Wenn der Tourismus mit der Baukunst …

Christian Schützinger, Geschäftsführer Vorarlberg Tourismus, über die Vorzüge des Holzbaus

01.04.2019 – Vorarlberg ist für seine innovative Baukultur, insbesondere seine Holzbaukunst, weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Fachleuten ist sie seit Jahrzehnten ein Begriff, man trifft sich vor Ort zur Exkursion. Architekten aus dem Westen Österreichs dürfen sich regelmäßig über internationale Aufträge und Preise freuen. Dabei ist der Tourismus mit der Baukunst eng verbunden. Darüber hinaus birgt diese Liaison Chancen.

Christian Schützinger, Geschäftsführer Vorarlberg Tourismus © Petra Rainer
Christian Schützinger, Geschäftsführer Vorarlberg Tourismus © Petra Rainer

Als ich vor zwanzig Jahren nach Vorarlberg gekommen bin, waren für mich Baukultur und Tourismus eine fremde Kombination. Erste Berührungspunkte gab es in einem WIFI-Kurs zur Einführung in das Werk der Vorarlberger Baukünstler, den mir der damalige Landestourismusdirektor, Sieghard Baier, ans Herz legte. Zu dieser Zeit hatte Vorarlberg Tourismus in Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Architekturinstitut (vai) bereits einen Hotelprospekt mit dem Titel „Moderne Gastlichkeit“ aufgelegt – und zwar unter dem Aspekt der Baukultur, was für unsere Branche sehr ungewöhnlich war. Mancherorts sind wir für unser Engagement für dieses Thema belächelt worden. Zwar gab es damals schon Fachleute aus der Architekturszene, Bauämter oder Studenten, die als Touristen die Vorarlberger Baukultur im Visier hatten. Dies aber „normalen Urlaubsgästen“ näherbringen zu wollen, war ein absolutes Novum und Nischenprodukt.

Pionierarbeit und bleibende Werte

Andere Urlaubsregionen setzen auf Sport- oder Kunstereignisse. Architektur war neu. Dabei ging es nie darum, für einzelne, ikonenhafte Beispiele die Werbetrommel zu rühren. Der viel größere Nutzen liegt darin, über die Baukultur die Wertehaltung der Bevölkerung authentisch zu vermitteln. Die Holzbauweise spielt in Vorarlberg, wie in den meisten alpinen Ländern, eine wichtige Rolle. Holz steht vor der Haustür und war früher deshalb der Baustoff der armen Leute. Reiche leisteten sich Stein. Heute schätzt man Holz als natürliches Baumaterial, das idealerweise aus nachhaltig bewirtschafteten, heimischen Wäldern stammt. Hiesige Handwerker, Architekten und Designer verstanden und verstehen es auf besondere Weise, mit ihrer Kreativität und höchster Verarbeitungsqualität Pionierarbeit zu leisten und bleibende Werte zu schaffen.

Zustimmung für Initiativen

Vorarlberg ist ein Land für Individualurlauber, die Land und Leute kennenlernen wollen. Neben der vielfältigen Landschaft, der kulinarischen Qualität und kulturellen Angebote eignet sich die Baukunst bestens, um die heimische „Lebenskunst“ zu entdecken: So nennt Roland Gnaiger, Gründungsmitglied der Vorarlberger Baukünstler, die alltägliche Normalität der Menschen einer Region. Der ökologische und Wohlfühlaspekt von Holzbauten spricht Gäste in Vorarlberg genauso an wie die Menschen, die hier leben. Die Außenwahrnehmung hat sich dadurch gewandelt: Angebote, wie das unsrige mit dem von vai konzipierten „ArchitekTouren“, sind fixe Bestandteile des touristischen Programms. Initiativen, wie „Gastgeben auf Vorarlberger Art“ oder die „Plattform Kultur & Tourismus“, knüpfen an die Vorarlberger Baukultur an. Und wir sind Partner der Wanderausstellung „Getting Things Done“,  welche die heimische Baukunst seit einigen Jahren in aller Welt präsentiert. Für diesen Weg erfahren wir mittlerweile viel Zustimmung.

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