Bauherrenpreis geht an Kapelle von Bernardo Bader

Sechs Preise österreichweit, darunter ein Holzbau in Krumbach

20.11.2017 – Vergangene Woche wurden in Wien die diesjährigen Gewinner des Bauherrenpreises ausgezeichnet. Aus insgesamt 82 Einreichungen wählte die Jury, bestehend aus Tina Gregorič (dekleva gregorič arhitekti, Ljubljana), Architekturpublizistin Franziska Leeb (Wien) und Architekt Richard Manahl (ARTEC Architekten, Wien), sechs Preisträger. Ein Vorarlberger Holzbau findet sich unter den prämierten Objekten.

Die Form der Kapelle leitet sich vom ehemaligen Bestand ab – ähnlich im Grundriss, aber statt Schiff und Turm nun mit einem hohen, turmlosen Steildach. © Adolf Bereuter
Die Form der Kapelle leitet sich vom ehemaligen Bestand ab – ähnlich im Grundriss, aber statt Schiff und Turm nun mit einem hohen, turmlosen Steildach. © Adolf Bereuter

„Die sechs ausgezeichneten Bauherren ermöglichten jeweils einzigartige architektonische Lösungen mit Vorbildwirkung, die über die eigentliche Bauaufgabe hinaus Strahlkraft entwickeln. Mögen sie Inspirationsgeber für künftige Bauherren sein und Ansporn, gewohnte Wege zu verlassen, Bauaufgaben neu zu denken und dazu ermutigen, sich auch über Konventionen hinwegzusetzen“, heißt es vonseiten der Jury. Eine solch einzigartige architektonische Lösung meisterte Architekt Bernardo Bader mit der Kapelle Salgenreute. Als Bauherr fungierten die Bewohner der Parzellen Au, Zwing und Salgenreute.

© Adolf Bereuter
© Adolf Bereuter

Faltwerk aus Kreuzlagenholz

Die Kapelle hat 24 Sitzplätze, genauso viele wie der Vorgängerbau, der 1880 von einer in der Nachbarschaft ansässigen Familie errichtet wurde. 130 Jahre später ergriffen Anwohner der benachbarten Parzellen die Initiative, den einst mit bescheidenen Mitteln errichteten und in der Zwischenzeit schwer in Mitleidenschaft gezogenen Holzbau zu sanieren, was sich schließlich als sinnlos herausstellte. Es folgten viele Gespräche, Besichtigungen anderer Kapellen und schließlich ein Entwurf und ein Modell vom im Ort aufgewachsenen und immer noch ansässigen Architekten Bernardo Bader.

Als Basis wurde ein Sockel aus Alberschwender Kalkstein als Trockenmauerwerk gefügt, darüber Wände und Decken eingehüllt in ein Wetterkleid aus handgeschlagenen Lärchenschindeln. Eine mit gehämmertem Messing beschlagene Tür führt ins Innere. Im Andachtsraumraum betonen zwölf Spanten, die das Faltwerk aus Kreuzlagenholz vor dem Durchbiegen bewahren, die Höhenentwicklung. Unbehandelte Tanne kam als Decklage an den Wänden, als Boden und bei den minimalistischen Bankreihen zum Einsatz. In jedem Detail und an jeder Oberfläche wird handwerkliches Wissen und Können gewahr, das sich im Zusammenspiel von Fachleuten und Freiwilligen zu einem Stück Baukunst fügte.

Ausgelobt wird der Preis jährlich von der Zentralvereinigung der Architektinnen Österreichs.

_kl / Quelle: ZV der ArchitektInnen Österreichs