Ein Politikum: Der 133-Meter-Holzturm

Ob die Stadt Stockholm Rekorde schreibt in Sachen Holzbau, wird der Wähler entscheiden

25.08.2017 – Bereits im Sommer des vergangenen Jahres wurden die gewagten Pläne publik: In Stockholm soll mit 133 Metern das höchste Holzhaus der Welt entstehen. Die Idee stammt von einer politischen Partei, die in Schweden schon seit über einem Jahrhundert besteht. 

133 Meter hoch soll „Trätoppen“ werden, darin untergebracht 250 Wohnungen. © Anders Berensson
133 Meter hoch soll „Trätoppen“ werden, darin untergebracht 250 Wohnungen. © Anders Berensson

Die sogenannte Centerpartiet, welche unter der Führung von Anni Lööf als grün-liberale Bauernpartei des Landes gilt und eher die Interessen der ländlichen Bevölkerung vertritt, hat bereits in der Vergangenheit gezielt den Bau von Hochhäusern in urbanen Gebieten unterstützt. Man vertritt die Meinung, es sei ökonomisch wie auch ökologisch sinnvoller, Wohnungen zentrumsnah zu bauen, wo auch die Arbeitsplätze vorhanden sind, statt Arbeitnehmer von Vororten aus täglich in die Innenstadt pendeln zu lassen. Damit ließen sich der Innenstadtverkehr merklich verringern und wertvolle urbane Flächen sinnvoller nutzen als für Parkhäuser, so die Verantwortlichen.

Darauf aufbauend hat man gemeinsam mit Architekt Anders Berensson ein Konzept entwickelt, wobei sich ein 40-stöckiger Holzturm aus dem Dach eines siebengeschossigen Parkhauses aus den 1960er-Jahren erhebt. Das Projekt mit Namen „Trätoppen“ setzt dabei voll und ganz auf moderne Holzprodukte, wie Brettsperrholz. Es will seine inneren, hölzernen Werte in Form einer aufwändig gestalteten Fassade aus Holz-Ziffern, die die jeweiligen Stockwerke markieren, stolz nach außen zeigen. Es ist geplant, 250 Wohnungen a 50 m2 Wohnfläche zu schaffen. Die bestehenden Flächen der Parkgarage sollen ebenfalls zu Wohnungen, aber auch Restaurants und Geschäften umfunktioniert werden.

Signal für alle Bauakteure Europas

Derart umgesetzt, würde sich „Trätoppen“ voraussichtlich schlagartig den Titel des welthöchsten Holzbaus sichern. Aber damit nicht genug: Der Turm würde ebenso als höchstes Gebäude Stockholms gelten und könnte damit ein leuchtturmartiges Zeichen für den notwendigen strukturellen Wandel der Bauwirtschaft eines mächtigen europäischen Landes aber auch ganz Europas setzen. 

© Anders Berensson
© Anders Berensson

Laut Architekt Berensson stünden die Chancen für den Bau dann gut, wenn die Partei nach den Bundeswahlen nächstes Jahr in einer Regierungskoalition lande. Die Ideengeber seien vom Bauen mit Holz überzeugt und möchten das Gebäude auf jeden Fall zur Umsetzung bringen. Nach einem steten Rückgang der Umfrage- und Wahlergebnisse für die Centerpartiet seit Mitte der 1970er-Jahre, zeichnet sich momentan wieder kräftig zunehmender Zuspruch für die Partei ab. Seit 2014 konnte man die Unterstützung seitens der Wähler um 5,2% steigern.

_mr / Quellen: Anders Berensson, www.thelocal.se