Raumluftqualität in neu errichteten Holzkonstruktionen

Neue Forschungsergebnisse ziehen auch das Wohlbefinden von Probanden in Betracht

28.12.2017 – Im Zuge des von der Holzforschung Austria und 14 weiteren Partnern initiierten Projektes Wood2New wurden zwölf in Holzbauweise errichtete Häuser über einen Zeitraum von etwa einem Jahr hinsichtlich der Innenraumluftqualität sowie des Gesundheitszustands und der Befindlichkeit der Bewohner untersucht. Nach dem raschen Abklingen der anfänglich baustellentypisch erhöhten Emissionen wurde die Luftqualität durchwegs als hoch oder zufriedenstellend bewertet. Die Testpersonen fühlten sich rundum wohl.

Die toxikologische Bewertung der untersuchten Objekte zeigte acht Monate nach Bezug größtenteils unauffällige Werte bei Massivholz- und Holzrahmenbaukonstruktionen. © HFA
Die toxikologische Bewertung der untersuchten Objekte zeigte acht Monate nach Bezug größtenteils unauffällige Werte bei Massivholz- und Holzrahmenbaukonstruktionen. © HFA

Als „Luftschloss“ im Sinne dieses Beitrags ist ein Gebäude mit ausgezeichneter Raumluftqualität zu verstehen. Nicht wenige der im Rahmen des dreijährigen Forschungsprojektes untersuchten Häuser (Holzrahmen- wie auch Massivholzbauweise) verdienen diese Bezeichnung. Gemessen wurden flüchtige organische Verbindungen (VOC), Formaldehyd, Mikroorganismen (z.B. Schimmelsporen) und Feinstaub in der Raumluft. Zudem wurden sowohl im Innen- als auch Außenbereich kontinuierlich Klimadaten aufgezeichnet. Begleitend haben die Forscher mittels Fragebögen laufend den Befindlichkeitszustand der Bewohner dokumentiert, welcher durch medizinische Untersuchungen untermauert wurde.

TVOC nach 6-8 Monaten auf Normalniveau

Die höchsten Emissionen wurden erwartungsgemäß auf der Baustelle bzw. unmittelbar nach dem Bezug der Objekte gemessen – und zwar unabhängig vom Konstruktionstyp oder der Art der Belüftung. Das Maximum des gesamten Emissionsverlaufs lag zumeist rund um den Bezugstermin, was den großen Einfluss von neu verlegtem Fußboden und Möblierung widerspiegelt. In Bezug auf „Total Volatile Organic Compounds“ (TVOC), die per Definition die Summe aller detektierten VOCs innerhalb eines bestimmten Retentionsbereichs darstellen, waren die Emissionen nach einem Zeitraum von sechs bis acht Monaten im Großteil der Häuser auf ein durchschnittliches Niveau gesunken. Es wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Konstruktionstypen Massivholz- und Holzrahmenbau festgestellt. Die Formaldehydkonzentrationen bewegten sich – mit einer Ausnahme – über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg in einem Bereich unterhalb von 60 µg/m³, welches den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Richtwert darstellt. Die Ergebnisse zeigten zudem deutlich, dass mit mechanischer Wohnraumlüftung rascher niedrigere Emissionsniveaus erreicht werden können als mit Fensterlüftung.

Raumluftqualität als sehr gut zu bewerten

Die toxikologische Beurteilung wurde auf Basis des vom Toxikologen Dr. Karl Dobianer entwickelten „Tolerable Indoor Air Concentration“-Verfahrens (TIAC) durchgeführt. Die TIAC ist gleichbedeutend mit jener Luftkonzentration eines flüchtigen Stoffes im Innenraum, die aufgrund toxikologischer Überlegungen lebenslang ohne Beeinträchtigung des Wohlbefindens und der Gesundheit vertragen werden kann, wobei auch besonders empfindliche Menschen (z.B. Kinder) berücksichtigt werden. Zusätzlich wird die Geruchsschwelle der jeweiligen Substanz miteinbezogen.

Die nach achtmonatigem Bezug in den Untersuchungsobjekten ermittelten toxikologischen Werte sind großteils als unauffällig und die Raumluftqualität in diesen Häusern als sehr gut zu bewerten (siehe Abbildung). In wenigen Fällen wurden (temporäre) Auffälligkeiten festgestellt, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Verwendung qualitativ minderwertiger Baumaterialien bzw. das individuelle Verhalten der Bewohner (Rauchen, Verwendung von Raumdüften) zurückzuführen sind. Die Untersuchung hinsichtlich Mikroorganismen ergab in keinem Fall eine Indikation auf Feuchte- oder Schimmelproblematik. Auch die durchgeführten Feinstaubmessungen wiesen keine Auffälligkeiten auf. 

Gesundheit zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt

Aus der Bewohnerbefragung ergab sich, dass die Einstufungen der Teilnehmer bezüglich gesundheitlicher Symptome und Beschwerden über den gesamten Untersuchungszeitraum konstant blieben. Selbst bei erhöhten Emissionswerten, wie sie unmittelbar nach Bezug der Häuser gemessen wurden, wurden keine physischen Beeinträchtigungen festgestellt. Weiters zeichneten sich alle Einschätzungen der Probanden bezüglich ihrer Befindlichkeit sowie gesundheitlicher Symptome durch ein sehr hohes Niveau aus. Speziell betraf dies Fragen nach der Schlafqualität, wo die Zufriedenheit als besonders hoch eingestuft wurde. Außerdem fanden sich keinerlei Hinweise auf eine Beeinträchtigung des Atemwegesystems. Auch in Bezug auf flüchtige holzspezifische Verbindungen sind Angaben zu etwaigen Reizerscheinungen an Schleimhäuten interessant: Diesbezüglich wurden keine auffälligen Ergebnisse festgestellt. Generell wurde die Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit und Lebensqualität als sehr hoch eingestuft.

Die subjektive Einschätzung der Probanden wurde mit Resultaten der durchgeführten Messungen funktioneller Lungen- und Herz-Kreislauf-Parameter komplementiert. Hier ergab sich ein ähnliches Bild. Im Zeitverlauf sind keine wesentlichen Änderungen bei den Lungenfunktionsmessungen aufgetreten. Weder bei der Auswertung von Blutdruck- und Pulsdaten noch der Evaluierung der Lidschlussfrequenz ergaben sich über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg Auffälligkeiten. Somit wurden emissionsbedingt zu keinem Zeitpunkt nachteilige Effekte auf die Gesundheit der Hausbewohner nachgewiesen – im Gegenteil: Die Testpersonen fühlten sich in ihren „Luftschlössern“ rundum wohl.

_Christina Fürhapper