Schlicht raffiniert

Haus mit Giebel

26.02.2019 – Kann ein Haus markant und gleichzeitig dezent zurückhaltend wirken? Die Antwort liegt in der Betrachtung eines kompakten, ökologischen Einfamilienhauses, das mit Sinn für die Umgebung errichtet wurde, ohne dabei auf die architektonische Raffinesse zu verzichten.

Ein monumentales Giebeldach krönt dieses Einfamilienhaus, das aus wenigen einfachen Grundelementen besteht. © Kurt Hörbst
Ein monumentales Giebeldach krönt dieses Einfamilienhaus, das aus wenigen einfachen Grundelementen besteht. © Kurt Hörbst

An einem sanft geneigten Osthang am Rand einer Einfamilienhaussiedlung liegt das „Haus mit Giebel“, von dem aus man einen phänomenalen Blick auf die Bergwelt der Pyhrn-Priel-Region werfen kann. Die Bauherrschaft ist eine junge Familie, die ein Haus wollte, das sich einerseits zurückhaltend in die Umgebung einfügt und andererseits Natur und Aussicht wirksam in den Wohnraum holt. Der Familie war wichtig, trotz des Hausbaus die Landschaft rundum zu erhalten, die mit der Errichtung ein Stück weit zurückgedrängt wurde. Bei den Materialien einigten sie sich auf einen harmonischen Dreiklang: Eine ruhige, aufgeräumte Architektur in Holz, Beton und Glas waren die Anforderungen, die sie an das Architektenteam mia2 – Sandra Gnigler und Gunar Wilhelm – stellten.

Der weitgehende transparente Wohnraum im Erdgeschoss befindet sich auf einem Betonsockel. © Kurt Hörbst
Der weitgehende transparente Wohnraum im Erdgeschoss befindet sich auf einem Betonsockel. © Kurt Hörbst

Komplexe Schlichtheit

Diese konzipierten das Haus aus wenigen, präzise gesetzten Elementen, was das Massivholzhaus schlicht und komplex zugleich wirken lässt. So schlicht, wie es dasteht, präsentiert es sich gut in seiner klaren, gut proportionierten Struktur aus Sockel, Erdgeschoss und Dach. Das Haus bietet eine räumliche Vielfalt und ist doch sehr komplex: Auf 156 m2 ist genug Platz für vier Personen. Das Erdgeschoss verschwindet hangseitig gut einen halben Meter tief im Gelände. Dadurch wird der Wohnraum wie ein Gefäß vom Sockel und der anschließenden Wiese umfangen. Talwärts und doch vier Stufen nach oben, entfalten sich der Essbereich und die Küche mit Luftraum bis hinauf zum First. Die versetzte Geschossigkeit macht sich die topografischen Eigenheiten des Grundstücks ideal zunutze. Aufgrund der leicht erhabenen Position werden beste Sichtverhältnisse über die Nachbarschaft hinweg geschaffen.

Das Erdgeschoss des Massivholzhauses verschwindet hangseitig etwa einen halben Meter tief im Gelände. Der niedrigere Wohnraum scheint sich dadurch mit der umgebenden Natur zu verbinden. © Kurt Hörbst
Das Erdgeschoss des Massivholzhauses verschwindet hangseitig etwa einen halben Meter tief im Gelände. Der niedrigere Wohnraum scheint sich dadurch mit der umgebenden Natur zu verbinden. © Kurt Hörbst

Bewusst baubiologisch

Die Architekten achteten bei dem Projekt von Anfang an auf eine hohe ökologische und baubiologische Qualität. Sie hielten das Volumen kompakt und beschränkten den Flächenverbrauch bestmöglich. Bei der Errichtung des Hauses setzten sie konsequent auf Holz und dämmten mit Zellulose. Die einfache Bauweise mit bewusst reduziertem Repertoire an Materialien und Formen sowie der hohe Anteil an Eigenleistung durch die Bauherrschaft ermöglichten ein Projekt, das mit einem Minimum an Mitteln ein Maximum an Qualität und Wohnlichkeit erzielt.

© Kurt Hörbst
© Kurt Hörbst
© Kurt Hörbst
© Kurt Hörbst

Über ihre Arbeit sagen Gnigler und Wilhelm: „Architektur formt Räume und Räume formen uns Menschen und unsere Denkweisen. Wir sehen die Verantwortung in unserer Arbeit nicht nur dem Auftraggeber gegenüber, sondern auch der Gesellschaft und Weiterentwicklung der Baukultur. Es macht uns Freude, wenn es gelingt, Baukonstruktion so einzusetzen, dass sie mit dem geschaffenen Raum ein harmonisches Ganzes bildet. Die Vereinigung von Funktionalität, ökonomischen Faktoren mit Gefühl und Atmosphäre liegt uns am Herzen.“ Man hat das Gefühl, das ist ihnen bei diesem Projekt besonders gut gelungen. 

© Kurt Hörbst
© Kurt Hörbst

Projektdaten

Standort: Roßleithen
Fertigstellung: 2017
Architektur: mia2/ARCHITEKTUR
Holzbau: ALPE Zimmerei und Tischlerei
Baumeister: Roland Kretschmer
Statik: Kotlaba Ziviltechnik
Nutzfläche: 156 m2

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