Der Inbegriff von einem Daheim

Eine fünfköpfige Familie lebt ihren Traum vom Holzhaus

09.03.2018 – Anlass, in Holz zu bauen, kann vieles geben. Es mag ökologische oder ästhetische Gründe haben, oft bewegt der Gesundheitsaspekt. Die Architekten Ortraum leiteten zusätzlich die Aspekte Kinderbedürfnis und Kosteneffizienz. Was entstand, ist ein heller, freundlicher Bau mit ungewöhnlicher Dachform und interessantem Innenleben.

Hier wohnen sie nicht, sie leben schon: Dieses Einfamilienhaus verfolgt die Bedürfnisse seiner Bewohner bis ins Detail. © Goodwin
Hier wohnen sie nicht, sie leben schon: Dieses Einfamilienhaus verfolgt die Bedürfnisse seiner Bewohner bis ins Detail. © Goodwin

Auf der Halbinsel Jollas, östlich des Stadtzentrums von Helsinki, hat einer der Partner des ortsansässigen Büros Ortraum Architects ein Haus für sich und seine Familie realisiert. Auf einem 500 m2 großen, von Wald umgebenen Grundstück befindet sich seit Oktober 2017 der Brettsperrholzbau. Warum er sich für diese Bauweise entschied? „Aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen hauptsächlich, aber auch aus Gründen der Kosteneffizienz. In den nordischen Ländern ist die Einhaltung der veranschlagten Baukosten sehr wichtig. Im Fall MK5 war das Budget entscheidend. Die BSP-Elemente halfen bei der Kalkulation“, erklärt Architekt Martin Lukasczyk. Zusätzlich konnte man der geplanten Form und der Innenraumgestaltung in Holz perfekt begegnen – denn dieses Einfamilienhaus verkörpert den Inbegriff von einem Daheim. Die generelle Wohlfühlatmosphäre ergänzten die Planer um reichlich Entdeckungsraum und Bewegungsmöglichkeiten im Inneren des Hauses. Eine Kletterwand im Zimmer des Jüngsten, an der sich nach und nach der Schwierigkeitsgrad erhöhen lässt, ein Trapez, Turnringe und Co. bieten den drei Kindern abwechslungsreiche Betätigungsfelder.

Grüne Griffe markieren die Kletterwand in einem der Schlafzimmer der oberen Etage,…
Grüne Griffe markieren die Kletterwand in einem der Schlafzimmer der oberen Etage,…
…während weitere Geräte und Netze andere Räume zieren. © Goodwin
…während weitere Geräte und Netze andere Räume zieren. © Goodwin

Gute Nacht, John-Boy!

Mit einem Dachknick nach finnischer Tradition von der Nachbarschaft abgekehrt, wenden sich verschieden große Fenster der Meerseite zu. Sie rahmen unterschiedliche Aussichten und bestimmen den Lichteinfall zu bestimmten Tageszeiten. 230 m2 Wohnraum verteilen sich auf vier Ebenen bis in den First hinauf. Im Untergeschoss finden sich eine Sauna und die Haustechnik. Darüber befindet sich der Wohnraum im Erdgeschoss. Von dort aus gelangt man über einen zentral angeordneten Treppenaufgang zu den vier Schlafzimmern inklusive einer Galerieebene. Die drei Kinder- und das Elternschlafzimmer sind miteinander verbunden, sodass „vor dem Zubettgehen Kommunikation möglich ist“, formuliert der Architekt. Bei diesem sympathischen Konzept fühlt man sich an die Serie „Die Waltons“ aus den 1970er-Jahren erinnert, wo die Türen ob dem innigen Familienzusammenhalt auch beim Schlafen immer offen standen. Im Moment ist nur die Galerieebene der Eltern erschlossen, jene in den Kinderzimmern ist noch nicht direkt zugänglich. Das geschieht erst später, sobald die zwei Töchter und der Sohn älter sind.

230 Quadratmeter auf vier individuell gestalteten Etagen – ein Brettsperrholzbau glänzt mit Details. © Goodwin
230 Quadratmeter auf vier individuell gestalteten Etagen – ein Brettsperrholzbau glänzt mit Details. © Goodwin

BSP-Elemente mit zusätzlichen Funktionen

Konstruktiv herausragend ist darüber hinaus die starke Individualisierung. Bei diesem Projekt kam es zur vollständigen Integration von Klimatisierung und Beleuchtung in die BSP-Elemente. Ortraum verfolgt in jedem Projekt einen Forschungsansatz, der auf die Funktionserweiterung des Elementdesigns abzielt. „Wir finden, dass BSP ein Rohstoff ist, den es zu erforschen und zu entwickeln gilt“, erklärt Lukasczyk. „Unsere Forschungserkenntnisse fließen in unsere Projekte ein.“ Im Innenraum wurde das Brettsperrholz auf Sicht belassen. Für den Boden und etliche Einbaumöbel verwendete man Sibirische Lärche. An der Fassade kam sie ebenfalls zum Einsatz. Kupfer rahmt die Fenster. Auf der Südseite des Gebäudes spannte man vertikal Drähte von der Dachtraufe zum darunterliegenden Terrassendeck, damit Kletterpflanzen später einmal einen „grünen Vorhang“ zur Straßenseite hin schaffen können.

Sibirische Lärche bestimmt das innere Erscheinungsbild. Sie kam auch bei den Böden zum Einsatz. @ Goodwin
Sibirische Lärche bestimmt das innere Erscheinungsbild. Sie kam auch bei den Böden zum Einsatz. @ Goodwin
Neben der Elektrik sind das Lüftungssystem und die Beleuchtungskörper vollständig in die Brettsperrholzelemente integriert. © Goodwin
Neben der Elektrik sind das Lüftungssystem und die Beleuchtungskörper vollständig in die Brettsperrholzelemente integriert. © Goodwin

Ortraum Architects konzentrieren sich in ihrer Praxis auf die intensive Zusammenarbeit mit dem Kunden und den Kontext – immer mit dem Ziel, eine einzigartige Lösung zu schaffen. Dies gelang hier mit einem stimmigen und nachhaltigen Gesamtkonzept und großem Bedacht auf Details.

© Goodwin
© Goodwin

Projektdaten

Standort: Helsinki, FI
Fertigstellung: 2017
Architektur: Ortraum Architects
Holzbau: Emmahus
Nutzfläche: 230 m2
Systemlieferant: KLH

_kl