Superstabile Hightech-Hölzer

Deutsche Jungunternehmer kooperieren mit österreichischem Kinderwagenhersteller

14.03.2019 – An der TU Dresden wurde unter dem Namen „3D Wooden Tubing“ (W3T) ein Verfahren entwickelt, durch das Hightech-Hölzer für die Fahrzeug- und Automobilindustrie einsetzbar werden. Sie weisen eine höhere mechanische Stabilität als Aluminium auf und sind  so leicht wie Karbon. Ein österreichischer Kinderwagenhersteller will jetzt daraus seinen Nutzen ziehen.

Nachhaltig und ressourcenschonend durch Furnierverarbeitung: Die Holzrohre von Lignoa. © Lignoa
Nachhaltig und ressourcenschonend durch Furnierverarbeitung: Die Holzrohre von Lignoa. © Lignoa

Hinter dem Markennamen „Lignoa“ verbergen sich die deutschen Jungunternehmer Philipp Strobel und Yves Mattern. Um die hohen Anforderungen an den Holzwerkstoff zu erfüllen, haben sie Technologien aus anderen Leichtbaudisziplinen übertragen. Zur Herstellung von Rohren und dreidimensional gebogenen Bauteilen aus Holz werden dünne Furnierstreifen über ein Formteil gelegt, gebogen und miteinander verklebt. „Unter Ausnutzung der natürlichen Orientierung der Holzfasern in Längsrichtung entsteht so ein Bauteil mit einer besonderen Zug- und Bruchfestigkeit in die Wachstumsrichtung der Faser“, erklärt Mattern.

Auch superleichte Rollstühle könnten durch das W3T-Verfahren umgesetzt werden, wie eine Studie zeigt. © Lignoa
Auch superleichte Rollstühle könnten durch das W3T-Verfahren umgesetzt werden, wie eine Studie zeigt. © Lignoa

30 Prozent leichter als Aluminium

Um das gewünschte Verhältnis zwischen Gewicht, Steife und Festigkeit zu erreichen, werden die Formteile anschließend in der Mitte durchschnitten und auf der Innenseite ausgefräst. Eine ähnliche Vorgehensweise ist von der Herstellung von Karbonstrukturen bereits bekannt. Im Holzbereich ist das neu. „Wir erreichen damit ganz besondere Designs und sind um 30% leichter als Aluminium“, erläutert Strobel. Erste Kooperationspartner sind auf die beiden Unternehmer bereits aufmerksam geworden und wollen vom patentierten W3T-Verfahren profitieren.

Der Prototyp ist fertig: Bei der oberösterreichischen Kinderwagenmanufaktur „Naturkind“ … © Naturkind
Der Prototyp ist fertig: Bei der oberösterreichischen Kinderwagenmanufaktur „Naturkind“ … © Naturkind
… baut man mit Lignoa-Leichthölzern einen 100%-schadstoffreien Kinderwagen. © Naturkind
… baut man mit Lignoa-Leichthölzern einen 100%-schadstoffreien Kinderwagen. © Naturkind

Kinderwagenhersteller als Kooperationspartner 

So wird im Auftrag der oberösterreichischen Kinderwagenmanufaktur „Naturkind“ an einer Lösung für einen Holzrahmen gearbeitet. Es existiert bereits ein erster Prototyp, wie Geschäftsführer Peter Doppler verriet: „Bei der Suche nach einem 100%-schadstofffreien Kinderwagen sind wir im Zuge unseres Forschungsprojektes MOVERE, unterstützt vom Austria Wirtschaftsservice (AWS), auf die Leichtbauteile von Lignoa gestoßen. Eine sehr attraktive Alternative zum Aluminiumgestell.“ Der Projektschwerpunkt liege dabei in der kreativen Auseinandersetzung mit biogenen Werkstoffen und diesen neuen Fertigungstechnologien. Wesentliche Themen wie Mobilität, Funktionalität, Ergonomie, Sicherheit und Nutzbarkeit für das Baby oder Kleinkind sowie die Familie stünden dabei natürlich an oberster Stelle. „Ein interdisziplinäres Team aus Mitarbeitern von Naturkind, Materialtechnologen, Produktdesignern, Ergonomen, Konstrukteuren und regionalen Produzenten arbeitet gerade am Design und sucht nach neuen Gestaltungslösungen“, erklärt Doppler den aktuellen Stand der Dinge.

Gebogenes Rohr aus Holz: W3T ist das einzige Verfahren weltweit … © Lignoa
Gebogenes Rohr aus Holz: W3T ist das einzige Verfahren weltweit … © Lignoa
… zur Herstellung verformter Holzprofile, die neue Designmöglichkeiten eröffnen. © Lignoa
… zur Herstellung verformter Holzprofile, die neue Designmöglichkeiten eröffnen. © Lignoa

Gerade bei Produkten wie Kinderwägen, die in so engem Kontakt mit dem Anwender stehen, seien laut Doppler sehr durchdachte Lösungen hinsichtlich der Gesundheit enorm wichtig. „Naturkind ist derzeit führend in der Herstellung von Kinderwägen mit null Schadstoffen in den Textilien. Nun sollen auch die restlichen Teile unserer Produkte wie Gestell, Räder, Gelenke auf diesen hohen Standard gebracht werden. Die Umsetzung dieser Vision in ein Design erfordert einen hohen Standard an Innovationsfähigkeit“, so Doppler abschließend.

_bg / Quelle: Lignoa und Naturkind