Von zwei kanadischen Schwestern

Wenn sich die kleine knapp 90 Jahre später an die große hängt

17.12.2018 – Wie ein geschwisterliches Verhältnis bei Holzhäusern aussehen kann, hat die kanadische Architektin Anik Péloquin auf einem kleinen Seegrundstück in der Nähe von Quebec gezeigt. „Le Soeurs”, so nennt sich das Projekt, lässt Alt und Neu harmonisch ineinandergreifen.

Die zeitgenössische Ergänzung eines rustikalen Landhauses am nördlichen Seeufer von Quebec nennt sich „Les Soeurs“. © Anik Péloquin
Die zeitgenössische Ergänzung eines rustikalen Landhauses am nördlichen Seeufer von Quebec nennt sich „Les Soeurs“. © Anik Péloquin

Während die Beziehung zwischen Geschwistern oft kein leichtes Unterfangen sein kann, gibt es im baulichen Zusammenspiel dieser beiden Gebäude keine Rivalität. Die zeitgenössische Ergänzung eines rustikalen Landhauses in der Stadt „La Malbaie“ am nördlichen Seeufer von Quebec nennt sich „Les Soeurs“ – die Schwestern. Das Duo besteht in seiner jetzigen Form seit einem Jahr – zumindest die eine Hälfte. Die andere stammt aus den 1930er-Jahren und diente ursprünglich als Jagdhütte.
Jahrzehnte später richteten sich Klosterschwestern aus Montreal dort ein Sommerquartier ein. Diese Tatsache dürfte Inspiration für die Namensgebung gewesen sein. 

Die Holzterrasse des Wohnhauses lädt zum gemütlichen Verweilen ein. © Anik Péloquin
Die Holzterrasse des Wohnhauses lädt zum gemütlichen Verweilen ein. © Anik Péloquin
Die hell gebeizte Kiefer vergrößert die Räume optisch. © Anik Péloquin
Die hell gebeizte Kiefer vergrößert die Räume optisch. © Anik Péloquin

Ein Neubau in der Familie

Vor einigen Jahren kauften Privatpersonen das Häuschen und nutzten es eine Zeit lang als Zweitwohnsitz, bevor sie entschieden, mehr aus dem Objekt zu machen. Eine Komplettrenovierung kam zu teuer, daher entschieden sie sich für einen Anbau. Das bisherige Domizil sollte künftig Familien und Freunden als Schlafplatz dienen, während sie für den Neubau die Hauptwohnräume andachten.

© Anik Péloquin
© Anik Péloquin
© Anik Péloquin
© Anik Péloquin

Die Hausherren wandten sich mit ihren Vorstellungen an die kanadische Architektin Anik Péloquin. Kontext und alltägliche Handlungsabläufe bestimmen ihre Projekte, bei denen Architektur und Innenraumgestaltung nahtlos ineinander übergehen. Mit einfachen, schlichten Materialien schafft sie personalisierte Räume. Diese Note übertrug sie auch auf die Gestaltung von „Les Soeurs“. Ihr Entwurf verbindet geschickt die Rustikalität der ursprünglichen „großen Schwester“ mit einem markant modernen, jüngeren Anbau.

Die „kleine Schwester“ dominiert weder den bestehenden Bau noch die umgebende Landschaft. „Das alte Häuschen bezeugt die Geschichte des Ortes, während der Anbau ein neues Kapitel schafft. Das Ergebnis ist das architektonische Äquivalent einer Familieneinheit“, beschreibt Péloquin ihre Gedankengänge bei der Konzipierung des Entwurfs im Gespräch mit holzbau austria. Dass sie Holz als Baustoff einsetzte, empfand sie als „selbstverständlich“, wie sie erzählt. „Wälder und Holz sind Teile der kanadischen Kultur. Außerdem ist Holz bei uns auch ein verhältnismäßig günstiger Baustoff.”

Verwendung verschiedener Holzarten

Für den Anbau wurde Brettschichtholz aus Fichte, Kiefer und Tanne verwendet. Die Außenverkleidung ist mit Lärche gestaltet. Die Räumlichkeiten bilden zwei Schlafzimmer, ein Badezimmer, eine Küche sowie einen Aufenthaltsraum. An der West- und Südseite ist der Giebel einseitig niedrig und die Außenwände kurz, was der Größe des älteren Hauses entspricht.

Im Norden und Osten hingegen erhebt sich das Dach steil zum Firstbrett und erinnert an die umliegenden Bäume und einen Kirchturm. Dieser soll an die Geschichte der Anlage erinnern. Die durch das Dach definierten Kanten prägen im Inneren das Volumen und die Wirkung des Wohnzimmers und des Hauptschlafzimmers. Dieser ist der einzige Raum im zweiten Stock. Die weiß gebeizte Kiefer streut das Licht sanft.

Die beiden „Schwestern“ sind durch einen Verbindungsgang miteinander verbunden. Und obwohl die eine nicht nur älter als die andere ist, sondern auch völlig anders aussieht, dominiert in der optischen Wahrnehmung keine der beiden. © Anik Péloquin
Die beiden „Schwestern“ sind durch einen Verbindungsgang miteinander verbunden. Und obwohl die eine nicht nur älter als die andere ist, sondern auch völlig anders aussieht, dominiert in der optischen Wahrnehmung keine der beiden. © Anik Péloquin

Projektdaten

Standort: Quebec, Kanada
Fertigstellung: 2017
Architektur: Anik Péloquin
Statiker & Bauingenieur: Donald Arseneault

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