Russlands imposanter Holzgigant

Ein Gewerbebau, der den Mitarbeitern als Inspirationsquelle dient: Das Good Wood Plaza bei Moskau

11.01.2018 – Mit einer hölzernen Unternehmenszentrale zeigt sich das Holzbauunternehmen Good Wood seinem namensgebenden Werkstoff eng verbunden – ein logischer Schritt bei der Zusammenlegung vieler Büros in Selenograd nahe Moskau und zugleich ein Anstoß für den verstärkten Einsatz des vielseitigen und nachhaltigen Werkstoffs.

Das Good Wood Plaza gilt als höchster Holzgewerbebau Russlands; © Good Wood
Das Good Wood Plaza gilt als höchster Holzgewerbebau Russlands; © Good Wood

Den Namen Good Wood gab sich ein russischer Fertighaushersteller bewusst: Er sollte die Werte des Unternehmens in sich vereinen und in seiner Prägnanz jedes einzelne entstandene Gebäude eindeutig beschreiben. Holz erweist sich aus vielen Gründen als guter Baustoff: Das verwendete sibirische Nadelholz ist umweltfreundlich, strahlt Gemütlichkeit, gleichzeitig jedoch Stil aus. Es vermittelt Wärme, ist einfach und schnell zu verarbeiten und zeugt von Wertschätzung und Heimatliebe. Good Wood verbindet in seinen Bauprojekten diese Eigenschaften mit moderner Inneneinrichtung und Haustechnologie, welche die schlüsselfertigen Eigenheime noch komfortabler machen. Um dem Kunden noch mehr Service zu bieten, hat Good Wood zudem eine Onlinebaufortschrittsüberwachung eingeführt.

© Good Wood
© Good Wood

„Für unsere Kunden wollten wir stets das optimale Heim realisieren“, erklärt Unternehmenssprecher Sergej Polisanov. „Als es daran ging, unsere vielen in der Region Moskau verstreuten Vertretungen unter einem Dach zusammenzufassen, kam nichts anderes als ein ebenso repräsentatives Gebäude infrage. Für die Mitarbeiter ist die neue Zentrale eine Inspirationsquelle und Kunden dient sie als erster Eindruck davon, was sie bei der Beauftragung von Good Wood erwarten dürfen.“ Man wollte zeigen, wie vielseitig und modern Holz im Geschossbau eingesetzt werden kann. Das Planungsteam, bestehend aus Elena Dubovenko, Ksenia Lotkova, Sergey Tishkin und Nadezhda Shiryaeva, schritt zur hölzernen Tat. Um auch unvoreingenommene Stimmen bei der Gestaltung zu berücksichtigen, wollte man unternehmensfremde Architekten hinzuziehen. Nachdem eine Kooperation mit einem italienischen Büro fehlschlug, schrieb Good Wood einen Wettbewerb aus, in dem der Entwurf von Kirill Tikhonov das Rennen machte. Dieser diente Chefdesigner Alexander Prishchepenko als Basis für die finale Gestaltung. So entstand der wohl höchste Holzgewerbebau Russlands.

Abstrakter Wald aus Holz und Glas

60 Brettschichtholzsäulen mit einem Querschnitt von 280 x 800 mm sowie 451 Balken – ebenfalls aus BSH und mit Querschnitten von jeweils 180 x 390 mm –  tragen das knapp 20 m hohe Bauwerk. Auf vier Stockwerken breiten sich 3400 m2 Bürofläche aus, darunter auch 30 Konferenzräume unterschiedlicher Größe sowie einladende Gemeinschaftsräume. Die Räume sind auffallend hell, da alle Fronten in Glas gehalten sind. So sorgen nicht nur die Solaranlagen auf dem Dach für Energie, sondern die Temperaturregelung des Innenraums kann dank einer 1500 m2-großen Spezialglasfläche zudem komplett über die Steuerung der Lichteinstrahlung erfolgen. Gleichzeitig verleiht die Transparenz dem kompakten Gebäude die nötige Leichtigkeit, um an dessen natürliche Herkunft zu erinnern. Gepaart mit zahlreichen und kunstvoll versetzen Kopfbändern, die wie Baumkronen aussehen, mutet das Haus wie ein abstrakter Wald an.

Die schlichte und doch einladende Konstruktion aus Brettschichtholzsäulen und -balken …
Die schlichte und doch einladende Konstruktion aus Brettschichtholzsäulen und -balken …
… wirkt wie ein lichtdurchfluteter, abstrakter Wald hinter einer imposanten Glasfassade. © Good Wood
… wirkt wie ein lichtdurchfluteter, abstrakter Wald hinter einer imposanten Glasfassade. © Good Wood

Weichen stehen auf Holz

Brandschutztechnisch wurde von einem russischen Prüfinstitut bestätigt, dass das Brettschichtholz einen Brandwiderstand von eineinhalb Stunden aufweise. Im Notfall würden entsprechende Fluchtwege das sichere Verlassen des Gebäudes sicherstellen. 

Im Gespräch mit dem Bauherrn wird schnell klar: In Russland, so scheint es, legt man dem Holzbau keine Steine in den Weg – im Gegenteil: Laut der „Moskauer Deutschen Zeitung“ setzt sich auch die Politik für den nachhaltigen Gebrauch der großen Holzreserven in den Wäldern des Landes durch Holzbau ein – auch, um dem übermäßigen Export der Branche entgegenzuwirken und den Inlandsumsatz zu fördern. So wird der Kauf von Holzhäusern seit Sommer 2017 mit bis zu 500.000 Rubel (rund 7200 €) subventioniert. Das Good Wood Plaza ist ein Paradebeispiel für den modernen Holzbau Russlands und diente im März bereits als Tagungsort für den zehnten Kongress der „Russian Association of Wood Housing“. Die Erbauer hoffen indes, dass noch viele weitere Superlative folgen werden.

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Projektdaten

Bauherr: Good Wood
Standort: Selenograd bei Moskau
Architekt: Kirill Tikhonov
Nutzfläche: 3400 m2
Gebäudehöhe: 19,8 m
Fertigstellung: 2017