Schneelastsensoren erstmals im Realeinsatz

Am Holztragwerk auf dem Weg zur Marktreife

12.02.2019 – Der extrem schneereiche Winter in vielen Teilen Europas hat manchem Tragwerk zugesetzt. Ein Vorarlberger Textiltechnologie-Unternehmen will Bauherren nun die Möglichkeit geben, sich bei drohender Lastüberschreitung frühzeitig warnen zu lassen.

Die Einschätzung, wie hoch die Schneelast auf Dächern tatsächlich ist, kann nur sehr schwer und lediglich von Spezialisten beurteilt werden. Kann das Gewicht eines Kubikmeters trockenen Neuschnees lediglich 50 kg betragen, erhöht sich das Gewicht bei feuchtnassem Schnee bis um das Zehnfache (500 kg/m3). Diese Last übersteigt dann die Tragwerksgrenze  vieler Gebäude, was speziell bei öffentlichen- oder Firmengebäuden für Einsatzkräfte eine besondere Herausforderung bedeutet.

Erstmals im Realeinsatz: Die am Dach montierten Sensoren melden per App, wann die Belastbarkeit des Tragwerks an seine Grenzen gerät. © Grabher-Group
Erstmals im Realeinsatz: Die am Dach montierten Sensoren melden per App, wann die Belastbarkeit des Tragwerks an seine Grenzen gerät. © Grabher-Group
Schneelastsensoren
Schneelastsensoren

„Bei nur rund 20 cm Neuschnee in der Zone 2 – diese gilt für Innsbruck, Graz, Linz, Wien oder Lustenau – kann die Schneelastgrenze schon überschritten werden und die Dachkonstruktionen nähern sich ihren kritischen Bereichen“, weiß Günther Grabher, Inhaber der Grabher-Group in Vorarlberg. Er ist Gesellschafter von mittlerweile acht Spezialunternehmen, die verschiedene Potenziale von Textiltechnologien berühren, und gilt als Vordenker sowie Textilvisionär. Die Grabher-Group bedient beispielsweise verschiedenste Anwendungsbereiche der Automobilindustrie, Medizintechnik oder des Flugzeugbaus. Nun berührt Grabher den Bereich von Tragwerkskapazitäten und testet Schneelastsensoren.

Grenzwertige Last: Warnung per App

Um Einsatzkräften, Kommunen, aber auch Privatpersonen eine Hilfestellung bei der Einschätzung des tatsächlichen Gefahrenpotenziales durch Schneelast auf Dächern zu liefern, wurde in Kooperation mit der Kapsch AG und der Smart-Textiles Platform Austria ein nur wenige Millimeter dicker, textiler Schneelastsensor entwickelt. Dieser wird direkt auf der Dachfläche montiert. Dort misst er das Gewicht des Schnees und alarmiert per App, wenn die Schneelastgrenze erreicht wird.

Auf Holztragwerk im Einsatz

Seit einigen Wochen sind solche Textil-Schneelastsensoren in Eichenberg in Vorarlberg auf 793 Metern Seehöhe im Testeinsatz. Dieser dauert noch den ganzen Winter über. Nach Testende ist die Markteinführung angedacht. „Die Entwicklung ist sowohl für den privaten als auch gewerblichen Nutzer gedacht“, erklärt Grabher.

Da das Interesse an dieser Lösung aus gegebenem Anlass enorm hoch ist, wird diese derzeit in unterschiedlichen Szenarien und unter Realbedingungen ausgiebig getestet. Experten von Kapsch, Grabher und der Smart-Textiles Platform planen bereits zusätzliche Funktionen: Das System soll beispielsweise auch Daten für die Einschätzung von Lawinensituationen liefern.

_kl / Quelle: Grabher Group