Mit neuen Normen in eine grüne Zukunft

Das waren die Holz_Haus_Tage in Bad Ischl

26.11.2018 – Was der Holzbau heute und künftig leisten muss, erfuhren die Teilnehmer der Holz_Haus_Tage, die von 18. bis 19. Oktober in Bad Ischl stattfanden. Mit 200 Anwesenden waren so viele wie noch nie gekommen.

Die nächsten Holz_Haus_Tage  finden von 10. bis 11. Oktober – wie gewohnt, im Kongresshaus in Bad Ischl – statt. © Andreas Suttner
Die nächsten Holz_Haus_Tage  finden von 10. bis 11. Oktober – wie gewohnt, im Kongresshaus in Bad Ischl – statt. © Andreas Suttner

Bundesinnungsmeister Hermann Atzmüller übernahm die Eröffnung der Bad Ischler Veranstaltung  und sprach zu Beginn die rechtliche Komponente im Holzbau an. Normen und Vorschriften würden das Handwerk zunehmend beeinflussen. Ein Thema, welches im Vortrag von Dr. Bernd Haintz, Geschäftsführer der Landesinnung Holzbau Steiermark, ebenfalls aufgegriffen wurde. Er brachte den Anwesenden die „Prüf- und Warnpflicht“ mit Beispielen aus der Praxis näher. „Warnungen werden oftmals nicht ausreichend, rechtzeitig oder in unverständlichem Maße an die Bauherren weitergegeben. Selbst wenn die Warnung erfolgt ist, dürfen Sie sich auch nicht in Sicherheit wiegen. Dann gibt es nämlich oft das Pro-
blem der Beweisführung“, mahnte der Rechtsexperte. Deshalb riet er, Warnungen schriftlich zu dokumentieren. Aber nur ein E-Mail zu schicken, könne im Spezialfall auch nicht ausreichen. „Man sollte immer nach dem Grundsatz handeln, nichts und niemandem blind zu vertrauen – selbst wenn der andere auch Holzbau-Meister ist. Die Aussage: ‚Das hätte er ja wissen können‘, gilt nicht.“   

Gemeinsames Netzwerken erforderlich

Bernd Höfferl von Elk Fertighaus versuchte in seinem Vortrag den Gedanken des Netzwerkens unter die Teilnehmer zu bringen. Um den hohen momentanen Bedarf an Holzbauten abdecken zu können, „sind gemeinsame Lösungen gefragt.“ Es bedürfe dennoch einer gewissen Anstrengung, den Holzbau in ein vordefiniertes System mit leistbaren und qualitätsgeprüften Gebäuden zu verwandeln. Höfferl legte der Hörerschaft auch ans Herz, weiterhin verstärkt auf Automatisierung zu setzen.

Oona Horx-Strathern, Zukunftsforscherin: „Die Menschen sehnen sich nach mehr Natürlichkeit – eine Entwicklung, die der Holzbranche in die Hände spielt.“ © Andreas Suttner
Oona Horx-Strathern, Zukunftsforscherin: „Die Menschen sehnen sich nach mehr Natürlichkeit – eine Entwicklung, die der Holzbranche in die Hände spielt.“ © Andreas Suttner

Zukunftsmusik in der Gegenwart

Dass der Holzbau eine rosige Zukunft hat, arbeitete die Autorin und Journalistin Oona Horx-Strathern in ihrem Vortrag heraus. Sie skizzierte, worauf sich die Planer von morgen einstellen müssen. Die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit bringe einen Gegentrend hervor: „Die Menschen sehnen sich in ihrem Zuhause nach mehr Natürlichkeit – eine Entwicklung, die der Holzbranche in die Hände spielt.“ Jemand, der ebenfalls in Richtung Zukunft blickte, war Marketingexperte Robert Seeger. In einem emotional und gleichzeitig unterhaltsamen Vortrag wollte er die Holzbau-Meister von der Wichtigkeit überzeugen, die Käufer von morgen bereits heute in der digitalen Welt abzuholen. „Die jungen Leute lesen nicht mehr, sie konsumieren Videos“, lautete eine seiner Botschaften.

Vera Enzi, Landschaftsarchitektin: „Bei der Begrünung von Holzbauten besteht noch Forschungsbedarf.“ © Michael Reitberger
Vera Enzi, Landschaftsarchitektin: „Bei der Begrünung von Holzbauten besteht noch Forschungsbedarf.“ © Michael Reitberger

Forschungszusammenarbeit gesucht

Landschaftsarchitektin Vera Enzi behandelte das Thema Bauwerksbegrünung in der Stadt. Die Geschäftsführerin von „GrünStattGrau“ ging genauer auf den Einsatz von Pflanzen in Kombination mit dem Holzbau ein. Diese „natürliche Klimaanlage“ helfe dabei, Überhitzung zu vermeiden. Gleichzeitig räumte sie ein, dass „bei der Begrünung von Bauten in Holzbauweise noch ein wenig Forschungsbedarf bestünde“, und bekundete das Interesse einer möglichen Zusammenarbeit in diese Richtung.

Schalldämmung im Holzbau

Dr. Bernd Nusser von der Holzforschung Austria (HFA) nahm den Einfluss der Materialschichten auf die Schalldämmung von Holzmassivbauteilen ins Visier. Er beschrieb, wie sich mit Brettsperrholz akustiktaugliche Wände bauen lassen. Sein Fazit: Die Wahl des richtigen WDVS-Dämmstoffes, die Stärke des Putzes und das Anbringen einer Vorsatzschale in Kombination wirken sich positiv auf die Schalldämmung aus. „Es ist entscheidend, welchen Dämmstoff man verwendet. Tragen Sie den Putz dick auf. Der Einfluss der Dübelversenkung ist eher gering“, führte er aus.

Im Anschluss zeigte Bauphysiker Adrian Blödt von Blödt Holzkomplettbau seine Untersuchungsergebnisse zu trittschallverbessernden Maßnahmen bei Holzdecken. „Obwohl die Werte gut sind, spiegeln sie sich nicht in der Wahrnehmung der Nutzer wider. Das liegt daran, dass die Hauptschallenergie beim Gehen unter unserer Bewertung der Bauteile von 100 Hz liegt, nämlich zwischen 35 und 37 dB. Eine kostenintensive Erhöhung der Masse der Decken habe in den vergangenen Jahren zwar die Ergebnisse verbessert, jedoch nicht unbedingt den tatsächlich wahrgenommenen Schallschutz.

Von Fügen und Normen

Über Holz-Beton-Verbund-Systeme und die Entwicklung einer innovativen Fügetechnik referierte Dr. Christoph Hackspiel von der HFA. In seinem Forschungsprojekt konnte durch abgestimmte Auftragstechnik bereits ein geklebtes HBV-System mit synthetischen Klebstoffen erzielt werden. In weiterer Folge will die HFA Prototypen unter Anwendung der Fügetechnik entwickeln. Diese werden zunächst auf ihre akustische Leistungsfähigkeit hin untersucht und anschließend einer statischen Biegeprüfung bis zum Bruch unterzogen. Damit soll die Leistungsfähigkeit des HBV-Systems unter Beweis gestellt werden. Heinrich Rohlfs von Fermacell referierte über Abdichtungsausführungen bei Bädern sowie Feucht- und Nassräumen für den Holz- und Trockenbau. Dabei verglich er bestehende österreichische sowie deutsche Normen. Er zeigte auf, dass sich das deutsche Merkblatt 5 „Bäder, Feucht- und Nassräume im Holz- und Trockenbau“ durchaus auf den österreichischen Holz- und Trockenbaumarkt übertragen lässt.

Weniger ist mehr

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Streicher vom Institut für Konstruktion und Materialwissenschaften der Universität Innsbruck, ging in seinem Vortrag auf die Frage ein, wie viel Technik ein Haus überhaupt braucht, und kam zum Schluss: „Weniger ist Mehr.“ Planung und intelligente Vernetzung seien dabei essenziell. Der Geschäftsführer von Holzbau Austria, Reinhold Steinmaurer, sprach über die Mindestanforderungen an die Überwachung der Ausführung von Holztragwerken nach ÖNORM B 1990. 

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