Oberösterreichs erster sechsgeschossiger Holzwohnbau

Obermayr und WAG errichten 10 Mio.-Euro-Leuchtturmprojekt

04.10.2016 – In Wels steht seit Kurzem der höchste Holzwohnbau Oberösterreichs. Mit sechs Geschossen ist der Neubau auf dem Gelände des Welser Dragonerquartiers auch der erste geförderte Wohnbau Oberösterreichs überhaupt in diesem Ausmaß.

Mit sechs Geschossen ist der Bau am Welser Dragonerquartier der höchste Holzbau Oberösterreichs. © MR
Mit sechs Geschossen ist der Bau am Welser Dragonerquartier der höchste Holzbau Oberösterreichs. © MR

Vergangenen Montag lud proHolz Oberösterreich gemeinsam mit dem Bauträger WAG (Wohnungsanlagen Ges.m.b.H) zur Besichtigung des neuen Leuchtturmprojekts nach Wels. Hier hat man nach rund einem Jahr seit Baubeginn die erste Phase – bestehend aus einem dreigeschossigen und einem sechsgeschossigen Gebäudeteil – fast fertiggestellt. Auf dem Gelände des Dragonerquartiers – einer ehemaligen Kaserne – werden in zwei Gebäudekomplexen insgesamt 63 geförderte Wohnungen mit Größen zwischen 50 und 90 m2 entstehen. Auch der Umbau und die Sanierung des zwischen den Holzbauten gelegenen ehemaligen Pferdehospiz ist Teil der 10,2 Mio. € umfassenden Investition.

Tramdecken und sichtbare Holzstützen im dreigeschossigen Bauteil, …
© MR
Tramdecken und sichtbare Holzstützen im dreigeschossigen Bauteil, …
© MR
… HBV-Decken und BSP-Wände im sechsstöckigen Bereich © MR
… HBV-Decken und BSP-Wände im sechsstöckigen Bereich © MR

Luger & Maul Architekten setzen auf Holz-Beton-Verbund

Bis 2013 hinderten die Brandschutzvorschriften des Landes am Bau von Holzgebäuden mit mehr als drei Stockwerken. Die Novellierung dieser Rahmenbedingungen erlaubt nun die Ausführung von vier Geschossen und mehr in Holzbauweise, sofern die Schutzziele beim Personenschutz im Brandfall nachgewiesen werden können. Das von Luger & Maul Architekten geplante Objekt in Wels kommt diesen Vorschriften mit der Verwendung von Holz-Beton-Verbunddecken und einer Brandmeldeanlage nach.

Das komplette Gebäude ist in Tannen-Stülpschalung gekleidet. © MR
Das komplette Gebäude ist in Tannen-Stülpschalung gekleidet. © MR

Decken-Spezialkonstruktion von Obermayr

Vorgefertigte Holzriegelemente von Obermayr Holzkonstruktionen bilden die Außenwände des Sechsgeschossers. Die Innenwände bestehen aus Brettsperrholz. Die Decken sind eine Spezialkonstruktion Obermayrs aus zusammengesteckten Brettschichtholzträgern, die von unten sichtbar belassen werden, und einem Bodenaufbau aus Beton und Estrich mit integrierter Fußbodenheizung.

Die Decken des dreigeschossigen Gebäudeteils sind Tramdecken mit zwischenliegender Dämmung und Rigipsverkleidung. Die Zwischenwände sind reine Trockenbaukonstruktionen ohne Holzanteil.

© MR
© MR

Eine hinterlüftete Fassade aus einer Tannen-Stülpschalung soll für das imposante Gebäude auch die richtige Außenwirkung erzeugen und den die inneren Werte eines Holzbaus nach außen demonstrieren. Für Holzbau-Meister Hans-Christian Obermayr ist es nicht das erste Mal, dass er auf vorvergraute Tanne setzt. "Im Vergleich zu Lärche ist Tannenholz an der Fassade sehr viel ruhiger. Außerdem harzt es nicht wie die Lärche, was in Kombination mit der Vorvergrauung eine längerfristig gleichbleibende Optik sicherstellt."

Hans-Christian Obermayr (Mitte mit Umhängetasche) hält vorvergrautes Tannenholz für die optimale Fassadenlösung. © MR
Hans-Christian Obermayr (Mitte mit Umhängetasche) hält vorvergrautes Tannenholz für die optimale Fassadenlösung. © MR

Fertig in circa zwei Jahren

Auf der Baustelle wird bereits am zweiten Gebäudekomplex gearbeitet. Dessen betoniertes Stiegenhaus steht ungefähr zu Hälfte. Während der erste Komplex Anfang 2017 bezugsbereit sein soll, ist mit der Fertigstellung des kompletten Projekts 2018 zu rechnen.

_mr