Kristoffers Visionen

Holzpavillon funktioniert wie ein Treibhaus

17.07.2017 – Ein junger, dänischer Architekt errichtete in Aarhus ein temporäres Symbol für eine zukunftsweisende Stadt. Die Architektur des „Dome of Visions 3.0“ basiert auf einer nachhaltigen, alternativen Konstruktion aus Holz, die Energieeffizienz und minimalen Materialeinsatz mit Ästhetik und gesundem Raumklima vereint.

Die Kuppel des Dome of Visions dient als Gebäudehülle, Schutzschild vor Regen und Wind und reguliert das Klima. Im Inneren befindet sich ein Holzhaus, das aus Brettsperrholz errichtet wurde und als Veranstaltungsort fungiert. © Helle Arensbak
Die Kuppel des Dome of Visions dient als Gebäudehülle, Schutzschild vor Regen und Wind und reguliert das Klima. Im Inneren befindet sich ein Holzhaus, das aus Brettsperrholz errichtet wurde und als Veranstaltungsort fungiert. © Helle Arensbak

Keine weltbekannte Metropole, aber ein kreatives, vibrierendes Städtchen mit 320.000 Einwohnern, einer renommierten Uni, einem botanischen Garten, inspirierenden Co-Working-Spaces und viel Flair, wo eine historische Altstadt auf Industriehafenmilieu trifft. Wer gerne Café Hopping betreibt und zwischendurch in Designgeschäften bummeln will, kriegt in Aarhus einiges geboten. Die Stadt in Dänemark ist ein einladender Inkubator für kreative Menschen und ihre Projekte und hat auch schon vielen bekannten Architekten als nötige Inspiration gedient. Der Aarhuser Hafen gehört zu den größten in Nordeuropa. Dort spürt man das Pulsieren der Stadt nicht, sondern erlebt nur die Weite, den Himmel und das Meer. Am Hafen entdeckt man aber auch neue Projekte, denn Aarhus entwickelt sich ständig weiter, was nicht nur mit der Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas in diesem Jahr zusammenhängt.

Inspiration für seinen Entwurf holte sich Tejlgaard beim amerikanischen Visionär Richard Buckminster Fuller. Er hat in den 1960er-Jahren die Idee der sogenannten geodätischen Kuppeln unterstützt und verbreitet. Das sind elegante, aus gleichseitigen Dreiecken zusammengesetzte Strukturen, die trotz Transparenz und Leichtigkeit ungeheuer stabil sind. © Atelier Kristoffer Tejlgaard
Inspiration für seinen Entwurf holte sich Tejlgaard beim amerikanischen Visionär Richard Buckminster Fuller. Er hat in den 1960er-Jahren die Idee der sogenannten geodätischen Kuppeln unterstützt und verbreitet. Das sind elegante, aus gleichseitigen Dreiecken zusammengesetzte Strukturen, die trotz Transparenz und Leichtigkeit ungeheuer stabil sind. © Atelier Kristoffer Tejlgaard

Symbol für grüne Architektur

Am Hafen sticht auch sofort eine gläserne Kuppel mit sichtbarer Holzkonstruktion ins Auge, die in der doch etwas kargen Gegend wie ein Objekt aus einer anderen Zeit und von einem anderen Planeten wirkt. Doch waren hier nicht etwa Besucher aus fremden Welten am Werk, sondern der junge Architekt Kristoffer Tejlgaard. Sein „Dome of Visions“ ist ein ambitioniertes Projekt, das in Stockholm und Kopenhagen mit zwei ersten Prototypen startete. Der Dome in Aarhus ist nun also der dritte in Serie und verfolgt folgendes Ziel: „Es geht darum, die Klimaziele mit den Anforderungen des täglichen Lebens abzustimmen. Der Dome gilt als das Symbolprojekt für eine zukunftsweisende Stadt“, erzählt Tejlgaard. Der neu geschaffene, öffentliche Raum ist Symbol für grüne Architektur und innovative Wohn- und Kommunikationsmodelle. Er lädt Menschen ein, sich die Frage zu stellen, wie man hohe Lebensqualität im Alltag mit ambitiösen Klimazielen vereinbaren kann. Die Kuppel dient als grüner Freiraum, wo man Musik hören sowie Kunst und Kultur erleben kann. Das temporäre Gebäude repräsentiert eine innovative Einrichtung, die Nachhaltigkeit hochleben lässt. Durch seine einzigartige Architektur hebt sich das kuppelförmige Kulturhaus von den industriell geprägten Hafenanlagen ab und bietet Besuchern ein unvergessliches Erlebnis. „Im Dom werden die verschiedensten Veranstaltungen angeboten – von Konzerten über Vorträge bis hin zu Yogakursen. Man kann auch einfach nur so vorbeischauen, eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wein im Café trinken oder sein mitgebrachtes Butterbrot in der herrlichen Umgebung von Bäumen und Blumen mit Blick auf den Hafen genießen“, berichtet der aufstrebende Architekt.

Der neue Dome ist 10,5?m hoch und hat einen Durchmesser von 24?m. Er wurde 2016 nach einer Aufbauzeit von nur 14 Tagen eröffnet. © Atelier Kristoffer Tejlgaard
Der neue Dome ist 10,5?m hoch und hat einen Durchmesser von 24?m. Er wurde 2016 nach einer Aufbauzeit von nur 14 Tagen eröffnet. © Atelier Kristoffer Tejlgaard

Prediger der Nachhaltigkeit

Als Vorbild für seine Architektur gibt Tejlgaard den amerikanischen Visionär und Erfinder der Nachhaltigkeit, Richard Buckminster Fuller, an. Er war als Architekt, Ingenieur, Mathematiker, Poet und Kosmologe seiner Zeit in vielerlei Hinsicht um Jahrzehnte voraus. Mit seiner „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“, die in den 1960er-Jahren zur Bibel der Öko-bewegung wurde, erlangte er Weltberühmtheit. Fuller predigt darin Nachhaltigkeit – fünfzig Jahre, bevor sie zur Floskel jedes Wahlkampfes wurde. Fuller verbreitete auch die Idee der sogenannten geodätischen Kuppeln. Das sind elegante, aus gleichseitigen Dreiecken zusammengesetzte Strukturen, die trotz Transparenz und Leichtigkeit ungeheuer stabil waren. Sie wurden 1967 auf der Weltausstellung in Montreal präsentiert und gelten als Inbegriffe des Raumfahrtzeitalters. „Ich habe mich an dieser leichten Struktur orientiert und das Holz in den Mittelpunkt der Konstruktion gestellt. Die Kuppel setzt sich aus wabenförmigen Polycarbonat-Elementen zusammen, die sich wie Fischschuppen überlappen, sodass keine Dichtungsmittel nötig sind, um die Kuppel wind- und wasserdicht zu machen. Die Außenhaut trägt sich selbst und isoliert noch besser als Glas. Das Klima im Inneren der Kuppel ist wie in einem Gewächshaus“, erklärt Tejlgaard, der für die Errichtung des Gebäudes das schwedische Bauunternehmen NCC engagierte.

Für die kuppelförmige Struktur haben die Projektbeteiligten ein gänzlich neues System entwickelt. © Atelier Kristoffer Tejlgaard
Für die kuppelförmige Struktur haben die Projektbeteiligten ein gänzlich neues System entwickelt. © Atelier Kristoffer Tejlgaard
Tejlgaard setzte auf gebogene Kerto-LVL-Träger an denen an den Knotenpunkten Schlitze für Stahlbleche eingearbeitet wurden. © Atelier Kristoffer Tejlgaard
Tejlgaard setzte auf gebogene Kerto-LVL-Träger an denen an den Knotenpunkten Schlitze für Stahlbleche eingearbeitet wurden. © Atelier Kristoffer Tejlgaard

Hohe Präzision war gefragt

Tejlgaard ist ein großer Holzverfechter. „Dome of Visions 3.0 soll zeigen, welche Freude ich bei der Arbeit mit Holz habe. Aus diesem Grund war es mir bei diesem Projekt auch besonders wichtig, so viel Holz und so wenig Stahl wie nur möglich zu verbauen. Dabei kamen die unterschiedlichsten Holzarten zum Einsatz“, gibt der Architekt an. Das ringförmige Grundgerüst, auf dem der Dom aufgebaut wurde, besteht aus sechs großen, gebogenen Leimholzbalken. Die äußeren Teile der Eingangstüren bestehen aus gekrümmtem Brettsperrholz, das vom österreichischen Hersteller KLH nach Aarhus transportiert wurde. Für die kuppelförmige Struktur haben die Projektbeteiligten ein gänzlich neues System entwickelt, das auf teure, verschweißte Stahlknoten, wie sie bei den beiden Vorgängern zum Einsatz kamen, zur Gänze verzichtet. Stattdessen setzte Tejlgaard auf gebogene Kerto-LVL-Träger an denen an den Knotenpunkten Schlitze für Stahlbleche eingearbeitet wurden. Allerdings wurde dabei die Produktion dieser Träger vollkommen auf den Kopf gestellt: „Normalerweise wird das Leimholz zuerst verklebt und dann gefräst. Bei uns lief es genau anders herum, was eine millimetergenaue Präzision des Herstellers erforderte und dadurch die Herstellung einer Nut für die Knoten noch vor dem Abbundprozess möglich machte. Dies wurde durch die Verwendung von gebogenen Schablonen und Stahlstäben durch alle Schichten in allen Balken erreicht. Insgesamt mussten 588 Kertoträger in 186 Varianten hergestellt werden“, so der Architekt weiter. 

© Atelier Kristoffer Tejlgaard
© Atelier Kristoffer Tejlgaard

Kunst und Kultur im Gewächshaus

Der neue Dome ist 10,5 m hoch und hat einen Durchmesser von 24 m. Er wurde 2016 nach einer Aufbauzeit von nur 14 Tagen eröffnet. Die Kuppel dient als Gebäudehülle, Schutzschild vor Regen und Wind und reguliert das Klima. Im Inneren befindet sich ein Holzhaus, das als eigentlicher Ort für die diversen Veranstaltungen dient. Es wurde in Brettsperrholz errichtet und kann nach Projektende wiederverwendet werden. Das gesamte Gebäude wird weder im Sommer gekühlt noch im Winter beheizt. Die Temperaturen regeln sich auf natürliche Weise durch das Sonnenlicht wie in einem Gewächshaus. „An heißen Tagen erzielen wir durch partielle Öffnung des Daches eine gute Lüftung. Damit wir auch Veranstaltungen in den Wintermonaten organisieren können, wurde das Haus mit einer Holzfaserdämmung isoliert“, erklärt der Planer. Diese ist mit einer Fassade aus Altholz beplankt, das von NCC Recycling aus Odense nach Aarhus gebracht wurde. Das verleiht dem Dom eine gewisse bildhafte und poetische Atmosphäre, die an die Abnutzung unserer Erde erinnern soll. 

Für die Fassade wählte Architekt Kristoffer Tejlgaard Altholz. Sie verleiht dem Holzhaus eine Patina im „used look“, die den Betrachter an das Unperfekte erinnern soll. © Atelier Kristoffer Tejlgaard
Für die Fassade wählte Architekt Kristoffer Tejlgaard Altholz. Sie verleiht dem Holzhaus eine Patina im „used look“, die den Betrachter an das Unperfekte erinnern soll. © Atelier Kristoffer Tejlgaard

Projektdaten

Standort: Aarhus, Dänemark
Fertigstellung: 2016
Planung: Kristoffer Tejlgaard Architects
Ausführung: NCC
Holzlieferanten: KLH Massivholz; Metsä Wood; Flexwood
Dimensionen Dom: 24 m Durchmesser, 10,5 m Höhe, 794 m2 Fläche
Grundfläche Haus: 120 m2
Holzmenge BSP: 100 m2

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