Vom Piloten zum Dauerflieger

Eine Reminiszenz an die mehrgeschossige Holzmodulbauweise

20.11.2017 – Betrachtet man die Baustellenbilder vom dreigeschossigen „ÖlzBündt“, könnte man meinen, die Aufrichte fand erst gestern statt. Tatsächlich stellte man den modularen Mischbau vor exakt 20 Jahren fertig. Ohne Zweifel, dieser Holzbau war seiner Zeit voraus. Nicht verwunderlich bei den beteiligten Protagonisten. Architekt Hermann Kaufmann zeichnet im Verbund mit Anton Kaufmann von Kaufmann Bausysteme und Konrad Merz von Merz Kley Partner für den Vorreiterbau verantwortlich. Eine Reminiszenz dreier Wegbereiter der mehrgeschossigen Holzmodulbauweise.

Sowohl der Laubengang als auch die west- und südseitigen Balkone sind als selbstständige Tragstrukturen außerhalb der Gebäudehülle angeordnet. © Ignacio Martinez
Sowohl der Laubengang als auch die west- und südseitigen Balkone sind als selbstständige Tragstrukturen außerhalb der Gebäudehülle angeordnet. © Ignacio Martinez

ÖlzBündt trägt den Namen eines seiner Miteigentümer, Gerold Ölz. Der Grafiker verfügte über ein Grundstück und wollte auf diesem seine Arbeitsräumlichkeiten durch einen Neubau erweitern. Gemeinsam mit Anton Kaufmann, dem zweiten Eigentümer, wurde die Idee eines Mischbaus aus Büro- und Wohnfläche geboren. Auf der Wiese, im Vorarlberger Dialekt auf der „Bündt“, von Ölz sollte der Entwurf zu stehen kommen. Heute, 20 Jahre später, werkt das Ölz-Grafikteam noch immer von ihrem dreistöckigen Büro im vorderen Gebäudeteil aus. Im hinteren Gebäudeabschnitt liegen sechs Zweizimmer- und sechs Dreizimmerwohnungen.

Eigentümer Wohnbereich Anton Kaufmann, Statiker Konrad Merz, Architekt Hermann Kaufmann und Eigentümer Bürobereich Gerold Ölz (v. li.) © Ignacio Martinez
Eigentümer Wohnbereich Anton Kaufmann, Statiker Konrad Merz, Architekt Hermann Kaufmann und Eigentümer Bürobereich Gerold Ölz (v. li.) © Ignacio Martinez

Damalige Zielsetzung aktueller denn je

Ein Blick in die Vergangenheit offenbart: Viel hat sich im Vergleich zur heutigen Herangehensweise nicht verändert. „Dieses neue Holzbausystem für den mehrgeschossigen Wohnbau war ein neuer Schritt in die Zukunft des vorgefertigten seriellen Bauens. Ein maximaler Vorfertigungsgrad mit ökologisch unbedenklichen Baumaterialien mit niedriger Herstellungsenergie sowie ein extrem niedriger Energieeinsatz für den Betrieb des Gebäudes waren 1997 die Ziele bei der Systementwicklung“, formuliert Architekt Kaufmann. Vor allem auch die Bauweise selbst sei für Ende der 1990er-Jahre durchaus fortschrittlich gewesen. „Wir waren eigentlich 20 Jahre zu früh dran. Erst heute beginnt sich das Bauwesen langsam auf Vorfertigung und Systematisierung umzustellen und die damals formulierten Zielsetzungen sind aktueller denn je.“

Jetzt bewegt sich etwas am Markt

Auch Miteigentümer Anton Kaufmann erkannte den Wert der seriellen Bauweise schon damals: „Unser Ziel war es, den privaten und öffentlichen Bauträgern ein wirtschaftliches Bausystem zur Verfügung zu stellen. Das System war auf industrielle Vorfertigung ausgelegt – erforderte also größere Stückzahlen. Dementsprechend hohe Investitionen in die Produktionsanlagen waren nötig, um die Kostenvorteile entsprechend nutzen zu können.“ Zur Systematisierung des Bauens in Zusammenhang mit Holzbau fügt er noch hinzu: „Vor 20 Jahren – und auch noch bis vor wenigen Jahren – waren die Bauträger noch nicht bereit, sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. Nun endlich bewegt sich einiges auf diesem Markt.“

Enorm kurze Bauzeit: Baubeginn: 7. Jänner 1997 @ privat
Enorm kurze Bauzeit: Baubeginn: 7. Jänner 1997 @ privat
Fertigstellung: 2. Mai 1997 © Ignacio Martinez
Fertigstellung: 2. Mai 1997 © Ignacio Martinez
Übersichtsmodell © privat
Übersichtsmodell © privat

Lösungen noch heute im Einsatz

Wie zeitgemäß der Bau auch heute noch ist, unterstreicht der dritte im Bunde, Konrad Merz: „Die Tragkonstruktion der Anlage war in vielerlei Hinsicht der Zeit voraus. Die Verwendung von verklebten Hohlkastenelementen ist heute im mehrgeschossigen Holzbau weit verbreitet. Das Befüllen der Elemente mit Splitt als Trittschallschutz wird immer wieder praktiziert. Und das konsequente Vermeiden von Querpressungen bei der Lastweiterleitung durch die Geschossdecken sowie die modularen, in den Wandaufbau integrierten Aussteifungselemente sind Lösungen, die wir noch heute in ähnlicher Form bei vielen unserer Bauten anwenden.“

© Ignacio Martinez
© Ignacio Martinez

„Darauf sollten wir aufbauen“

Aus diesen Gedanken heraus ergab sich also die Bauweise. Den hohen Anforderungen an den Energiekennwert und die Gebäudedichtigkeit führten zu einem schlichten, kompakten Baukörper. Die traditionelle Fassadenverkleidung mit einer rohen Lärchenschalung wird von dem leicht auskragenden Vordach geschützt. Anton Kaufmann resümiert: „Der Bau ist nach 20 Jahren in bestem Zustand – innen wie außen. Meine Mieter sind vom Wohnkomfort und vor allem von den niedrigen Betriebskosten begeistert. Und ich bin es als Bauherr ebenso, weil kaum Wartungskosten anfallen. Auf diese positiven Erfahrungen sollten wir aufbauen.“

_kl