Er ist kein „Global Player“ …

… aber er handelt wie einer – Bernhard Mittermayr weiß genau, wohin er mit seinem Holzbaubetrieb will

01.03.2018 – Im Rahmen unserer Holzbau-Meister-Reihe sind wir wieder einmal in Oberösterreich unterwegs. Auf einem Streifzug durch das Mühlviertel treffen wir zwischen Linz und Rohrbach auf den an der B127 bei Walding gelegenen Betrieb von Bernhard Mittermayr.

Bernhard Mittermayr, Geschäftsführer von m-haus.zimmerei
Bernhard Mittermayr, Geschäftsführer von m-haus.zimmerei

Das Logo des in eine Holzfassade gekleideten Betriebsgebäudes besagt „m-haus“, was weniger einen Zimmereibetrieb als vielmehr ein Fertighausunternehmen vermuten lässt. Der erste Eindruck kehrt sich aber schon beim Begehen der Büroräumlichkeiten ins Gegenteil: Von „Fertigprodukten“ findet man hier keine Spur – vielmehr von handwerklichem Geschick, Gespür für modernes Design und einer offenen, großzügigen Raumstruktur mit kombinierten Holz- und Glasoberflächen. In der Mitte ein großer Tisch vor einer Präsentationsleinwand, daneben eine Küchenzeile mit Stehtischen und Barhockern sowie eine Spielecke für Kinder, auf der anderen Seite des Tisches eine Vitrine mit Modellhäusern und Musterstücken von Holzprodukten: Man fühlt sich nicht gerade, als wäre man in einer Zimmerei, sondern eher wie in einem dieser supermodernen Bürogebäude in Silicon Valley, die man nur aus dem Fernsehen oder Internet kennt.

Bei m-haus arbeitet man sehr serviceorientiert, die großzügigen Büroräumlichkeiten …
Bei m-haus arbeitet man sehr serviceorientiert, die großzügigen Büroräumlichkeiten …
… inklusive eines Showrooms und kleinen Gastrobereichs legen dafür Zeugnis ab. 
… inklusive eines Showrooms und kleinen Gastrobereichs legen dafür Zeugnis ab. 

Alles scheint auf das Wohlbefinden der Gäste und hier arbeitenden Menschen abgestimmt zu sein – der Wohlgeruch des Holzes tut seinen Beitrag. Doch welchen tieferen Sinn verfolgt ein Holzbaubetrieb mit solch einladenden Büroflächen in seiner Unternehmenszentrale? „Wir arbeiten sehr kunden- und somit auch serviceorientiert“, erklärt Firmeneigner Bernhard Mittermayr. „Im Erdgeschoss halten wir regelmäßig Informationsveranstaltungen ab. Wir laden jeden herzlich ein, uns zu besuchen.“ Mit Kind und Kegel kommen bauinteressierte Familien hierher und lassen sich von Bernhard Mittermayr und seiner Frau Claudia die Vorteile und Möglichkeiten des aus Holz gebauten Hauses erklären. Während die einen mit klaren Vorstellungen und einer ersten Skizze ihres ganz persönlichen Traumhauses im Gepäck anreisen, haben andere Gefallen an einem der 23 vorgefertigten „m-haus“-Entwürfe gefunden. Zu Letzteren bietet entweder die interaktive Webseite Mittermayrs oder – ebenso übersichtlich und professionell gestaltet – ein Firmenkatalog bildhafte wie auch technische Information.

Ein eigener Hauskatalog – das „m-haus-Handbuch“ – informiert interessierte Bauherren über das Angebot der oberösterreichischen Zimmerei. Darin werden auch technische Details zur Konstruktion und Bauphysik der Häuser erklärt. Bernhard Mittermayr hat die informative Unterlage zum Großteil selbst gestaltet.
Ein eigener Hauskatalog – das „m-haus-Handbuch“ – informiert interessierte Bauherren über das Angebot der oberösterreichischen Zimmerei. Darin werden auch technische Details zur Konstruktion und Bauphysik der Häuser erklärt. Bernhard Mittermayr hat die informative Unterlage zum Großteil selbst gestaltet.

Handwerk oder Industrie? Gibt es etwas dazwischen?

Mit dem Firmenkatalog in Händen sind wir uns erneut nicht sicher: Befinden wir uns hier in einer Zimmerei oder doch einem Fertighausunternehmen? Die Antwort liegt wohl irgendwo in der Mitte. Eines ist jedoch sicher: Dass das Handwerk bei m-haus nicht zu kurz kommt, erschließt sich spätestens bei der Besichtigung der Werkshalle. Wer hier Maschinenlärm und düstere Industrieatmosphäre erwartet, wird überrascht sein.

Schwere Maschinen sucht man hier vergebens: Bei m-haus wird jeder …
Schwere Maschinen sucht man hier vergebens: Bei m-haus wird jeder …
… Sparren von Hand abgebunden und jede Schraube von einem Facharbeiter gesetzt.
… Sparren von Hand abgebunden und jede Schraube von einem Facharbeiter gesetzt.

Die lichtdurchflutete, im Passivhausstandard gebaute Montagehalle ist unterteilt in sechs Montageplätze, die jeweils eine Fläche von 8 mal 12 m bieten. Hier arbeiten Teams zu je zwei bis sechs Zimmerern, Tischlern und Vorarbeitern. Sie binden Dachstühle ab, setzen Holzrahmenwände inklusive Haustechnik, Fenstern und Türen zusammen oder fertigen Stiegen und Spezialaufträge – von großen Abbundanlagen, unruhigen Förderstraßen oder lärmenden Hobelmaschinen keine Spur.

„Hier ist Handarbeit angesagt. Wir besitzen keine Abbundmaschine und wollen auch keine“, spricht Bernhard Mittermayr aus tiefer Überzeugung. „Unsere Mitarbeiter beherrschen ihre Werkzeuge und ebenso ihr gelerntes Handwerk. Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir nicht, wie manch anderer, über Fachkräftemangel klagen können. Viele Lehrlinge kommen gerade deshalb zu uns, weil sie hier das echte Handwerk erlernen können und eben nicht nur den ganzen Tag Maschinen programmieren, bedienen und überwachen wollen.“

Entwerfen ist sein Hobby

Drei angestellte Holzbau-Meister gehören der insgesamt 42-Mann starken Mannschaft Mittermayrs an. Sie begleiten als Bauleiter die Hausproduktion von der Planung über die Fertigung bis zur Montage. Im Schnitt kommen so 25 Häuser pro Jahr zusammen – die meisten davon im Niedrig- bzw. Niedrigstenergie-standard, nur ein bis zwei im Passivhausstandard.

Die Hausentwürfe stammen zu einem Großteil von Bernhard Mittermayr selbst, für den das Zeichnen schon vor Langem zur persönlichen Leidenschaft wurde. „Mir liegt viel daran, dass unsere Kunden mit ihrem neuen Eigenheim vollends zufrieden sind. Deshalb pflegen wir engen Kontakt zu jenen Menschen, die später darin wohnen werden. So können wir spezielle Bedürfnisse und Geschmäcker früh erkennen und in unseren Entwürfen dementsprechend berücksichtigen. Ganzheitliches Denken bei der Architektur und Ausführung ist die oberste Prämisse – das beginnt bei hochwertigen Werbe- und Präsentationsunterlagen, geht über den Verzicht auf Billigprodukte, wie EPS, und endet in einem Rundum-sorglos-Service, den wir auch dann noch bieten, wenn ein Auftrag längst abgeschlossen ist.“

Kein Fazit

Und wieder fragen wir uns, wo wir hier eigentlich sind. Kann es wirklich sein, dass ein 42-Mann-Handwerksbetrieb aus Walding eine Firmenpolitik pflegt, wie man sie sonst nur von internationalen Dienstleistungs- oder Industriekonzernen kennt? Wieso verfügt eine Zimmerei über ein derart hochprofessionelles Marketingkonzept und leistet sich sogar ein eigenes YouTube-Studio, in dem man Interviews mit zufriedenen Kunden und How-to-Videos vom Holzbau-Fachmann verfilmt?

Wir lassen diese Fragen offen und hoffen, dass jeder Leser seine eigenen Antworten darauf findet. Wir haben jedenfalls Lust auf ein m-haus bekommen – und das sogar ohne konkreten Bedarf an einem neuen Heim … und genau das ist es, was auch einen „Global Player“ auszeichnen würde: Anstatt die eigenen Leistungen und Preise im Dschungel unzähliger gleicher Angebote ständig zu rechtfertigen, erzeugt er ein Bedürfnis beim Kunden. Zum Vergleich: Vor dem 9. Januar 2007 hatte kaum jemand das Verlangen nach einem smarten Telefon. Aber als Steve Jobs es schließlich vorstellte, wollten es plötzlich alle haben. Einfach alles spricht dafür, nach diesem Prinzip in jeglichen Bereichen der Wirtschaft zu handeln – selbst in einem kleinen Zimmereibetrieb in Walding.

_mr / Bilder: m-haus