Jeder hat eine Meinung, aber nur wenige haben eine Ahnung

Toxikologe Karl Dobianer zum Wohlgefühl am Arbeitsplatz

05.11.2018 – Holz leistet einen entscheidenden Beitrag zum Wohlgefühl am Arbeitsplatz. Das wird in der Praxis immer wieder bestätigt. Als Toxikologe im Baustoffbereich bin ich jedoch mit einem ganz anderen Teilbereich konfrontiert. Hier habe ich oft meine liebe Not mit dem „Wissen“ mancher Zeitgenossen um die gesundheitlichen Auswirkungen von Holz und Holzprodukten – speziell, wenn es um die Emissionen geht. Was da nicht alles „giftig“ sein soll! Wer es besser wissen will, informiert sich in seriösen Studien zu diesem Thema.

Toxikologe Karl Dobianer © Michael Reitberger
Toxikologe Karl Dobianer © Michael Reitberger

Halbwissen beruht auf einer eindeutigen Strategie: Vorzugsweise macht man sich zuallererst keinesfalls dort schlau, wo es Sinn machen würde – in der primären Fachliteratur nämlich. Besser, man zimmert sich mit dem, was irgendjemand geschrieben hat, sein persönliches „Fachweltbild“ zusammen. Bei so gesammelten Halbwahrheiten stehen keine Fakten und Naturgesetze im Fokus, besonders wenn sie nicht ins gewünschte Bild passen. Man wendet sich lieber an den „Toxl“ als an den Toxikologen, denn bei Letzterem besteht ja die Gefahr, dass er belastbare Resultate liefert. Und so habe ich langsam den Eindruck, dass jeder eine Meinung hat, aber nur wenige eine Ahnung haben.

Mit dem Phänomen der Giftigkeit von Stoffen hat sich bereits der gute alte Paracelsus vor hunderten Jahren beschäftigt. Seine fundamentale Erkenntnis war: Die Dosis macht das Gift – und dieser Satz gilt bis heute unverändert in der Toxikologie. Ohne Dosis gibt es kein Gift.

Zu unterscheiden sind auch Gefährlichkeit und Risiko. Ersteres ist die prinzipielle Eignung, einen Schaden zu verursachen. Letzteres ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Schaden tatsächlich auftritt und dafür ist eine entsprechende Exposition erforderlich. Das Risiko ist also jene Größe, die ausschließlich für die Bewertung gesundheitlicher Effekte relevant ist. Betrachten Sie also Veröffentlichungen über Gesundheitsschäden, in denen diese Zusammenhänge nicht vorkommen oder vermischt werden, mit entsprechender Skepsis.

Nach diesem Crashkurs in grundlegender Toxikologie möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es auch zahlreiche Studien und Forschungsprojekte gibt, die objektive Ergebnisse auf wissenschaftlich fundierter Basis liefern. Das multinationale Wood2New-Projekt, an dem auch ich die Ehre hatte mitzuwirken, beschäftigt sich mit einer Vielzahl von Aspekten rund um Holz und Holzprodukte im Wohn- und Arbeitsbereich. Hier waren Architekten, Psychologen, Ingenieure, Chemiker und eine Reihe anderer Fachleute am Werk. Der Projektbericht und die Ergebnisse sind auf der Website wood2new.org zu finden.

Der Grundtenor dieser und auch anderer Studien ist, dass Holz und Holzprodukte – vorausgesetzt, sie werden fachgerecht verarbeitet und nicht aus fragwürdigen Quellen bezogen, – gesundheitlich unbedenklich sind und darüber hinaus einen entscheidenden Beitrag zum Wohlfühlen im Arbeits- und Wohnbereich liefern können. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erbauliche Lektüre der aktuellen Ausgabe „Arbeitsplätze mit Mehrwert“ der holzbau austria.

_kd