Briten bauen jetzt Mikro-Holzhäuser

In einer gigantischen neuen Produktionshalle sollen die Module von Europas finanzstärkstem Lebensversicherer (!) vorgefertigt werden

24.07.2017 – Großbritannien muss Wohnraum schaffen – vor allem in und um die Ballungszentren. Um diesen schnell und kostengünstig zu bekommen, trifft die Idee des vorgefertigten Holzbaus zunehmend auf das Interesse seitens der Investoren.

26 Quadratmeter bietet der LaunchPod von RHP. Das reicht nur für einen Bewohner, aber die Mikro-Einheiten sind eben auch für Mieter gedacht, die nur vorübergehend eine Bleibe suchen. © Andrew Holt
26 Quadratmeter bietet der LaunchPod von RHP. Das reicht nur für einen Bewohner, aber die Mikro-Einheiten sind eben auch für Mieter gedacht, die nur vorübergehend eine Bleibe suchen. © Andrew Holt
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Pro Jahr benötigt Großbritannien derzeit 250.000 neue Wohneinheiten – Tendenz steigend. Tatsächlich werden aber nur rund 132.000 Einheiten geschaffen. Dieses Dilemma führt bei vielen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und vor allem Bauwirtschaft zu Kopfzerbrechen.

Um der Wohnungskrise zumindest teilweise Herr zu werden, will die britische Wohnbaugesellschaft RHP mit ihrem Stammsitz im westlichen London künftig intensiv auf den Baustoff Brettsperrholz setzen. Gemeinsam mit den Architekten von WIMSHURST PELLERITI hat man den sogenannten „LaunchPod“ entworfen. Dabei handelt es sich um eine 26 m2-große, eingeschossige Mikro-Hauseinheit für einen Bewohner.

Stapeln, reihen, komprimieren

Ein Prototyp des Konzepts wurde bereits fertiggestellt. Dieser bietet im Eingangsbereich aussenseitig ein kleine Terrasse, innenseitig einen Multifunktionsraum mit Küchenzeile, Wohn-, Ess- und Arbeitsbereich. Der rückseitige zweite Raum dient als Schlafzimmer und offeriert eine Nasszelle sowie Stauraum.

Im Verbund werden die Mikro-Häuser zu Wohnanlagen. © WIMSHURST PELLERITI
Im Verbund werden die Mikro-Häuser zu Wohnanlagen. © WIMSHURST PELLERITI

Die Raumaufteilung kann nach Belieben variiert werden. In der Regel sieht das Konzept aber keine Einzelmodule vor, sondern Stapelungen und Aneinanderreihungen von mehreren Einheiten, die in Summe ganze Wohnkomplexe erzeugen. Dadurch, dass die einzelnen Wohneinheiten sehr klein gehalten werden und im Verbund an eine zentrale Haustechnik angeschlossen werden können, bleiben die Wohnungen auch für Geringverdiener erschwinglich – der Bedarf danach sei jedenfalls vorhanden, glaubt man bei RHP. Man will damit Mieter anlocken, die nur vorübergehend für ein paar Monate oder Jahre eine Unterkunft suchen bis sie sich etwas größeres leisten können.

Versicherungsriese investiert im großen Stil in Holzbau

Gebaut werden die „LaunchPods“ von einer Firma, die eigentlich im Versicherungs- und Finanzwesen tätig ist. Legal & General mit Hauptsitz in London ist laut Wikipedia der finanzstärkste Lebensversicherer Europas, aber auch größter Investor am britischen Aktienmarkt. Mit einer neuen Produktionshalle gigantischen Ausmaßes setzt die Division Bau des Unternehmens am Standort Leeds alles auf eine Karte: den vorgefertigten Holzbau mit Brettsperrholz. Mit mehreren parallel laufenden Fertigungslinien soll es möglich sein, bis zu 3500 Wohneinheiten pro Jahr in diesem einen Werk zu erzeugen. Die enormen Mengen an benötigtem Brettsperrholz will man schon bald selbst erzeugen. Legal & General hat mit 20 mal 6 m die weltweit größte BSP-Presse bestellt. Diese ist auf 120.000 m3/J im Einschicht-Betrieb ausgelegt und wird das Unternehmen schlagartig auf Platz 3 der weltgrößten BSP-Hersteller katapultieren – hinter Binderholz und Stora Enso.

© Legal & General
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_mr / Quellen: www.treehugger.com, WIMSHURST PELLERITI, RHP, Legal & General