Überwachung der Ausführung von Holztragwerken nach ÖNORM B 1990-1

Grundlagen der Tragwerksplanung im Hochbau

03.12.2018 – In der OIB-Richtlinie 1 aus dem Jahr 2015 wurde bereits festgestellt, dass die Zuverlässigkeit der Tragwerke den Anforderungen gemäß ÖNORM EN 1990 in Verbindung mit ÖNORM B 1990-1 „Grundlagen der Tragwerksplanung Teil 1: Hochbau“ genügen muss. Diese Bestimmung wurde in den Bautechnikverordnungen der Länder umgesetzt. Im normativen Anhang B der ÖNORM B 1990-1 wird die Zuverlässigkeit im Bauwesen behandelt. Die allgemein definierten Überwachungsstufen sollten baustoffabhängig in den jeweiligen Ausführungsnormen angegeben werden.

Holzbau als aufstrebende Bauweise war säumig und es musste gehandelt werden, um der aktuellen Gesetzeslage zu entsprechen und mögliche Nachteile in der Bewertung der Zuverlässigkeit zu vermeiden. Das Ziel war eine Umsetzung mit Augenmaß als Anhang „Ausführung“ in der ÖNORM B 1995-1-1 (nationale Erläuterungen und nationale Ergänzungen zum Eurocode 5).

Grundlagen

Die Regelungen dieses Anhangs sollen für die Ausführung von tragenden Bauteilen in Holzbauwerken gelten. Ausnahmen soll es für den mindestens gleichwertigen Austausch von Bauteilen im Zuge von Instandhaltungsmaßnahmen geben, welche in die Überwachungsklasse IL 1 gemäß ÖNORM EN 1990 fallen. Dies ist beispielsweise der Fall bei Einfamilienhäusern bis 7 m Fluchtniveau, Reihenhäusern oder landwirtschaftlich genutzten Bauwerken mit niedriger Personenfrequenz.

Die Überwachungsstufen sollen folgenden Schadensfolgeklassen zugeordnet werden:

Befugte Personen

Der Vorschlag über die befugten Personen für die Überwachung ist der unten stehenden Tabelle zu entnehmen.

Häufigkeit der Kontrollen

Die Häufigkeit der Überprüfungen betrifft einerseits die Kontrolle der geometrischen Toleranzen und andererseits die Kontrolle der Güte der verwendeten Baustoffe (Bauprodukte) und ist abhängig von der Überwachungsstufe.

In einer Tabelle wird der Prüfumfang je Losgröße bestimmt und zudem werden die durchzuführenden Prüfungen festgelegt. Bauteile aus dem gleichen Material bzw. der gleichen Materialkombination und von gleichartiger Anschlusssystematik, die einem gleichartigen Herstellungsprozess innerhalb eines Betriebs unterliegen, sind in einem Los zusammenzufassen, zum Beispiel Stützen oder Wandelemente mit unterschiedlichen Geometrien. Eine schriftliche Dokumentation unter Angabe der kontrollierten Bauteile soll ab der Überwachungsstufe 2 verpflichtend erfolgen.

Dabei gilt für den Prüfumfang in Abhängigkeit von der Überwachungsklasse:

  • Überwachungsstufe IL1 => mindestens 20 % der Überprüfungen nach Überwachungsstufe IL3.
  • Überwachungsstufe IL2 => mindestens 50 % der Überprüfungen nach Überwachungsstufe IL3.
  • Überwachungsstufe IL3 => Überwachung in umfassendem Umfang

Bei einer sortenreinen Lagerhaltung kann die Materialdokumentation durch den dokumentierten Wareneingang erfolgen – z.B. hat das Warenlager ausschließlich Material C 24 bzw. sortenrein getrennte Lagerung bei mehr als 1 Materialgüte. Verstärkte Dokumentationspflichten bestehen für kraftschlüssige Verklebungen.

Maßnahmen bei Abweichung

In dieser Reihenfolge sollen die Aspekte bei Feststellung einer Abweichung überprüft werden:

  • Auswirkungen der Abweichung auf die weitere Ausführung und Tragfähigkeit sowie die Gebrauchstauglichkeit des Tragwerks;
  • Planen der Maßnahmen, die erforderlich sind, um die Eignung des Bauteils mit abweichenden Eigenschaften (wieder-)herzustellen;
  • Überprüfen der Notwendigkeit der Ablehnung und des Ersatzes von nicht instandsetzbaren Bauteilen.

Toleranzen

Zulässige Toleranzen werden in Tabellen zu folgenden Themen angegeben:

  • Risse
  • Geometrische Toleranzen
  • Toleranzen bzw. Abweichungen von der Soll-Lage von Verbindungen mit metallischen Verbindungsmitteln

Verklebungen

Geregelt werden geklebte Verbindungen und Verstärkungen sowie Instandsetzungsarbeiten von Holztragwerken, nicht jedoch die Herstellung von normativ geregelten Bauprodukten. Für die Qualifikation der verantwortlichen Fachaufsicht ist eine einschlägige Ausbildung mit einem ausreichenden Übergangszeitraum vorgesehen. Prüfungen von Verklebungen soll es verpflichtend ab der Überwachungsstufe 2 geben. Als Intervalle sind ein Mal jährlich bei Flächenverklebungen und alle zwei Jahre bei Schraubpressverklebung und eingeklebten Stahlteilen vorgesehen.

Ausblick

Diese Regelungen sollen in der ÖNORM B 1995-1-1 umgesetzt werden, deren Erscheinen Anfang 2019 geplant ist. Damit gehört der Vorwurf, dass die Überwachung von Holzbauten nicht ausreichend geregelt sei, endgültig der Vergangenheit an. holzbau austria wird mit dem Erscheinen dieser Norm Handlungsanleitungen und Arbeitshilfen für die Umsetzung in der Praxis zur Verfügung stellen.

_rs