Im Namen des BSP

Die Binderholz-Seminare 2017

05.05.2017 – Holzbau hat gleich mehrere Trümpfe im Ärmel, wenn es um Verdichten, Aufstocken und mehrgeschossiges Bauen im urbanen Raum geht. Holzkennern ist das längst bewusst. Um auch jene von den Möglichkeiten zu überzeugen und letzte Zweifel in Richtung Gegenteil auszuräumen, die nicht so dicht am Thema sind, veranstaltet Binderholz seit einigen Jahren eine Seminarreihe, die sowohl technisch als auch emotional in die Materie taucht. Heuer erhielten sowohl Architekten, Bauträger, Ingenieure als auch Bauherren in Wien, St. Pölten, London und im finnischen Lieksa in jeweils halbtägigen Veranstaltungen komprimierte Informationen geliefert. Die Idee: Das Expertenwissen aus erster Hand sollte den Holzbau auf lange Sicht mit Überzeugungsarbeit bei den Entscheidungsträgern potenzieren.

Dr. Martin Teibinger, Sachverständiger und Lektor; © Kathrin Lanz
Dr. Martin Teibinger, Sachverständiger und Lektor; © Kathrin Lanz

Unter dem Titel „Bauphysikalisch sicher bauen mit BSP“ eröffnete Dr. Martin Teibinger gleich ziemlich technisch. Als ehemaliger Leiter des Bereichs Bauphysik der Holzforschung Austria und nun an der TU Wien am Institut für Tragwerksplanung und Ingenieurholzbau tätig, ist er mit den essenziellen Themen vertraut. Brandschutz scheint in Zusammenhang mit Holzbau noch immer Klärungsbedarf zu haben. Eindrücklich führte er deshalb den Brandwiderstand einer Brettsperrholz-Wand vor: Der Prüfer der MA 39 hält seine Hand auf eine BSP-Platte, dahinter wütet ein Brand mit über 1000° C, ein Bild, das die Zuhörerschaft sichtlich überzeugte. Zum Thema Schallschutz hatte Teibinger auch etwas zu sagen. „Wir müssen Lösungen für den tiefen Frequenzbereich finden. Hier besteht noch Aufholbedarf.“ Darauf folgte ein Aufruf: „An die Planer unter ihnen: Trittschalldämmung ist nicht Trittschalldämmung. Achten Sie auf biegeweiche Lösungen.“ Und zum Abschluss: „Qualität im Holzbau heißt auch, einmal Nein zu sagen. ‚Holzbau – nicht um jeden Preis’, muss das Motto lauten, um das Qualitätsimage zu bewahren.“

Klaus Fasching, Appesbacher Holzbau; © Kathrin Lanz
Klaus Fasching, Appesbacher Holzbau; © Kathrin Lanz

Holzbauwohnungen verkaufen sich

Genau hier setzte der Folgereferent, Klaus Fasching von Appesbacher Holzbau, Abersee, an: „Wir trauen uns, Nein zu sagen. Es gilt, Kernkompetenzen auszunutzen und jedes Material dort zu verwenden, wo es hingehört.“ Zuletzt spielte er gemeinsam mit dem Bauträger Wohnzone diese Kompetenzen bei einem Wohnbauprojekt in Mondsee aus, wo sich 16 Einheiten auf drei Ebenen verteilen. Ein zweites wird in Kürze übergeben, ein drittes steckt in der Pipeline. Fasching hielt an, das Auditorium zu überzeugen, dass sich Wohnungen in Holzbauten auch problemlos verkaufen ließen. Sorgen der Bauträger in diese Richtung seien unbegründet.

Richard Santner, Holzplus; © Kathrin Lanz
Richard Santner, Holzplus; © Kathrin Lanz

Elementstöße im Griff

Als nächster Redner trat ein alter Bekannter aus der BSP-Szene ans Podium. Richard Santner war von Beginn an der Entwicklung des Werkstoffs beteiligt und ist nun Geschäftsführer von Holzplus, einem Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt auf Massivholzbau. Er zeigte Bilder von einem Großbrandversuch im Lungau. „2001 war Brandschutz noch ein Riesenthema im Holzbau.“ Er sprach damit nicht die Skepsis gegenüber dem Werkstoff, sondern mangelndes Wissen aufgrund fehlender Forschungsergebnisse an. Elementstöße, Kenntnis über den Wärmefluss und Anschluss- sowie Sockeldetails galt es zu erkunden. Generell wäre die Akzeptanz gegenüber dem Holzbau und Holzfassaden geringer gewesen. So erzählte Santner von einer sofortigen Einstellung der Bauarbeiten eines Einfamilienhauses aufgrund einer geplanten Lärchenschindelfassade. Am Ende wurde diese durch sachliche Intervention doch verwirklicht.

Tom Kaden, Architekt; © Kathrin Lanz
Tom Kaden, Architekt; © Kathrin Lanz

Lärchenschindeln mitten in Kiel

Die Zeiten haben sich definitiv verändert, denn heute plant der nächste Vortragende ein Studentenwohnheim mit eben einer Lärchenschindelfassade mitten in Kiel. Wahrscheinlich bringt dieses Vorhaben auch nicht jeder zustande – Architekt Tom Kaden kann das, wie er der Hörerschaft des Symposiums eindrucksvoll demonstrierte. Mit dem Berliner Büro Kaden + Partner hat er bereits etliche Wohnbauten in Holzbauweise umgesetzt. Neben dem Studentenwohnheim in Kiel befinden sich in Hamburg, Berlin und Heilbronn bis zu zehngeschossige Wohnbauprojekte in der Pipeline. Er ist definitiv ein Verfechter des mehrgeschossigen urbanen Holzbaus: „Einfamilienhäuser haben in der Stadt absolut keine Berechtigung“, stellte Kaden klar, der selbst in einem von ihm geplanten Holzhochhaus in Berlin-Prenzlauer Berg lebt.

Jens Koch, Saint-Gobain RIGIPS; © Kathrin Lanz
Jens Koch, Saint-Gobain RIGIPS; © Kathrin Lanz

133 geprüfte Konstruktionsaufbauten

Jemand, der den Holzbau nach eigenen Worten „Schritt für Schritt weiterentwickeln“ möchte, trat nach dem holzbauaffinen Architekten ans Rednerpult: Jens Koch, Bereichsleiter Holzbau und Architektur bei Saint-Gobain RIGIPS Austria, erläuterte Kombinationen aus Holzbau und Trockenbau. „Gerade im urbanen, großvolumigen Bau braucht es fundierte Ansätze, die individuell angepasst werden können.“ Das von Binderholz und Saint-Gobain RIGIPS Austria erstellte Handbuch „Massivholzbau“ bietet zu diesem Zweck 133 geprüfte Konstruktionsaufbauten für Wand, Decke und Dach sowie Informationen zu den Themen Brandschutz, Wärmeschutz, Schallschutz und ökologische Bewertung.

Dass sich der Holzbau stetig weiterentwickelt, steht außer Zweifel. Den Beleg dafür lieferte Binderholz-Verkaufsleiter Michael Quehenberger mit der Auflistung aktueller Projekte. Mitunter entstehen derzeit mit BSP aus dem Hause Binder 122 Wohneinheiten in England, ein Hotel am Wiener Flughafen und ein achtgeschossiges Objekt in Australien, was nur einen Auszug darstellt.

_kl