Segel Richtung Holzbau gesetzt

Eine komfortable Nächtigungsoption: „Das Schiff Hittisau“

07.04.2017 – Unaufgeregt, aber doch sehr speziell kommt eine Bregenzerwälder Ladenwirtschaft im Holzkubus daher. Gemeinsam mit einem Massivholzzubau im Rücken präsentiert sich das sogenannte „Ernele“ in Hittisau als wichtiger Baustein des Romantikhotels „Schiff Hittisau“. Die Bauherrschaft fährt mit den beiden Zubauten volle Kraft Richtung Handwerkskunst.

Vor das Schiff gesetzt: In diesem mit Lamellen umrahmten Holzständerbau befindet sich die Ladenwirtschaft „Ernele“ – sie erweitert das Konzept des Romantikhotels „Das Schiff Hittisau“. © Genießer- & Romantikhotel „Das Schiff“
Vor das Schiff gesetzt: In diesem mit Lamellen umrahmten Holzständerbau befindet sich die Ladenwirtschaft „Ernele“ – sie erweitert das Konzept des Romantikhotels „Das Schiff Hittisau“. © Genießer- & Romantikhotel „Das Schiff“

Der Bregenzerwald lässt sich auf viele Arten genießen. Als Winterregion für Feinsinnige, als Almeneldorado für Wanderbegeisterte, als Gourmetparadies für Feinspitze sowie als Relaxzone für Wohlfühlsüchtige. Eine komfortable Nächtigungsoption bietet „Das Schiff Hittisau“ mit 14 Doppelzimmern und 19 Suiten. Haubenkoch Clemens Nachbaur verwöhnt mit Schmankerln aus der Region. Begonnen hat die Gourmetgeschichte allerdings mit Erna Metzler, der Seniorchefin. Sie führte das Regiment vormals an und erkochte als Autodidaktin die beiden Hauben. In Ehrerweisung an ihre Leistung nennt sich die Ladenwirtschaft auch „Ernele“. Jene kann sowohl von Hotel- als auch Tagesgästen genutzt werden. Zwischen Regalen voller regionaler Spezialitäten lässt es sich hervorragend essen, erlesen einkaufen oder gemütlich einkehren.

© Genießer- & Romantikhotel „Das Schiff“
© Genießer- & Romantikhotel „Das Schiff“


Anspruch an hohe Handwerksqualität

Beim Zubau „Ernele“ handelt es sich um einen Holzständerbau. Horizontal liegende Fichtenlamellen umschließen den Kubus rundum. Erdberührte Teile sind betoniert. Die Inneneinrichtung und der Boden bestehen aus Eiche massiv. Dahinter liegt der Hotelzubau in Massivholzbauweise mit luxuriösen Suiten.

Für den Entwurf zeichnet Baumeister Christian Läßer verantwortlich. Er pflegt seit mittlerweile fast 20 Jahren eine Geschäftsbeziehung zum Hotelier und Vorarlberger Wirtschaftskammerpräsidenten Hans-Peter Metzler. Diese hat sich im Lauf der Jahre in ein freundschaftliches Verhältnis gewandelt, das immer wieder Raum für Diskussionen bietet – natürlich auch über die baulichen Veränderungen, die der Gastronomiebetrieb erfahren sollte. Gemeinsam spinnt man Visionen. Läßers Affinität zum Holzbau rührt aus seiner Kindheit und Ausbildung. Am Bauernhof aufgewachsen, hat er eine Tischler- und Zimmererausbildung und letztlich die Baumeisterprüfung absolviert, was sein Verständnis für alle Gewerke geschärft und seine Ansprüche gehoben hat. „Jede Ausbaustufe, die Hans-Peter macht, sollte in hoher Handwerksqualität ausgeführt werden. Dieselben Anforderungen stelle ich“, konstatiert Läßer.

Der Bauherr setzt auf Handwerkskunst: Sowohl bei der Ladenwirtschaft Ernele ...
Der Bauherr setzt auf Handwerkskunst: Sowohl bei der Ladenwirtschaft Ernele ...
...als auch beim Hotelerweiterungsbau und im Wellnessbereich kam Holz zum Einsatz. © Genießer- & Romantikhotel „Das Schiff“
...als auch beim Hotelerweiterungsbau und im Wellnessbereich kam Holz zum Einsatz. © Genießer- & Romantikhotel „Das Schiff“

Man weiß, aufeinander ist Verlass

Um den Anspruch des Bauherrn zu verstehen, muss man in die Firmenphilosophie eintauchen. Metzler hat den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Antonia übernommen. Schwester Lisa ist ebenfalls fester Bestandteil des Teams. „Bei uns werden Regionalität und Nachhaltigkeit ganz bewusst gelebt. Wir betreiben eine Biomasseheizung, pflanzen Gemüse, Obst und Kräuter selbst an und beziehen unsere Lebensmittel aus der Region“, hört man vonseiten der Bauherrnfamilie. Nicht anders verhält es sich bei der Auswahl der Betriebe für den Umbau. Angefangen vom Planer, der aus dem 30 km entfernten Lustenau stammt, sind alle Beschäftigten aus der unmittelbaren Umgebung. „Bei der Familie handelt es sich um ganz besondere Menschen, das darf man ruhig so sagen“, behauptet Holzbau-Meister Gerhard Bilgeri und meint damit das Hochhalten von Tradition, Handwerkskunst und Handschlagqualität. „Für die Auftragsvergabe brauchten wir eine Kaffeelänge“, erzählt der aus dem 8 km entfernten Riefensberg stammende Zimmerer. „Wir kennen uns untereinander und wissen: Aufeinander ist Verlass.“ Ein weiterer Vorteil der regionalen Beschäftigungsstrategie: „Aufgrund der Auswahl heimischen Handwerker hatten wir sehr wenige Probleme am Bau. Trat doch einmal eines auf, dann war der Zuständige in Minuten vor Ort“, erzählt Läßer.

Baumeister Christian Läßer: „Jede Ausbaustufe sollte laut dem Bauherrn in hoher Handwerksqualität ausgeführt werden. Dieselben Anforderungen stelle ich.“ © Läßer
Baumeister Christian Läßer: „Jede Ausbaustufe sollte laut dem Bauherrn in hoher Handwerksqualität ausgeführt werden. Dieselben Anforderungen stelle ich.“ © Läßer

Ein Handwerksbetrieb pro Stockwerk

In nur drei Monaten musste das ganze Projekt inklusive des Hotelzubaus finalisiert werden, damit der Betrieb ungestört weiterlaufen konnte. Eine Herausforderung für Zimmerer, Baumeister und alle weiteren Gewerke. Pro Stockwerk war ein Tischlereibetrieb tätig. Anders hätte sich die Fertigstellung in so kurzer Zeit nicht verwirklichen lassen. „Das Ernele nimmt sich nicht wichtig, trotzdem hebt es sich vom Hotel etwas ab. Es ist anders und speziell, fügt sich aber unaufgeregt in die Umgebung ein“, erklärt Antonia Metzler ihre Sichtweise. Und was das Ergebnis betrifft, ist nicht nur die Hoteliersfamilie begeistert. „Der Gast schätzt die sorgfältige Verarbeitung sehr. Häufig spricht mich jemand auf Details an. In diesem Ausmaß hätte ich das nie erwartet“, sagt die Hotelchefin. Noch ein Grund, warum es sich gelohnt hat, die Segel vom „Schiff Hittisau“ in Richtung Holzbau zu setzen.

Projektdaten

Standort: Hittisau
Fertigstellung: 2010
Bauzeit: 3 Monate
Planung: Christian Läßer, Lustenau
Holzbau: Gerhard Bilgeri

_kl