3. Forum Holzbau trifft Bauwirtschaft

In Graz zeigten Experten der Technischen Universität auf, wie der Holzbau wirtschaftlicher werden kann

08.06.2017 – Das Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft widmet sich seit 2012 dem stetig wachsenden Themenfeld des Holzbaus aus baubetrieblicher und bauwirtschaftlicher Sicht und veranstaltete daher am 12. April zum dritten Mal das Forum Holzbau trifft Bauwirtschaft mit dem diesjährigen Schwerpunkt „Bauwirtschaftliche Ansätze in der Ausschreibung, Kalkulation und Kooperation im Holzbau“.

„Der Holzbau steckt betriebswirtschaftlich und baubetrieblich noch in den Kinderschuhen“, sagen die Experten der TU Graz. Wie man dem entgegenwirkt, wurde am 3. Forum Holzbau trifft Bauwirtschaft erläutert. © TU Graz
„Der Holzbau steckt betriebswirtschaftlich und baubetrieblich noch in den Kinderschuhen“, sagen die Experten der TU Graz. Wie man dem entgegenwirkt, wurde am 3. Forum Holzbau trifft Bauwirtschaft erläutert. © TU Graz

Die diesjährige Veranstaltung widmete sich speziell dem Thema der bauwirtschaftlichen Ansätze und aktuellen Entwicklungen im Holzbau im Vorfeld zur Ausführung und dem damit zusammenhängenden Potenzial in der Branche. Univ.-Prof. Detlef Heck zeigte die Möglichkeiten der bauwirtschaftlichen Ansätze und deren Herausforderung für den Holzbau sowie die daraus ableitbaren Chancen für die Holzbauunternehmen auf. Anschließend gab Jörg Koppelhuber einen Einblick in das Forschungsfeld des Holzbaus in Kombination mit den allgemeinen baubetrieblichen und bauwirtschaftlichen Handlungsfeldern sowie der baubetrieblichen Optimierung. Außerdem ging er auf Bereiche ein, in denen Unternehmen konkrete Ansätze für die praxisnahe Umsetzung finden können.

Standardleistungsbeschreibung detailliert durchleutet

Im Themenblock I wurde der aktuelle Stand der kürzlich veröffentlichten Standardleistungsbeschreibung LG HB 36 genau erläutert. Christine Mehrl präsentierte einen begleitenden Leitfaden zu dieser neuen Standardleistungsbeschreibung und ging weiters auf die gänzlich neue Struktur sowie auf sämtliche Änderungen ein, welche erstmals in dieser Leistungsgruppe auftauchen. Im Vortrag von David Kohlbach und Philipp Schauer wurde die auf die Ausschreibung aufsetzende Standardkalkulation aller 798 neuen Leistungspositionen vorgestellt. Die Kalkulation eines sogenannten Rohbauelementes rundete mit einem Beispiel den Block I ab.

Neuland: Kalkulation von Verbindungsmitteln

Block II der Veranstaltung widmete sich dem Thema der Verbindungstechnik im Holzmassivbau aus kalkulatorischer Sicht. Da es dazu noch relativ wenig bis keine Datengrundlagen für die Kalkulation gibt, ging Philipp Huter in seinen Ausführungen auf eine bauwirtschaftliche Betrachtung der Verbindungstechnik im Holzmassivbau näher ein. Dabei wurde speziell eine umfangreiche Expertenbefragung unter Tragwerksplanern vorgestellt, welche die bevorzugten Verbindungsmittel samt deren Dimensionen, Spezifika und vor allem Abstände untereinander für 21 systemtypische Details der Brettsperrholzbauweise darlegt. Die Vortragende Verena Kaiser stellte darauf aufbauend eine Baustellenuntersuchung vor, bei welcher ein großvolumiger mehrgeschossiger Holzmassivbau und dabei speziell die Verbindungstechnik untersucht wurde und konkrete Aufwands- und Leistungswerte als künftige Eingangsdaten in die Kalkulation selbiger ermittelt wurden.

Nichts für Eigenbrötler – Holzbau geht nur gemeinsam

In Block III wurde letztlich das Thema der Kooperation in Planung und Ausführung näher behandelt. Dabei stellte Elisabeth Aberger ihre Ergebnisse zum Status Quo in der Planung von Holzbauten vor, welche im Rahmen einer Expertenbefragung ermittelt wurden. Dabei zeigte sich verstärkt die Forderung nach einer früheren Einbeziehung aller Planungsbeteiligten sowie ausführenden Holzbauunternehmen und unter speziellen Gesichtspunkten ebenso die Forderung nach speziellen Holzbauingenieuren, um den hohen Detailierungsgrad bereits in den frühen Planungsphasen erreichen zu können.

Johannes Wall und Jörg Koppelhuber gingen im letzten Fachvortrag auf die Ansätze und Bewertungskriterien in der Geschäftsmodellentwicklung im Holzsystembau näher ein, wobei hier vor allem die zugrundeliegenden Analysemethoden und möglichen Ansätze aus baufremden Branchen die Chancen für den Holzsystembau erhöhen können. Die derzeitige Situation am Markt sowie das voranschreitende Thema der Geschäftsmodellentwicklung im Holzbau in Form von Übernahmen einzelner Holzbauunternehmen durch die Bauindustrie, vermehrte Unternehmenskooperationen sowie Tendenzen neuer Markterschließungen bildeten den Abschluss der Fachveranstaltung.

_jörg koppelhuber