Dieser Stadtflitzer kommt auf den Kompost

Niederländische Studenten entwerfen E-Auto aus Biomaterial

30.04.2018 – Ähnlich wie im Bauwesen, denken auch viele Konstrukteure der Automobilindustrie nur die halbe Wahrheit, wenn es um die Ökologisierung unserer Zukunft geht. Sowohl da als auch dort stehen Energieverbrauch und Energiequellen im Fokus des Interesses, während die nachhaltige Nutzung von Bau- und Konstruktionsmaterialien nur als zweitrangig erachtet wird. Studenten aus dem niederländischen Eindhoven haben diesen Missstand erkannt und mit „Noah“ ein recyclebares Auto entworfen, das – soweit möglich – aus kompostierbaren Materialien besteht. 

Mit Tempo 100 auf den Kompost: „Noah“ wird das erste aus Biomaterialien gebaute und recyclebare Auto der Welt. © TU/ecomotive, TU Eindoven
Mit Tempo 100 auf den Kompost: „Noah“ wird das erste aus Biomaterialien gebaute und recyclebare Auto der Welt. © TU/ecomotive, TU Eindoven

Der als E-Auto konzipierte Zweisitzer des Teams von TU/ecomotive setzt dabei auf einen Verbundwerkstoff aus Flachs und Polymilchsäure (PLA), der vollständig biologisch abbaubar ist. Durch seine Wabenstruktur soll der Werkstoff besonders stabil sein – mit Festigkeitseigenschaften, die ähnlich jenen von Metall sind. Nahezu das komplette Chassis kann damit umweltfreundlich und CO2-sparend im 3D-Druckverfahren produziert werden. Lediglich dort, wo es aus Gründen der Dauerhaftigkeit oder Sicherheit absolut notwendig ist, kommen Stahl und Kunststoff zum Einsatz – wie für die Achsen, die Felgen oder die Bremsklötze.

Flachs und Polymilchsäure (PLA) im wabenförmigen Verbund machen Noah umweltfreundlich und stabil zugleich. © TU/ecomotive, TU Eindoven
Flachs und Polymilchsäure (PLA) im wabenförmigen Verbund machen Noah umweltfreundlich und stabil zugleich. © TU/ecomotive, TU Eindoven

Noah ist aber nicht nur wegen seiner Konstruktionsmaterialien echt smart: Seine Erbauer haben auch dafür gesorgt, dass das Auto ebenso einfach demontierbar, wie zusammengebaut ist. Dadurch soll es möglich sein, 90% der Teile wiederverwenden zu können – ohne aufwändiges Abwracken und umweltbelastendes Deponieren.

© TU/ecomotive, TU Eindoven
© TU/ecomotive, TU Eindoven
© TU/ecomotive, TU Eindoven
© TU/ecomotive, TU Eindoven

Ein 15 kW-Elektromotor beschleunigt Noah auf maximal 100 km/h, was den Niederländer für die Stadt- und Nahverkehrsnutzung auszeichnet. Allerdings bewältigt er mit einer Reichweite von 240 km auch durchaus die eine oder andere Kurzurlaubsstrecke.

Aktuell handelt es sich bei Noah um ein Konzept, was sich mit bereits erbetener Unterstützung vonseiten der Automobilindustrie aber schon bald ändern soll: Die Studenten hoffen, noch heuer einen ersten Prototyp inklusive Straßenzulassung vorführen zu können.

_mr / Quelle: TU/ecomotive, TU Eindhoven