Bessere Nutzung von Tageslicht

Wichtige Aspekte und Normen

23.10.2018 – Der Alltag vieler Menschen spielt sich im Büro, in Schulen, öffentlichen Einrichtungen und im eigenen Zuhause – also hauptsächlich drinnen – ab. Abhängig von der Jahreszeit verbringen wir auch unsere Freizeit häufig innerhalb von vier Wänden. Die überwiegende Zeit (bis zu 90 %) verlebt man so in Gebäuden – oft ohne ausreichend Tageslicht. Dabei sollte dieses im Idealfall die maßgebliche Lichtquelle für alle Räume sein, und das für einen wesentlichen Anteil der Tageszeit über das Jahr hinweg.

Reinhold Steinmaurer,
holzbau austria
Reinhold Steinmaurer,
holzbau austria

Tageslicht wird von Gebäudenutzern besonders bevorzugt, damit die Innenraumflächen ausreichend beleuchtet werden und Energie für das elektrische Licht gespart wird. Ein Mangel an Tageslicht trägt zu schlechter Laune, Stimmungsschwankungen und Störungen im Tagesrhythmus bei. Aber auch energiepolitisch ist die Nutzung von Tageslicht von Bedeutung.

Die optimale Nutzung von Tageslicht ist ganz im Sinne des Vorschlags 5562/18 der Europäischen Union. Dieser Vorschlag besagt, dass alle Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz gleichzeitig der Verbesserung des Innenraumklimas für die Bewohner dienen sollen. Ideal erfüllt dies die verbesserte Nutzung von Tageslicht. Sie verschafft den Gebäudenutzern eine angemessene Belichtung von Innenräumen und dient gleichzeitig der Senkung des Energieverbrauches der elektrischen Beleuchtung.

Normung zum Thema Tageslicht

Die harmonisierte europäische Norm EN 17037 „Tageslicht in Gebäuden“ zur Umsetzung dieses Kommissionsvorschlags wurde im Juni auf europäischer Ebene beschlossen. Diese legt Mindestempfehlungen fest, um in Innenräumen einen hinreichenden subjektiven Helligkeitseindruck mit Tageslicht zu erzielen und eine ausreichende Sichtverbindung nach außen herzustellen. Darüber hinaus werden Empfehlungen für die Besonnungsdauer von Wohn- und Aufenthaltsräumen abgegeben. Weiters gibt diese Norm Hinweise für die Nutzung von Tageslicht zur Beleuchtung von Innenräumen und die Begrenzung von Blendung. Sie legt Metriken für die Auswertung der Tageslichtbedingungen fest und gibt Berechnungs- und Verifizierungsverfahren an.

Diese Norm gilt für alle Räume, die regelmäßig für längere Zeiträume genutzt werden, sofern das Tageslicht nicht der Art und Aufgabe der Arbeit widerspricht. Entsprechend dieser Norm soll Tageslicht eine wesentliche Beleuchtungsquelle für alle Räume mit Tageslichtöffnungen sein. Tageslicht kann erhebliche Mengen Licht in Innenräumen mit hoher Farbwiedergabe und Variabilität, die sich je nach Tageszeit und Jahreszeit ändert, liefern. Darüber hinaus bieten Tageslichtöffnungen Ausblicke und eine Verbindung zur Außenwelt und tragen zum seelischen Wohlbefinden der Gebäudenutzer bei. Durch eine ausreichende natürliche Belichtung kommt Sonnenlicht in Innenräume, was insbesondere in Wohnbereichen, Krankenhausstationen, Kindergärten und dgl. wichtig ist. Ein Sonnenschutz sollte dort vorhanden sein, wo das Sonnenlicht eine Sehirritation oder Überhitzung verursacht.

Eckpunkte der natürlichen Belichtung

Folgende Eckpunkte sollten daher zum Thema „Tageslicht in Gebäuden“ als Mindestempfehlungen beachtet werden:

Bei einer Tageslichtöffnung in der Fassade sollte …

  • in mind. der Hälfte der jährlichen Tageslichtstunden ein Beleuchtungsstärkenniveau von 300 Lux durch natürliches Licht in mind. 50 % des Raumes erreicht werden.
  • in mind. der Hälfte der jährlichen Tageslichtstunden ein Beleuchtungsstärkenniveau von 100 Lux durch natürliches Licht in 100 % des Raumes erreicht werden, um eine gewisse Gleichmäßigkeit der Belichtung zu erreichen.

Bei Tageslichtöffnung durch ein Dachoberlicht sollte …

  • in mind. der Hälfte der jährlichen Tageslichtstunden ein Beleuchtungsstärkenniveau von 300 Lux durch natürliches Licht in 100 % des Raumes erreicht werden.

Grundlagen für die Betrachtung sind:

  • Die Gesamtanzahl der Tageslichtstunden (Zeitraum zwischen Sonnenauf- und -untergang) wird mit 4380 Stunden angenommen.
  • Die Bezugsfläche definiert sich aus jeweils einem halben Meter Abstand zu den Wänden.
  • Die Bezugsebene des Raumes befindet sich in einer Höhe von 0,85 m über dem Boden.
  • Die Abmessungen von Sichtfenstern sollten zumindest 1 m x 1,25 m betragen.
  • Für Fensterverglasungen sollten transparente, unverzerrte und neutral gefärbte Gläser verwendet werden.

Nationale Regelungen

Die aktuelle Regelung in den OIB Richtlinien geht zur Bestimmung der ausreichenden natürlichen Belichtung von einem Verhältnis von Architekturlichte (bzw. tlw. Netto-Glasfläche) zur Fußbodenfläche aus. Diese Regelung liefert aber im Endeffekt keine ausreichende Aussage über die erzielten Belichtungsverhältnisse. Insbesondere bei tiefen Räumen ist die natürliche Belichtung im Nahbereich zu den Fensterflächen sehr gut, in den tiefer liegenden Bereichen des Raumes an vielen Tagen aber ohne künstliches Licht nicht ausreichend.

Schlussfolgerung

Entscheidende Parameter bei der Belichtung sind also nicht nur die Größe der Glasfläche, sondern insbesondere auch deren Position. So bringt z.B. bei diffusen Lichtverhältnissen Licht von oben (Zenitlicht) bei gleicher Glasfläche dreimal so viel Licht wie von der Seite (Horizontlicht). Dieser Effekt wird in Expertenkreisen als Leuchtdichteabfall bezeichnet. Bei Tageslichtevaluierungen zeigt sich, dass bei identen Raumgrößen die Anordnung der Belichtungsflächen entscheidend ist, um eine deutlich bessere und vor allem gleichmäßigere Belichtung zu erzielen.

_rs