Lesestoff in Holz gebettet

Bibliotheksangstellte sowie ihre Kunden genießen die Vorzüge dieses Orts der Begegnung

06.11.2018 – Reisende, die über den Archipel von Grimstad in den Hafen der Stadt gelangen, führt ihr Blick zu einem außergewöhnlichen Bauwerk: der neuen Bibliothek, entworfen von den holzbauaffinen Architekten Helen & Hard, die nicht nur für Bücherwürmer ein Ort der Begegnung ist.

Im Dezember 2017 wurde diese Bibliothek im norwegischen Grimstad eröffnet. An sorgfältig aneinander geschlichtete Bücher erinnernd, kehrt die Fassade nach außen, was innen passiert. © Sindre Ellingsen
Im Dezember 2017 wurde diese Bibliothek im norwegischen Grimstad eröffnet. An sorgfältig aneinander geschlichtete Bücher erinnernd, kehrt die Fassade nach außen, was innen passiert. © Sindre Ellingsen

Das Bauen in Holz hat in der norwegischen Stadt Grimstad bereits 1880 seine Spuren hinterlassen: Die damals errichtete Kirche besteht, wie so viele Bauten aus dieser Zeit, bis heute. Auch sonst kennzeichnen das Zentrum der 23.000 Einwohner großen Küstenstadt im Südwesten Norwegens etliche Holzhäuser. Seit Dezember des Vorjahres ist sie um einen öffentlichen Bau reicher: Eine Bibliothek schafft seitdem eine Verbindung zwischen der Altstadt und dem neueren Häuserbestand.
Die Entwurfsphase gestaltete sich intensiv, denn die Bibliothek sollte nicht nur als Ort zum Lesen und Entleihen von Büchern dienen, sondern auch Begegnungen in vielerlei kulturellen Kontexten ermöglichen. Vorträge, Events oder einfach ein Zusammentreffen der Stadtbewohner sollten durch die neuen Räumlichkeiten gewährleistet werden. Gleichzeitig mussten die Planer auf ein begrenztes Budget Rücksicht nehmen. Mit Bravour gelungen ist ein solcher Spagat den Architekten Helen & Hard. Der Entwurf sah vor, die bestehende Konstruktion aus Beton in den Neubau zu integrieren, indem sie als Fundament für die neue Holzkonstruktion diente.

Die Bibliothek soll Begegnungen in vielerlei kulturellen Kontexten ermöglichen. © Sindre Ellingsen
Die Bibliothek soll Begegnungen in vielerlei kulturellen Kontexten ermöglichen. © Sindre Ellingsen

Holzbau verbindet die alte Stadt mit der neuen

Ihr Projekt beschreiben die Architekten folgendermaßen: „Das Gebäude fungiert als überdachter Weg, der die Altstadt im Norden mit dem Zentrum der Neustadt im Süden verbindet. Dieser Durchgang ist vom öffentlichen und kulturellen Programm erfüllt. Jeder Einwohner und Besucher soll die Stadt von diesem Ort aus genießen können.“ Bei der 2000 m2 großen Bibliothek handelt es sich um eine Brettschichtholzkon-
struktion mit Brettsperrholzdecken. Diese liegt auf der bestehenden Betonkonstruktion auf. Die BSH-Träger kamen im Abstand von 3 m zum Stehen.

Lageplan der neuen Bibliothek © Helen & Hard
Lageplan der neuen Bibliothek © Helen & Hard

Innere Bewegung nach außen gekehrt

Das Gebäude ist in drei Stockwerke gegliedert. Die Hauptbibliothek ist im ersten Stock angesiedelt. Ein eigens für Kinder abgegrenzter Bereich befindet sich im zweiten Stock. Neben der Verwaltung im Erdgeschoss beherbergt das Gebäude ein Café, ein Auditorium und Ausstellungsräume in unmittelbarer Nähe der Toilettenanlagen. Dadurch ist es möglich, diese Zone für Abendveranstaltungen abzuschotten. „Die nach Norden ausgerichteten, vertikalen Öffnungen bilden zwischen den vorgefertigten Ost- und Westpaneelen ein dynamisches Wechselspiel der Fassade. Dabei wird die innere Bewegung dargestellt, während das Gebäude zwischen Neu und Alt wandelt”, führen die Architekten aus.

In den Lese- und Aufenthaltsräumen  schaffen große Fensterflächen eine Verbundenheit mit der Außenwelt. © Sindre Ellingsen
In den Lese- und Aufenthaltsräumen  schaffen große Fensterflächen eine Verbundenheit mit der Außenwelt. © Sindre Ellingsen
Die Holzarchitektur schafft eine warme Atmosphäre, die zum längeren Verweilen und Schmökern einlädt. © Helge Eek
Die Holzarchitektur schafft eine warme Atmosphäre, die zum längeren Verweilen und Schmökern einlädt. © Helge Eek

Beliebtheit der Bibliothek steigerte sich

Der Mehrwert, den der Ausbau in Holzbauweise für die Bibliotheksmitarbeiter habe, liege sowohl in den ästhetischen als auch den feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften von Holz, hört man vonseiten der Architekten. Diese haben einen positiven Einfluss auf die Raumluftqualität. Dadurch steigerte sich die Beliebtheit der Bibliothek nicht nur beim Personal: Sie werde stark von Besuchern genutzt, hört man aus Grimstad. Die positiven Rückmeldungen tragen diesem Eindruck  Rechnung.

© Helge Eek
© Helge Eek

Projektdaten

Standort: Grimstad/NO
Fertigstellung: Dez. 2017
Architektur: Helen & Hard
Holzbau: Aanesland Limtre
Nutzfläche: 2000 m2

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