„Massive Steigerung der Holzbauquote ab sofort notwendig“

Deutsche Studie vergleicht Treibhausgasemissionen von Wohnbauten und kommt zu einem klaren Ergebnis pro Holz

18.05.2017 – Die Ruhr-Universität Bochum hat kürzlich den Schlussbericht einer breit angelegten Studie zum Thema „Treibhausgasbilanzierung von Holzgebäuden“ vorgelegt. Das Ergebnis ist eine klare Empfehlung zum vermehrten Einsatz des Baustoffes Holz.

© Ruhr-Universität Bochum
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Das unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Anette Hafner von der Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften durchgeführte Forschungsprojekt „THG-Holzbau“ stellt dar, welchen Einfluss das Bauen mit Holz im Rahmen des Klimaschutzes in Deutschland haben kann. Dazu wurden Ökobilanzen einzelner Gebäude erstellt, welche die Basis für Hochrechnungen des Kohlenstoffspeichers und Substitutionspotenzials durch Holz darstellten. Diese Bilanzen wurden normkonform jenen von vergleichbaren Gebäuden in mineralischer Bauweise gegenübergestellt. In weiterer Folge konnte berechnet werden, wie sich eine gesteigerte Holznutzung im Wohnbausektor Deutschlands (Neubau von Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser) auf den Klimaschutz bis 2030 auswirken könnte.

Bis zu 56% weniger Treibhausgasemissionen

Das Ergebnis der Studie besagt, dass beim Bau eines Ein- oder Zweifamilienhauses in Holz im Vergleich zu einem mineralischen Gebäude zwischen 35 und 56% weniger Treibhausgasemissionen entstehen. Bei einem Mehrfamilienhaus lassen sich zwischen 9 und 48% dieser Emissionen einsparen. Im Gebäudevergleich zeigt sich also eine nennenswerte Differenz zwischen den Bauweisen, die sich schon alleine durch das Tragwerk ergibt: Bei Ein- und Zweifamilienhäusern lassen sich mit der Holzbauweise bis zu 207 kg/m2 BGF CO2-Äquivalent einsparen, bei Mehrfamilienhäusern bis zu 178 kg/m2 BGF. Zusätzlich zum Substitutionspotenzial des Tragwerks sind laut der Studie aber auch im Ausbau der Gebäude Möglichkeiten zur Reduktion der THG-Emissionen vorhanden. Ein Ausbau mit Holz könne 10-25% Emissionen gegenüber einem Ausbau aus überwiegend mineralischen Bauteilen einsparen.

„Insgesamt ist eine massive Steigerung der Holzbauquote ab sofort notwendig, um die Potenziale [zur Treibhausgasreduktion durch den Einsatz Holz im Bauwesen] ausschöpfen zu können“, heißt es in der Studie abschließend.

Substitutionseffekte korrelieren mit Holzbauquote

In Anbetracht des hohen Wohnungsbedarfes in Deutschland sei das künftige Substitutionspotenzial durch Holz maßgeblich von der Holzbauquote in den Bundesländern abhängig. Besonders hohe Wohnungsnot sei dabei vor allem in Ländern mit bereits relativ hoher Holzbauquote zu finden. In Nordrhein-Westfalen, wo die Bautätigkeit bundesweit mitunter am höchsten ist, könnten auch schon bei moderater Steigerung der Holzbauquote deutliche Effekte der Treibhausgasreduktion erzielt werden. Das national größte Potenzial biete der Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser. Damit sich relevante Effekte auch im Bereich der Mehrfamilienhäuser einstellen, müsse die Holzbauquote in Deutschland deutlich über 15% gesteigert werden, so die Ergebnisse der Ruhr-Universität Bochum.

Weiterführend möchten die Studienautoren nun über den deutschen Wohnungsneubau hinaus auch den Nichtwohn- sowie Sanierungsbau auf die Treibhausgas-Einsparpotenziale des Holzbaus untersuchen.

Die aktuelle Studie kann hier als PDF heruntergeladen werden.

_mr / Quelle: Bericht „Treibhausgasbilanzierung von Holzgebäuden“ der Ruhr-Universität Bochum