Abgefahren – aus dem Holz zum nächsten Ort

Architekturstudenten verhelfen einem kleinen deutschen Ort zu Mobilitätskonzept

Im Zuge eines Mobilitätskonzepst entstanden sogenannte "Warteorte" aus Jungarchitektenhand – das ist einer davon. © Tilman Schmidt-Föhre
Im Zuge eines Mobilitätskonzepst entstanden sogenannte "Warteorte" aus Jungarchitektenhand – das ist einer davon. © Tilman Schmidt-Föhre

11.08.2017 – Wer auf dem Land aufgewachsen ist, weiß, wie langwierig und mühsam sich öffentliche Fortbewegung gestalten kann. Architekturstudenten der Technischen Universität München erarbeiteten – dieses Problem vor Augen – in Kleingruppen Mobilitätskonzepte für eine kleine Gemeinde im Allgäu. Von extravaganten Holzbauten aus sollen sich Mitfahrgelegenheiten ergeben.

Studenten des Lehrstuhls für Entwerfen und Holzbau der TU München führten im Zuge des Wahlfachs „Zum nächsten Ort“ gemeinsam mit dem Markt Heimenkirch im Allgäu eine Fallstudie zur Mobilitätssteigerung durch. Ergänzt durch die Planung und Ausführung baulicher Strukturen kam es zur Verwirklichung von sogenannten „Warteorten“. Die Idee: Mittels Handy-App funktioniert die Absprache von Mitfahrgelegenheiten. Treffpunkt sind bislang vier von den Studenten entworfene und miterbaute Holzkonstruktionen.

Annäherung an den Werkstoff: Beim Handwerken vertieften die Studenten ihre Holzaffinität zusätzlich. © Tilman Schmidt-Föhre
Annäherung an den Werkstoff: Beim Handwerken vertieften die Studenten ihre Holzaffinität zusätzlich. © Tilman Schmidt-Föhre

Handwerk stärkt Holzbezug

Neben dem gesellschaftsrelevanten Aspekt des Projekts bot die 1:1-Realisierung der vier hölzernen Warteorte den Studenten die Möglichkeit, die leichte Verarbeitbarkeit des Materials zu erfahren. Gemeinsam mit regionalen Praxispartnern stimmten sie die Werkstatt- und Montageplanung ab. Durch den fachlichen Austausch prüften die angehenden Architekten ihr Konzept immer wieder auf Praxistauglichkeit und Kosteneffizienz. Bauliche Unterstützung fanden sie durch regionale Holzbaubetriebe. Wie sich ein Bau von der Planungs- bis zur Ausführungsphase entwickelt, war einer der spannenden Aspekte des Wahlfaches unter der Leitung von Architektin Maren Kohaus am Lehrstuhl von Prof. Hermann Kaufmann.

Auch bei der Montage legten die Studenten selbst Hand an.
© Tilman Schmidt-Föhre
Auch bei der Montage legten die Studenten selbst Hand an.
© Tilman Schmidt-Föhre
Dieser Entwurf stammt von Nikola Schiemann, Lou Hofmann und Tilman Schmidt-Föhre.
© Tilman Schmidt-Föhre
Dieser Entwurf stammt von Nikola Schiemann, Lou Hofmann und Tilman Schmidt-Föhre.
© Tilman Schmidt-Föhre

Einprägsame Gestalt im Schindelkleid

Nikola Schiemann, Lou Hofmann und Tilman Schmidt-Föhre nutzten die Weiterbildungschance und kreierten eines der vier Projekte. Ihr Brettsperrholzbau, verkleidet mit 5200 Lärchenschindeln, soll durch die Architektur die Wartezeit der Nutzer verkürzen. „Die einprägsame Gestalt des ‚Warteortes‘ entwickelte sich aus der Überlegung heraus, mittels einfacher, zweidimensionaler Grundformen, wie Rechteck, Dreieck und Trapez, einen dreidimensionalen Ort zu generieren, der – als wäre er einer ‚Bastelanleitung‘ entnommen – an ein gefaltetes Papiermodell erinnert“, erklärt das Projektteam. Dank verschiedener Neigungswinkel ergeben sich Sitz-, Lehn- und Entspannungsmöglichkeiten. 35 m3 Brettsperrholz lagern auf einem von den Studierenden selbst realisierten Stahlbetonsockel. Handgeschlagene Lärchenholzschindeln stehen als regionales Stilelement in Kontrast zur unkonventionellen Formensprache.

Ob das Mobilitätskonzept insgesamt Bestand hat oder gar Ausweitung findet, soll sich noch dieses Jahr entscheiden.

_kl