Fit 4 BIM

Der digitale Wandel im Bauwesen

08.02.2018 – Der Mensch und der Rohstoff Holz gehören zu den wichtigsten Ressourcen auf Erden. Beide sind von der digitalen Transformation stark betroffen. Der Holzbau ist, den digitalen Wandel betreffend, bereits relativ weit fortgeschritten. Die Zukunft wird eine stärkere Vernetzung bringen. Es müssen aber auch Themen, wie Lebenszyklen und Nachhaltigkeit, intensiver miteinbezogen werden. Innovationspotenzial liegt dabei in der Kombination von Tradition, Technik, Effizienz und Bildung sowie in der Verknüpfung des Menschen mit dem Rohstoff und den neuen digitalen Möglichkeiten.

© BFH
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Mit BIM schneller, fehlerfreier und kosteneffizienter bauen: Moderne Bauten verlangen aufgrund ihrer Komplexität nach neuen Methoden und einem holistischen Planungsteam. Building Information Modeling (BIM) ist keine Software, sondern eine Methode und realisiert Mehrwerte, wie

  • Planungssicherheit durch ein Koordinationsmodell mit Kontrollmethodik,
  • Informationssicherheit durch die Vermeidung von Brüchen im Informationsfluss,
  • Kontrolle der Geometrie, Maße, Mengen und der gesetzlichen und normativen Vorgaben,
  • Verknüpfung der Geometriemodelle mit Zeit und Prozessen,
  • Effizienzsteigerung und Fehlervermeidung,
  • Datenmodell für Erstellung, Unterhalt, Umbau und Rückbau sowie Archivierung.

Die große Herausforderung im BIM ist die Definition der Fachinformationsmodelle. Sie beinhalten Geometrie, raumbezogene Daten, Konnotation (Nebenbedeutung), semantische Eigenschaften und thematische Ontologien (formale Repräsentationsmodelle, Zeitinformationen und Lebenszyklen). BIM führt zu einer Vorverlagerung von Planungs- und Entscheidungsprozessen. Dies wiederum bewirkt eine größere Einflussnahme auf Gestaltung und Kosten beziehungsweise eine Verringerung der Kosten bei Planänderungen.

IFC – ein herstellerunabhängiges Datenmodell für den ganzen Lebenszyklus eines Bauwerks

Die Idee der Produktmodellierung als umfassende Beschreibung des Produkts, das die Geometrie und die Semantik seiner Bestandteile enthält, entstand in den späten 1980er-Jahren und bekam den Namen IFC (Industry Foundation Classes). Ziel der Entwicklung ist es, einen digitalen Zwilling zu erstellen, an dem alle Aktivitäten geübt werden können. Alle Gewerke werden miteinander vernetzt, jede Bauphase wird kontrolliert und ausgewertet, die Gesamtkosten werden durch optimal aufeinander abgestimmte Prozesse gesenkt. Der Detaillierungsgrad (Level of Detail, LOD) wird bezüglich der Informationen (Level of Information, LOI), Entwicklungen und Geometrien so hoch als nötig und so tief wie möglich gehalten.

Neue Rollen im BIM-Prozess

BIM führt zum Wandel vom analogen zum digitalen Bauen. Daraus muss sich eine neue digitale Baukultur entwickeln. Neueste Erfahrungen zeigen, dass BIM-Koordination nicht von Menschen in neuen Berufen, sondern von Aufgaben und neuen Rollen realisiert wird. Die Beherrschbarkeit der ungeheuren Datenflut wird nicht von Menschen oder Software übernommen, sondern von BIM-Plattformen. Die Nachvollziehbarkeit, Verantwortlichkeit und die koordinierte Lösungsfindung werden auf Kollaborationsplattformen (z. B. BIMcollab, open-BIM-Plattform) organisiert. Dabei erweisen sich die open-BIM-Lösungen als erfolgversprechend. BIM ermöglicht die Integration des Facility Managements in einem sehr frühen Projektstadium und beeinflusst die Betreibungs- und Unterhaltskosten maßgeblich. Die Verbindung der geplanten Virtualität mit der gebauten Realität, genannt „BIM2field – Field2BIM“, wird durch alle Vermessungstechniken (Scanning, Tachymetrie, Photogrammetrie) realisiert und führt zur Qualitätskontrolle im Bauprozessmanagement. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um einen Neubau oder eine Sanierung handelt.

Autor Univ.-Prof. Thomas Rohner
Autor Univ.-Prof. Thomas Rohner

Die Exzellenz Holz als Wegbereiter im Bauwesen

Der Holzbau übernimmt die Rolle des Wegbereiters im Bauwesen. Aber wie kann es sein, dass ein derart alter und traditioneller Baustoff eine Vorreiterrolle spielt? Die Antwort liegt in einer Schwäche des Holzbaus, der Witterungsabhängigkeit. Diese führte dazu, dass möglichst viele Bauprozesse weg von der Baustelle in die Werkstatt verlagert wurden, womit der wichtigste Schritt der Vorfertigung vollzogen war. Die konsequente Vorfertigung verlangt nach einer koordinierten Planung und dem Vorhandensein aller Planungsdaten.

Weitere Informationen unter www.ahb.bfh.ch