Das Engagement von Timber Construction Europe

Was macht der europäische Dachverband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes?

01.10.2018 – Timber Construction Europe (TCE) ist der europäische Dachverband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes. Zurzeit vertritt TCE 22.000 Mitgliederbetriebe durch Mitgliederverbände in Italien, Luxemburg, Deutschland, der Schweiz und in Österreich.

Ziel von Timber Construction Europe ist es, den Holzbau und die Holzbauarchitektur in Europa stärker voranzutreiben und damit auch zu einer Ökologisierung des Bauwesens im Hinblick auf Energieverbrauch und Ressourcenwende maßgeblich beizutragen. Erreicht werden soll das durch eine praxisgerechte Gestaltung der europäischen Normen und insbesondere auch durch Regelungsvereinfachungen bei den CE-Kennzeichnungen. Um die Interessen des Holzbaus zu vertreten, werden Experten in alle relevanten europäischen Gremien entsandt.

Timber Construction Europe beteiligte sich dabei an öffentlichen Konsultationen in den Fachbereichen Nachhaltigkeit, Energieeffizienz im Bausektor und der Europäischen Bauprodukteverordnung (CPR). Zudem werden Anträge an den ständigen Ausschuss für praxistaugliche Gestaltung von Normen (zum Beispiel EN 14732 Holzbauwerke – vorgefertigte Wand-, Decken- und Dachelemente – Anforderungen) und zu Klassifikationsregelungen in europäischen Normungsgremien gestellt.

Normung im Holzbaubereich

Ständige Begleiter in der Diskussion um die Schaffung von einheitlichen technischen Regelwerken in Europa sind die unterschiedlichen Ausbildungsniveaus in den einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Einerseits bestehen in einigen wenigen europäischen Ländern Ausbildungswege vom Zimmerer (Facharbeiter) über den Zimmererpolier bis zum Holzbau-Meister mit der umfassenden Befugnis zur Planung und Ausführung von Holzbauten. Andererseits gibt es in anderen europäischen Ländern den extremen Weg des völlig freien Zugangs zur Berufsausübung ohne jeden Nachweis der Fachkenntnisse. Das erschwert die Arbeit an der Normung ganz erheblich, indem in vielen europäischen Normen die Frage nach einer erforderlichen Fremdüberwachung oder der Qualifikation des Personals für bestimmte Arbeiten, von unterschiedlichen Ausgangslagen bestimmt, sehr kontroversiell beantwortet wird.

Eine Lösung der unlösbar scheinenden Frage, könnte darin bestehen, europäisch nur Grundsätze zu formulieren und die detaillierten Festlegungen auf der nationalen Ebene zu belassen. Die einzelnen Staaten müssten dann ihre nationalen Anforderungen, abhängig vom nationalen Ausbildungsniveau und von den Zugangsvoraussetzungen zur Gewerbeausübung, selbst formulieren. So könnte zum Beispiel beim aktuellen Thema der Verklebung europäisch gefordert werden, dass diese nur unter Aufsicht einer dafür qualifizierten Person durchgeführt werden darf.

Welche Ausbildung bzw. Zusatzausbildung dafür erforderlich ist, hängt vom Ausbildungsniveau im jeweiligen Mitgliedsstaat ab und sollte daher national festgelegt werden. Das birgt allerdings die große Gefahr, dass die unterschiedlichen Ausbildungsniveaus samt erforderlichen Zusatzausbildungen in einigen europäischen Ländern weiter sehr niedrig bleiben, was sich auch auf die Ausführungsqualität auswirkt. Deshalb wird von einigen Mitgliedsstaaten eine Fremdüberwachung bestimmter Tätigkeiten gefordert, was zusätzliche Kosten bedeutet. Die Diskussion dieser Fragen wird aktuell zu den Themen „vorgefertigte Wand-, Decken- und Dachelemente-CE-Kennzeichnung für einseitig beplankte, mechanisch befestigte Elemente“ und zum Thema „Verklebung“ geführt. TCE vertritt dabei vehement die Meinung, dass überall, wo auf der Baustelle die ordnungsgemäße Ausführung überprüft werden kann (z.B. bei einseitig beplankten, mechanisch befestigten Elementen) oder durch die besondere Qualifikation des Personals eine fachgerechte Ausführung sichergestellt wird (z.B. bei Verklebungen), eine verteuernde Fremdüberwachung abzulehnen ist.

Eurocode 5 Holzbau

Derzeit wird die zweite Generation der Eurocodes verhandelt. Diese sollte eine leichte Handhabung ermöglichen. Die Gliederung der Eurocodes sollte für die verschiedenen Materialien (Mauerwerk, Beton, Stahl, Holz usw.) gleich sein – zusätzlich über einen praxisgerechten Teil mit vereinfachter Nachweisführung, mit dem 80 % der täglichen Bauaufgaben erledigt werden können, verfügen sowie – für alle, die das benötigen – weiterhin die Führung genauerer Nachweisen beinhalten. Für die Bemessung einer Konstruktion sind häufig einfache Bemessungsformeln ausreichend. Eine „konservative Bemessung“ führt zu einer robusten Konstruktion, bei der durch unvorhergesehene Belastungssituationen, zum Beispiel infolge von Umbau oder Umnutzung, Tragreserven vorhanden sind. Oft sind nicht statische Erfordernisse, sondern andere Aspekte für die Festlegung einer Abmessung ausschlaggebend, z.B. aufgrund von bauphysikalischen Anforderungen.

Wenn die Norm beide Möglichkeiten bietet, kann der Tragwerksplaner wählen, an welcher Stelle ein genauerer Nachweis zur Optimierung sinnvoll ist und wo eine konservative Bemessung mit einfachen Bemessungsformeln ausreicht. In Deutschland hat sich eine Reihe von Experten im Zuge des Projekts „Praxisregeln Bau“ mit der Vereinfachung der Bemessungsformeln befasst. Die Ergebnisse dieses Projektes sollen in die europäische Normungsarbeit einfließen. Es ist jedenfalls enorm wichtig, dass sowohl die genaueren Nachweise als auch die vereinfachten Bemessungsformeln Teil der europäischen Norm sind, womit die Anerkennung in allen Mitgliedsstaaten der EU und weiteren im CEN vertretenen Staaten, z.B. der Schweiz, gegeben ist.

Horizontale Normung

Die horizontale Normung, an der sich alle Materialien beteiligen, verläuft noch schwieriger. Das betrifft Themen wie Brandschutz, Schallschutz, Wärmeschutz, Nachhaltigkeit udgl. Hier wird der Wettbewerb der Materialien über die Normung ausgetragen. Derzeit erleben wir das ganz besonders bei der Entstehung der EN 15804 „Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte“. Es wird versucht, die Lebensdauer der jeweiligen Materialien möglichst hoch anzusetzen und gleichzeitig die Vorteile von Materialien, z.B. die Einspeicherung von CO2 in Holzbauten, nicht zu berücksichtigen. Daraus kann im Ergebnis ein völlig verzerrtes Bild der Nachhaltigkeit von Bauprodukten entstehen, was dem Grundgedanken des nachhaltigen Materialeinsatzes nicht entspricht.

Diese Form des Lobbyismus gibt es in fast allen horizontalen Normenvorhaben, wenn auch nicht in dieser radikalen Form. TCE ist dabei intensiv bemüht, mögliche Schieflagen geradezurücken und für eine faire Behandlung von Holzbauten zu sorgen.

_rs