(Holz)Naschmarkt macht Platz für Ideen

Temporäre Holzkonstruktion widmet sich dem Thema: Wie wir künftig arbeiten wollen

19.09.2017 – Eine Sache, die die Menschen schon immer am Baustoff Holz fasziniert hat, ist, dass man so leicht damit arbeiten kann. Eine Säge, ein Akkuschrauber inklusive Schrauben und vielleicht noch ein Bohrer genügen oft schon, um eine Idee in ein Konstrukt zu verwandeln. 

Diesen einfachen Gedanken griff das „Team Wien“, bestehend aus 13 Kreativ-Kollaborateuren, auf, um einen der vielbesuchtesten Plätze Wiens um eine temporäre Installation aus Holz zu bereichern. Den ganzen Monat September bespielt Team Wien mit seinem Projekt „Park“ den Parkplatz am Naschmarkt mit mehreren Holzmodulen.

„Park“ am Naschmarkt umfasst drei gebaute Module im Raster von 4 x 4 m, eine lange Tafel (gelb) sowie ca. 300 Quadratmeter Freifläche mit 70 selbstgebauten Sitzkisten. © Team Wien
„Park“ am Naschmarkt umfasst drei gebaute Module im Raster von 4 x 4 m, eine lange Tafel (gelb) sowie ca. 300 Quadratmeter Freifläche mit 70 selbstgebauten Sitzkisten. © Team Wien
© Zara Pfeifer
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Park macht Platz … für Arbeit und Freizeit

Jede Konstruktion erfüllt einen besonderen Zweck. So wird das Modul „Workspace“ für Meetings, Brainstorming, Präsentationen, Netzwerken oder auch einfach nur zum lockeren sozialen Austausch genutzt. „Bühne“ ist der kulturelle Mittelpunkt der Installation. Hier werden Lesungen, Konzerte und künstlerische Darbietungen aller Art angeboten. Das „Werkstattmodul“ ist das konzeptionelle Zentrum. Die Idee des eigenhändigen Schaffens von Gegenständen setzt sich hier in die Tat um: Jeder ist eingeladen, mit einfachen Werkzeugen, kleine Kisten aus Holz zu bauen, welche dann in den nicht überdachten Bereichen der Freiluft-Ausstellung als Sitzgelegenheit für weitere Gäste genutzt werden. Der Deal für jeden Gast: Wer zwei Kisten baut, darf eine davon mit nach Hause nehmen.

© Zara Pfeifer
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Wenn Roboter arbeiten: Was tut der Mensch?

„Inspiration für Park war zum einen, städtischen Raum einmal anders zu denken und den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich daran beteiligen zu können. Zum anderen geht es bei Park ganz stark um das Thema Arbeit. Wir müssen uns heute die Frage stellen, wie wir in Zukunft in der Stadt arbeiten wollen, wenn Roboter unsere Jobs übernehmen. Der Baustoff Holz bietet den Menschen die Möglichkeit, sich selbst an der Mitgestaltung ihrer Umgebung zu beteiligen. Neues soziales Wohnen und vor allem partizipatives Wohnen funktioniert nicht mit Stahl oder Beton“, erzählt Architekt Mark Neuner vom Team Wien.

Das Team Wien ist ein Zusammenschluss aus insgesamt 17 Planern, Künstlern und Designern. Sie entwerfen Ideen für eine gemeinschaftliche Stadtentwicklung. © Team Wien
Das Team Wien ist ein Zusammenschluss aus insgesamt 17 Planern, Künstlern und Designern. Sie entwerfen Ideen für eine gemeinschaftliche Stadtentwicklung. © Team Wien

Soziales funktioniert nur gemeinsam

Der Gedanke des Selbst-Partizipierens ist dem Projekt schon seit der Konzeptphase inhärent. Per Crowdfunding konnte sich Jedermann an der Finanzierung beteiligen. Den Investoren wurde im Gegenzug ein gewisses Mitspracherecht bei der Gestaltung von Park eingeräumt. 15.000 Euro wurden auf diese Weise lukriert. Weil aber eine derart innerstädtisch präsente Installation schon allein in der Planungs- und Genehmigungsphase viel Zeit und Geld beansprucht, haben auch Andere dem Projekt unter die Arme gegriffen – wie beispielsweise der Verband der Europäischen Hobelindustrie (VEH).

VEH-Präsident Wolfgang Leitinger und die VEH-Mitgliedsbetriebe unterstützen den Einsatz von Holz in urbanem Raum. Für Park wurden 300 Quadratmeter Hobelware zur Verfügung gestellt. © MR
VEH-Präsident Wolfgang Leitinger und die VEH-Mitgliedsbetriebe unterstützen den Einsatz von Holz in urbanem Raum. Für Park wurden 300 Quadratmeter Hobelware zur Verfügung gestellt. © MR

„Uns freut es besonders, wenn kreative Planer auch in der Stadt den Baustoff Holz in Betracht ziehen und damit arbeiten wollen. Für den VEH war es selbstverständlich, für dieses Projekt die Baumaterialien kostenneutral zur Verfügung zu stellen“, so VEH-Präsident Wolfgang Leitinger. Die VEHQ-Firmen Weiss (Flachau) und SECA (Ottensheim) lieferten über 300 m2 Hobelware nach VEH-TOP-Standard zum Naschmarkt. Ebenso hat sich der Verein MH Massivholz Austria mit rund 20 m3 MH-Plus-Bauholz beteiligt.

Ende September werden die Module im Einsatz für einen sozialen Zweck anderswo genutzt. Die Installation wurde so konstruiert, dass sie jederzeit anderweitig Verwendung finden kann. Für weitere Ideen ist das Team Wien offen und freut sich über Anregungen.

_mr