Es gibt viel zu tun

TCE-Präsident Peter Aicher zur Lage des Holzbaus

17.12.2018 – Im Rahmen der Medienlounge zum 24. Internationalen Holzbau-Forum (IHF) Anfang Dezember in Garmisch-Partenkirchen sprach Peter Aicher, Präsident von Timber Construction Europe (TCE), ganz wesentliche Themen an: den praktizierten Klimaschutz dank nachhaltigem Bauen und Ressourceneffizienz, die sichere Anwendung von Bauprodukten durch die überarbeitete Bauprodukteverordnung, das Ausbildungsniveau im europäischen Holzbau sowie Timber+, das neue Europäische Bildungsnetzwerk im Holzbau.

TCE-Präsident Peter Aicher spricht in Garmisch-Partenkirchen für die Holzbaubranche ganz zentrale Punkte an. © ZDB
TCE-Präsident Peter Aicher spricht in Garmisch-Partenkirchen für die Holzbaubranche ganz zentrale Punkte an. © ZDB

„Der Klimawandel ist ein globales Problem, von dem jeder betroffen ist. Es muss der Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie vollzogen werden, wobei die Umwelt hier nicht ständig ins Hintertreffen geraten darf. Nachhaltiges Bauen und Ressourceneffizienz als Teil einer Klimaschutzstrategie folgt einer ökologischen wie ökonomischen Vernunft, die im Holzbau schon lange verstanden wird“, eröffnete der TCE-Präsident Aicher seine Rede in Garmisch-Partenkrichen.

Bauproduktenverordnung: Mehr Sicherheit auf dem europäischen Markt

Weiteres aktuelles Thema: die Bauprodukteverordnung. „Grundsätzlich müssen der Planungs- und Genehmigungsaufwand verringert werden, um den Holzbau bei allen Bauinteressierten und Planern in der Anwendung und Umsetzung attraktiver zu machen.“ Hierzu brauche es klare und eindeutige normative Regeln und Anwendungsdokumente. „Zulassungen bieten den Einstieg für Innovationen, müssen aber mittelfristig zur standardisierten Anwendung in Normen überführt werden.“ Den Rahmen hierzu bildet die Bauproduktenverordnung. Diese solle überarbeitet werden. „Die EU-Kommission hat hierzu 2018 eine Konsultation durchgeführt und Timber Construction Europe hat sich mit seiner Partnerorganisation 'Small Business Standard' (SBS) mit einer ausführlichen Position beteiligt. Denn, ohne sichere Anwendung von Bauprodukten kein freier Handel von Bauprodukten in Europa!“

Ausführung im europäischen Holzbau: Ausbildung statt Überwachung

Die Ausführung im Bauwesen sei es auch, die aufgrund unterschiedlicher Kulturkreise und Ausbildungsgrade in der europäischen Normung immer wieder in Diskussion gerät. So komme es beispielsweise bei der Fortschreibung des Eurocode 5, der Bemessungsnorm für die Standsicherheit, zu Unklarheiten: nämlich in Bezug auf die Ausführung und somit die Sicherstellung, dass das, was bemessen wurde, auch ausgeführt wird. „Die EU-Länder, die wenig Fachkräfte und Ausbildungsmöglichkeiten haben, fordern in solchen Regelwerken eine minutiöse Überwachung der Arbeitsschritte durch Dritte. Andere Länder mit gutem Fachkräfteniveau und guten Ausbildungsgraden, vornehmlich Mitgliedsländer von Timber Construction Europe, benötigen solche Überwachungsszenarien für einen Großteil der Arbeiten im Holzbau nicht und lehnen diese nicht zuletzt aus Kostengründen auch ab. Um nicht falsch verstanden zu werden, ein Vier-Augen-Prinzip ist immer sinnvoll und im Ingenieurholzbau wie auch in den Gebäudeklassen 4 und 5 auch mit außenstehenden Prüfingenieuren notwendig. Überwachung mit Augenmaß dort, wo es notwendig ist", sagt Aicher.

Substanzielle Ausbildung und geschulte Fachkräfte in der Ausführung

Der Fachkräftemangel begleitet die Branche ebenso fortwährend. Dazu Aicher: „Die Investition in geschulte Fachkräfte ist nachhaltig. Deshalb bauen wir TIMBER+, ein europäisches Netzwerk aus Bildungseinrichtungen im Holzbau, auf, um im ersten Anlauf den Austausch zu fördern.“ Für die Deckung des Bedarfs an Fachkräften müssten nicht nur Nachwuchskräfte in Europa gewonnen werden, sondern dazu soll es gelingen, ein gemeinwohlorientiertes Führungskonzept in den Betriebsstrukturen zu verankern, um Fachkräfte langfristig zu halten. „Es muss die Verweildauer in den Holzbaubetrieben erhöht werden. Hierzu bedarf es auch Ergänzungen in der Automation und bei digitalisierten Prozessen, die sinnvoll eingesetzt, unseren traditionellen Beruf in der Attraktivität für Arbeitnehmer verbessern.“

_kl / Quelle: TCE