„Warum ich als Architekt Holz verwende“

Sigurd Larsen plant ganzheitlich – die Wahl des geeigneten Baustoffes steht für ihn nicht erst an zweiter Stelle

24.07.2017 – Es gibt mindestens drei Gründe, warum ich als Architekt und Möbeldesigner mit einem Gefühl von Selbstverständlichkeit immer wieder mit Holz arbeite. Seit ich vor sieben Jahren mein Architekturbüro in Berlin gegründet habe, hat dieses Material mit seinen vielen Eigenschaften unsere Projekte immer wieder geprägt.

Prof. Sigurd Larsen, Architekt und Möbeldesigner © Michael Brus
Prof. Sigurd Larsen, Architekt und Möbeldesigner © Michael Brus

1. Die Patina: Manche Materialien reichern im Laufe der Zeit gewisse Qualitäten an. Holz besitzt genau diese Eigenschaft: Je mehr es benutzt und gebraucht wird, desto mehr Patina bekommt es und desto schöner wird es. Nach und nach verändern sich die Materialien in Farbe und Erscheinung. Wenn man durch die tägliche Verwendung ein Objekt verändert, fühlt man sich damit verbunden. Meine Hoffnung als Designer ist, dass die Menschen dadurch ihre Möbel und Häuser seltener austauschen.

2. Die Nachhaltigkeit: Holz wächst regional dort, wo auch die Mehrheit unserer Bauprojekte stattfindet. Es muss nicht über Ozeane transportiert werden. Es speichert den Kohlenstoff, den der Baum, aus dem es gefertigt wurde, der Atmosphäre entzogen hat. Der Kohlenstoff bleibt so lange gebunden und damit der Atmosphäre entzogen, wie das Holzprodukt in Verwendung ist.

3. Die Veränderbarkeit: Holz wird in Einzelteilen vom Sägewerk geliefert. Somit bekommt es automatisch eine Logik der Modularität – mit Teilen, die man zusammenfügen kann. Im Gegensatz zu einem Material, das man gießt, sind die Konstruktionen reversibel. Man kann die Einzelteile – wenn sie richtig vorbereitet sind – wieder auseinandernehmen. Wände können später verschoben werden. Eine Flexibilität für spätere Nutzungsänderungen ist leichter zu schaffen. Gerade in kälteren Regionen ist die Zeitersparnis durch vorgefertigte Bauteile von besonders hoher Bedeutung. Im Laufe des Winters können Fassadenelemente unter guten Arbeitsbedingungen in einer Produktionshalle produziert werden. So ist die Baustelle auch im Winter aktiv. Die Liste von guten Argumenten geht weiter, aber diese drei alleine sind für mich schon Grund genug, Holz zu verwenden. 

_prof. sigurd larsen