Wenig Grund, viel Luft und Raum

Geschickte Anordnung von Appartements macht aus einem Block kleine Einfamilienhäuser

29.11.2017 – Ein Grundstück in einer Villengegend in Innsbruck –man hätte dort protzen können. Doch die Diözese entschied sich als Bauherr für ein kleines Wohnprojekt, das günstigen, aber hochwertigen Wohnraum schafft. 

Ein überschaubarer Baugrund und möglichst viel Wohnraum – das schließt sich nicht aus: Bei der Wohnanlage in der Kaspar-Weyrer-Straße in Innsbruck hat man auf Unnötiges einfach verzichtet. © Lukas Schaller
Ein überschaubarer Baugrund und möglichst viel Wohnraum – das schließt sich nicht aus: Bei der Wohnanlage in der Kaspar-Weyrer-Straße in Innsbruck hat man auf Unnötiges einfach verzichtet. © Lukas Schaller

Der schmale, knapp 1000 m² große Baugrund liegt an einem Sonnenhang, die kurze Seite nach Süden gerichtet. Zehn komfortable Zwei- bis Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen zwischen 37 und 65 m² haben hier Platz gefunden. Die Architekten, Werner Burtscher und Patrick Lüth, kaschieren die großen Kubaturen geschickt. Sie teilten die geforderten Wohneinheiten mit vielen Vor- und Rücksprüngen sowie einer intelligenten Höhenstaffelung in kleine Bauteile auf.

Die Planer setzten auf eine einfache, aber hochwertige Ausstattung. Wände und Decken blieben unverputzt. © Lukas Schaller
Die Planer setzten auf eine einfache, aber hochwertige Ausstattung. Wände und Decken blieben unverputzt. © Lukas Schaller

Unnötiges weglassen

Die „Verdichtung“ trieben die Architekten thematisch mit allen möglichen Mitteln auf die Spitze. Um auf dem engen Baugrund die geforderten Flächen unterzubringen, ließen sie alle unnötigen Erschließungsflächen weg. Es gibt keinen Lift, kein Treppenhaus und jeder Bewohner hat von außen Zutritt zu seiner Wohnung. Das senkt die Kosten und schuf und mehr Wohnfläche. Gerungen wurde um jeden Zentimeter: Mit einer äußerst schlanken Ausführung der Bauteile gelang es, auf dem Grundstück auch noch eine Garçonniere unterzubringen. „Wir wollten keinen Superblock bauen. Die umgebende Bebauung besteht aus Einfamilienhäusern auf recht großen Grundstücken. Also suchten wir nach einer Lösung, um zwar maximale Dichte zu erlangen, dies aber kleinteilig aufzulösen. Das gelang natürlich auch dadurch, dass wir die Erschließungszonen, soweit möglich, reduziert und unter freien Himmel gelegt haben“, berichtet Burtscher. 

Die Aufteilung der Baukörper ist simpel. Zwei Doppelhäuser beherbergen jeweils zwei Wohnungen pro Haushälfte – eine im Erdgeschoss und eine Maisonettewohnung im Ober- sowie Dachgeschoss. Die Erdgeschosswohnungen haben eine Terrasse und einen kleinen Garten, die Wohnungen in den Obergeschossen haben mindestens eine eigene Terrasse. Ein zweigeschossiger Bau schließt das Ensemble nach Süden ab und bietet Platz für eine Garçonniere.

„Wenn man ein geschicktes Planerteam hat, funktioniert auch das Projekt“, weiß Bauleiter Hermann Glatzl aus langjähriger Erfahrung mit Großprojekten. © Glatzl
„Wenn man ein geschicktes Planerteam hat, funktioniert auch das Projekt“, weiß Bauleiter Hermann Glatzl aus langjähriger Erfahrung mit Großprojekten. © Glatzl

Kosten im Griff

Die Kosten behielt man mit einigen Kniffen im Griff: So viele Detailausführungen wie möglich sollten ohne Schnittstellen zwischen den einzelnen Gewerken abgewickelt werden. Auch bei der Wahl der Fußböden entschloss man sich zur Einfachheit. Der geschliffene Anhydritestrich bietet ein angenehmes Laufgefühl und hat den Vorteil, dass die Wärme der Fußbodenheizung besonders schnell in den Raum gelangt. Das puristische Konzept setzten die Planer auch bei anderen Bauteilen fort: Die Holzoberflächen der Wandelemente sind unverputzt und geben dem Raum eine warme und hochwertige Atmosphäre. Auf Fußleisten verzichtete man ganz und entschied sich für eine saubere Fugenlösung. Dass die Kosten nicht überhand nahmen, lag laut Bauleiter Hermann Glatzl auch daran, dass alle Fachplaner früh mit im Boot und sämtliche Planungen vor der Vorfertigungsphase abgeschlossen waren. „Die Stunde der Geburt ist entscheidend. Mit einem vernünftigen Planerteam von Beginn an bringt man so ein Projekt auch erfolgreich zu Ende“, bringt er die Voraussetzungen auf den Punkt. 

Möglichst viel Raum

„Jeder Kubikmeter umbauter Raum zählt“, lautete die Maßgabe der Architekten an die Statiker. Damit so viele Wohneinheiten wie möglich auf dem Bauplatz errichtet werden konnten, mussten die Bauteile besonders schlank sein. Die Statiker mussten herausfinden, wo Baumaterial eingespart werden konnte. Wände und Decken sind aus Brettsperrholzelementen gefertigt und als Sichtflächen belassen. Die Haustrennwände wurden aus Schallschutzgründen mit Gipskarton auf einer Sylomeraufhängung verkleidet. Die Fassadenlattung aus unbehandelter Vorarlberger Weißtanne wurde aus hochwertiger Holzsortierung in Möbelqualität erstellt, was eine deutlich längere Lebensdauer der Fassade mit sich bringt. Um die Deckenstärken wurde ebenfalls gerungen: Am Ende errechneten die Statiker 16 cm für die Erdgeschossdecke, 14 cm für das Obergeschoss und 12 cm für das Dach. Die Planer entschieden sich für ein EPDM-Dach – hauptsächlich deshalb, weil der Bauleiter damit gute Erfahrungen gemacht hatte.

Zwischen die Baukörper schieben sich die Außentreppen. So teilt sich der Wohnblock in kleinere Einheiten auf. © Lukas Schaller
Zwischen die Baukörper schieben sich die Außentreppen. So teilt sich der Wohnblock in kleinere Einheiten auf. © Lukas Schaller

Projektdaten

Standort: Innsbruck
Fertigstellung: 2015
Baukosten gesamt: rund 2 Mio. € netto
Architektur: Werner Burtscher, www.wernerburtscher.com; Patrick Lüth, www.snohetta.com
Tragwerksplanung: fs1, www.fs1-gmbh.at
Ausführung: Glatzl Holzbauprojekte, www.holzbauprojekte.at, Holzcenter Ortner, www.holzcenter.at
Nutzfläche: 990 m2

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