Eine Parabel für mehr Grün

Wie ein 38.000 Quadratmeter-Brettsperrholzbau Erholungsraum zurückgeben soll

30.11.2017 – Selbstverständlich ist es heute, dass Architekten Klimaschutzüberlegungen in ihre Neubauentwürfe einfließen lassen. Sollte es zumindest sein. Immer öfter ist es darüber hinaus der Fall, dass ökologische Aspekte Entwurfsideen beherrschen. So auch der Fall bei dem neuesten Konzept der Londoner Architects of Invention. Die Idee: Neben der ökologischen Bauweise in Brettsperrholz will man bebaute Fläche in Form einer Parklandschaft und Terrassenbegrünung als Erholungsraum zurückzugeben.

In Birmingham soll diese Parabel für mehr Grün zu stehen kommen – durch die großräumige Bepflanzung von Dachfläche kann direkt am Gebäude Erholungsraum entstehen, so die Idee. © Architects of Invention
In Birmingham soll diese Parabel für mehr Grün zu stehen kommen – durch die großräumige Bepflanzung von Dachfläche kann direkt am Gebäude Erholungsraum entstehen, so die Idee. © Architects of Invention

Durch Neubauten wird tagtäglich Boden versiegelt. In Österreich und auf der ganzen Welt. Das hat verlorene Grünflächen zur Folge. In diesem Bewusstsein tauchen in zeitgenössischen Entwürfen immer öfter bepflanzte Fassaden und Dächer auf. Die Londoner Architects of Invention dachten bisher Dagewesenes in diese Richtung noch ein Stück weiter und entwarfen einen Mischbau aus Wohn- und Gewerbefläche, der selbst als begrünter Hügel fungiert. Basierend auf den sagenumwobenen Hängenden Gärten von Babylon umfasst das „Garden Hill“-Designkonzept in Form einer Parabel zwei modulare 25-stöckige Türme. Die stufenartige Anordnung des Baus, der im Viertel Digbeth in Birmingham zu stehen kommen soll, schafft für jede der insgesamt 500 Wohneinheiten Zugang zu einer privaten Terrasse. Diese erhalten den ganzen Tag über Sonnenlicht, wobei der südliche Turm die Morgensonne einfängt und die nördlichen Einheiten abends beschienen werden. Im Erdgeschoss sind Gewerbeflächen vorgesehen.

Auf beiden Türmen sind sogenannte Sky Gardens vorgesehen – zum Teil öffentlich zugänglich, zum Teil der privaten Nutzung vorbehalten. © Architects of Invention
Auf beiden Türmen sind sogenannte Sky Gardens vorgesehen – zum Teil öffentlich zugänglich, zum Teil der privaten Nutzung vorbehalten. © Architects of Invention
© Architects of Invention
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Bereit für neue Wohnkonzepte

Und nicht nur das Erscheinungsbild folgt einer kreativen Denkart. Co-Housing- und Co-Working-Konzepte inklusive großzügiger Gemeinschaftsflächen sollen ein neues Wohnbedürfnis bedienen. Mit relativ kleinen Wohneinheiten (40-75m2) möchte man den Anforderungen des studentisch und multikulturell geprägten Viertels gerecht werden. „Unser Vorschlag suggeriert ein neues Modell für Wohnen und Arbeiten“, so die Architekten, „wo wir relativ kleine Einheiten mit großen Gemeinschaftsflächen sowie kleinen Mieteinheiten für Startups kombinieren.“

Die Architekten sind davon überzeugt: Durch die Erhöhung der Designqualität ergibt sich eine Erhöhung der Lebensqualität. Diesen Kausalzusammenhang sehen sie bei ihrem Entwurf gegeben. Das 79 Mio. €-Projekt befindet sich derzeit im Wettbewerb mit anderen Einreichungen in Prüfung.

_kl / Quelle: Architects of Invention