Zimmerer auf der Alp

Das Ländle zeigt vor, wie Lehrlingsausbildung noch mehr Spaß machen kann

28.07.2017 – Seit 2001 bauen Vorarlberger Zimmererlehrlinge Jahr für Jahr Holzhütten am Berg. Dahinter steckt ein verpflichtendes Weiterbildungsangebot der Landesinnung. Eine Rück- sowie eine Vorschau auf ein Vorzeigeprogramm mit Nachahmungspotenzial.

Auf der Alp gibt‘s keinen CNC-Abbund – jedes Jahr begeben sich Vorarlbergs Zimmererlehrlinge auf die Spur des traditionellen Handwerks. © Marcel Hagen
Auf der Alp gibt‘s keinen CNC-Abbund – jedes Jahr begeben sich Vorarlbergs Zimmererlehrlinge auf die Spur des traditionellen Handwerks. © Marcel Hagen

Einen Schritt zurückzumachen, aus dem Betrieb herauszutreten und damit Raum für andere Sichtweisen zu schaffen – das tut nicht nur Firmenchefs gut. Treten jene eher regelmäßig über Fortbildungsveranstaltungen oder Netzwerktreffen mit Gleichgesinnten in Kontakt, bleibt Lehrlingen diese Möglichkeit zum großen Teil verwehrt. Nicht so in Vorarlberg. Dort ermöglichen Holzbau-Meister ihren Schützlingen im ersten Lehrjahr mit dem überbetrieblichen Ausbildungsprogramm „holzbau-zukunft“ seit über zehn Jahren praxisorientierte Weiterbildungsmöglichkeiten mit Zimmererkollegen aus dem gesamten Ländle

Unter der Anleitung von jeweils zwei erfahrenen Zimmerleuten bauen die Jugendlichen Holzhütten nach Maß. © WKV
Unter der Anleitung von jeweils zwei erfahrenen Zimmerleuten bauen die Jugendlichen Holzhütten nach Maß. © WKV
Neben dem persönlichen Wissenszuwachs stärkt die Projektwoche den Teamgeist und Gemeinschaftssinn. © WKV
Neben dem persönlichen Wissenszuwachs stärkt die Projektwoche den Teamgeist und Gemeinschaftssinn. © WKV

Traditionelles Handwerk ausüben

Die sogenannten Projektwochen starten jährlich zu Ferienbeginn in Riefensberg: Für jeweils sechs Tage ziehen an die zehn Lehrlinge in eine Selbstversorgerhütte, um von dort aus mit traditionellem Zimmererhandwerk eine Hütte zu bauen. „Aus den verschiedenen Regionen Vorarlbergs würfeln wir die Lehrlinge zusammen. Somit kennen sie sich schon, wenn sie später bei größeren Projekten einmal zusammenarbeiten müssen“, betont Landesinnungsmeister Siegfried Fritz das im ersten Lehrjahr verpflichtende zusätzliche Ausbildungsprogramm. Darüber hinaus sollen die Jungen die alte Handwerkskunst und die traditionellen Zimmermannsverbindungen nicht verlernen. „Aufgrund der technischen Spezialisierung und durch die CNC-gesteuerten Abbundmaschinen kommt es oft gar nicht mehr dazu, dass die Auszubildenden das alte Werkzeug verwenden. Auf der Alp müssen sie von Hand sägen, von Hand bohren, von Hand fräsen“, kommentiert Fritz weiter. 

„Die Idee hinter den Projektwochen ist, dass unsere Lehrlinge die alte Handwerkskunst nicht verlernen. Das halte ich für sehr wichtig.“ Siegfried Fritz, Landesinnungsmeister Holzbau Vorarlberg © Matthias Rhomberg
„Die Idee hinter den Projektwochen ist, dass unsere Lehrlinge die alte Handwerkskunst nicht verlernen. Das halte ich für sehr wichtig.“ Siegfried Fritz, Landesinnungsmeister Holzbau Vorarlberg © Matthias Rhomberg

Besondere Gruppendynamik

Im Zuge dessen entstehen Jahr für Jahr mehrere Holzkonstruktionen im Maßstab 1:1 – von der Gartenhütte für Privatpersonen über das Buswartehäuschen bis hin zum Unterschlupf für einen Hirten auf der Alp fanden sich in den vergangenen Jahren vielfältige Verwendungsmöglichkeiten für die Bauten. Eine der Holzhütten geht traditionellerweise an eine gemeinnützige Organisation. „Neben dem aktiven Handwerken und der Ermutigung zum selbstständigen Arbeiten ergibt sich dabei wie von selbst eine besondere Gruppendynamik“, erzählt Projektleiterin Melanie Amann von der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

Zusätzlich finden an drei Abenden Sicherheitsunterweisungen sowie Informationsveranstaltungen zu Themen, wie Ladegutsicherung oder Suchtprävention, statt. Am letzten Abend rundet eine zünftige Firstfeier die „Holzbau-Alpwoche“ ab. Heuer starten die Projektwochen mit rund 60 Lehrlingen am 9. Juli. 

_kl