist die Verbindungsweise. David Riggenbach, Projektleiter vom ausführenden Holzbau-Unternehmen Blumer-Lehmann, erklärt: „Die Holzplatten wurden mit einer ausgeklügelten Holz-Holz-Zapfenverbindung ineinandergefügt – ähnlich der traditionellen Schwalbenschwanzmethode. Leim oder Schrauben waren deshalb kaum nötig.“

© BLAG / Kramer
© BLAG / Kramer

An der ETH Lausanne wurde unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Yves Weinand im Vorfeld die Kräfteübertragung solcher Zapfenverbindungen erforscht. Um dem Verbiegen der unterschiedlich geformten Bauteile entgegenzuwirken, untersuchte man auch, welche Holzplatten hierzu am geeignetsten sind. Gewählt wurde schließlich eine fünfschichtig verleimte Fichtenplatte.

_mr / Quelle: Blumer-Lehmann