Holzbau dominiert Bauherrenpreis

Bei vier von sechs Auszeichnungen spielt Holz eine Rolle

23.10.2018 – Am 19. Oktober wurden im Rahmen einer feierlichen Abendveranstaltung im Orpheum in Graz die diesjährigen Gewinner des ZV-Bauherrenpreises ausgezeichnet. Aus insgesamt 106 Einreichungen nominierte die Jury zuvor 22 Projekte. Aus jenen gingen schließlich sechs Preisträger hervor – der Holzbau ist stark vertreten.

Der Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architektinnen und Architekten Österreichs würdigt seit 1967 herausragende Bauten, Freiraumgestaltungen sowie heuer erstmals städtebauliche Lösungen der vergangenen drei Jahre, die sich besonders durch die intensive Zusammenarbeit zwischen Bauherr und Architekt auszeichnen. Je Bundesland werden bis zu drei Projekte nominiert, welche im Rahmen einer österreichweiten Reise durch die Hauptjury besucht werden, um die Preisträger zu ermitteln. Diese setzte sich aus Andreas Bründler (Architekt, Basel), Gabriele Kaiser (Architekturpublizistin und Kuratorin, Wien) und Stefan Marte (Architekt, Feldkirch) zusammen. Wie wichtig die persönliche Erfahrung von Architektur ist, bringt Kaiser auf den Punkt: „Die fühlbaren Unterschiede zwischen den abgebildeten Projekten und den Erfahrungen vor Ort verdeutlichten einmal mehr, wie sehr Architektur auf die Unmittelbarkeit des Begehens und räumlichen Erfassens angewiesen ist. Ohne die direkte Begegnung vor Ort, ohne Kontext, Geschichte und Geschichten, ließe sich die Synthese aus Architektur- und Bauherrenleistung kaum erfassen.“ Nach diesen räumlichen Erfahrungen fanden sich vier Holz- bezeihungsweise Holzhybridbauten unter den Prämierten.

Häuser im Wald

Bauherr Robert Hollmann verwirklichte auf der Turracher Höhe gemeinsam mit Winkler + Ruck Architekten ein ganz besonderes Feriendomizil. Das Projekt „Häuser im Wald“ bekam eine der sechs Auszeichnungen. Luki, Toni und Franzi heißen die drei Blockhäuser, denen Hollmann die Namen seiner Kinder gab. Komplettiert wird das Ensemble durch eine straßenseitig in Holzständerbauweise errichtete Gemeinschaftsscheune samt Garage. Auf 1.700 m Seehöhe ergeben die drei Bauten ein hotelähnlich geführtes Refugium, das seinen Gästen die Erfahrung gönnt, inmitten eines Waldes zu wohnen.

Ausgezeichnet: „Häuser im Wald“ auf der Turracher Höhe. © Gernot Gleis
Ausgezeichnet: „Häuser im Wald“ auf der Turracher Höhe. © Gernot Gleis
Vier Einzelbauten ergeben das Ensemble. © Heldentheater
Vier Einzelbauten ergeben das Ensemble. © Heldentheater

Wunderkammer des Brotes

Die glühende Leidenschaft für Brot hat backaldrin-Firmeninhaber Peter Augendopler in alle Welt geführt und zum Sammler gemacht. In drei Jahrzehnten hat er aus unterschiedlichen Kontinenten und Epochen rund 15.000 Kunst- und Kulturobjekte rund um das Thema Brot, Getreide und Backen zusammengetragen. Der gelernte Bäcker und Erfinder des Kornspitz brauchte dafür Platz und hat auf dem Gelände des Stammsitzes in Asten eine „Wunderkammer des Brotes“ errichtet. Der Entwurf für das kleine Spezialmuseum, dessen Freiform schon von weitem die Phantasie beflügelt, stammt von Coop Himmelb(l)au Architekten, die das uneingeschränkte Vertrauen des Auftraggebers genossen.

Die Wunderkammer des Brotes im oberösterreichischen Asten findet sich …
Die Wunderkammer des Brotes im oberösterreichischen Asten findet sich …
… ebenso unter den prämierten Objekten. © Markus Pillhofer
… ebenso unter den prämierten Objekten. © Markus Pillhofer

Volksschule Dorf Lauterbach

Mit einem für Vorarlberg architektonisch untypischen Gebäude betrat die stark wachsende Gemeinde Lauterach Neuland, als sie das Bauprojekt Volksschule Dorf Lauterbach in Angriff nahm. Für Diskussionsstoff hatte nicht nur der pädagogische Neuansatz gesorgt, sondern auch der mögliche Umgang mit dem 80 Jahre alten Bestand sowie die Eingeschossigkeit des Siegerprojekts selbst. Im Holz-Beton-Hybridbau mit seinen abwechslungsreichen Nutzungsangeboten ist auch der Umgang mit Materialien unverkrampft. Sie bleiben haptisch präsent, sind was sie sind. Die Architektur, die von Feyferlik/Fritzer stammt, macht den Kindern nichts vor, sondern schenkt ihnen einfach Raum für Erfahrung.

Als Holzhybridbau wurde die Volkschule Dorf Lauterbach ausgeführt. © Paul Ott
Als Holzhybridbau wurde die Volkschule Dorf Lauterbach ausgeführt. © Paul Ott
Ein Holz-Sheddach ziert die Bundesschule Aspern. © Hertha Hurnaus
Ein Holz-Sheddach ziert die Bundesschule Aspern. © Hertha Hurnaus

Bundesschule Aspern

Bei der Bundesschule Aspern kam über der mehrgeschossigen Aula mit ihren Freitreppen und Lerninseln ein Sheddach mit einer Tragkonstruktion aus Holz zu liegen. Bei der Hauptkonstruktion handelt es sich allerdings um eine schlanke Stahlkonstruktion.

Die Preisträger sowie alle nominierten Projekte werden von 23. Oktober bis 23. November im Rahmen einer Ausstellung im HDA Graz zu sehen sein. Ebenso werden die Preisträger und Nominierten in der Reihe „Architektur im Ringturm“ ab 10. Dezember in Wien sowie in mehreren österreichischen Architekturhäusern präsentiert.

_kl / Quelle: ZV der Architektinnen und Architekten