So wird Brettsperrholz noch stärker

Cellulose und Pflanzenöl könnten dem Holzbau zu neuen Höhenrekorden verhelfen

07.09.2017 – In Deutschland will ein Hersteller von Polymerwerkstoffen gemeinsam mit vier Partnern biobasierte Verstärkungsschichten für Vollholzwerkstoffe entwicklen. Sogenannte Verstärkungslamellen könnten beispielsweise in die Leimfugen von Brettsperrholz eingearbeitet werden, um den Baustoff noch leistungsfähiger zu machen.

Aufbau der Verstärkungslamellen; © Fraunhofer ICT/H. Engelen
Aufbau der Verstärkungslamellen; © Fraunhofer ICT/H. Engelen

In einer Pressemitteilung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) wird verlautbart, dass ein mit Cellulosefasern verstärktes Polyurethan-System, das zu über 90% biobasiert sein soll, aktuell verwendete petrochemische Produkte ersetzen könnte. Die Covestro Deutschland AG (eine Tochter der Bayer AG) steckt hinter der Innovation. Im begonnenen Vorhaben setzen deren Forscher in Bezug auf das Polyurethan-System auf eine Kombination aus biogenen, aliphatischen Polyisocyanaten und biogenen Polyolen auf der Basis von Pflanzenölen. Diesem Polyurethan sollen positive Eigenschaften wie eine geringe Brennbarkeit und eine hohe Resistenz gegenüber Witterungseinflüssen bereits immanent sein, so dass es dafür keiner speziellen Additive bedarf.

Beim Herstellungsverfahren setzen die Projektpartner auf das Pultrusionsverfahren, das nun unter Praxisbedingungen erprobt werden soll.

© Michael Reitberger
© Michael Reitberger

Verstärkung von BSP und BSH in der Praxis (noch) nicht üblich

Derzeit ist es sowohl in der europäischen Brettschicht- als auch Brettsperrholzindustrie nicht üblich, diese Holzbaustoffe durch zusätzliche Stoffe, wie Glas-, Aramid- oder Carbonfasern zu verstärken. Auf Anfrage der holzbau austria-Redaktion sind weder den Experten der Holzforschung Austria noch Insidern der Holzindustrie Hersteller bekannt, die Holzbauprodukte in der Leimfuge mit Fasern verstärken.

Jedoch zeigen die Signale der jüngeren Holzbau-Entwicklungen in eine klare Richtung: nach oben. Mit Projekten, wie dem aktuell in Bau befindlichem 80-Meter hohen Turm im norwegischen Brumanddal, dem 24-geschossigen HoHo Wien oder dem kürzlich fertiggestellten 18-geschossigen Brock Commons Studentenwohnheim, werden die Höhengrenzen von Holzbauten bereits ausgelotet. Sollen künftig 80-stöckige Gebäude aus Holz, wie der River Beach Tower in Chicago, entstehen, könnten bei der Verstärkung von Holzwerkstoffen ökologischere Alternativen zu petrochemischen Fasern schon bald gefragt sein.

_mr / Quellen: FNR, Insiderinterviews