Zeichen gegen Wegwerfarchitektur

Extravaganter Holzbau gibt chinesischem Immobilienmarkt Kontra

30.11.2018 – In China ist es üblich, in sogenannten Verkaufszentren Immobilien an den Mann zu bringen. Auf deren Architektur wird üblicherweise nicht sonderlich geachtet. Ein solches Verkaufsgebäude steht seit Kurzem auch in der chinesischen Provinz Henan. Allerdings sticht jenes aus der Masse heraus: es ist außergewöhnlich, unverwechselbar und in Holz errichtet.

Rund 1600 Quadratmeter Nutzfläche weist dieses außergewöhnliche chinesische Immobilienverkaufszentrum auf. Damit will man von nachhaltiger Architektur überzeugen. © LUO studio
Rund 1600 Quadratmeter Nutzfläche weist dieses außergewöhnliche chinesische Immobilienverkaufszentrum auf. Damit will man von nachhaltiger Architektur überzeugen. © LUO studio

Das „Longfu Life Experience Centre“ mit Sitz im Kreis Puyang wurde von einem Bauherren in Auftrag gegeben, der sich mit ökologischer Immobilienentwicklung beschäftigt. Er war auf der Suche nach einem geeigneten Ort, um Eigentumssuchende anzusprechen, die sich einen ökologischen Wohnstil wünschen. Es war ihm wichtig, dass das zu errichtende Gebäude nachhaltig und in Holzbauweise hergestellt wird – auch, um seine Corporate Identity zu wahren.

Um die den Bau prägenden Holzsäulen sind teilweise Galerien angeordnet, die zusätzliche Nutzfläche offerieren. © LUO Studio
Um die den Bau prägenden Holzsäulen sind teilweise Galerien angeordnet, die zusätzliche Nutzfläche offerieren. © LUO Studio

Mieter sind in China kaum geschützt, daher entschließen sich viele, eine Wohnung zu kaufen. Präsentiert wird die Eigentumsoption meist in Verkaufszentren. Sind einmal alle Wohnungen an Ort und Stelle vermittelt, verliert der Bau üblicherweise seine Funktion. Dieser kurzen Lebensdauer wollte das Pekinger Architekturbüro LUO Studio mit seinem Entwurf entgegenwirken. Entstanden ist deshalb eine modular erweiterbare Konstruktion, die sich nicht nur auf ihre Hauptfunktion beschränkt, sondern auf verschiedene Arten nachgenutzt werden kann.

Ein Bündel Säulen

Nach dem Vorbild von Mies van der Rohes Crown Hall am Illinois Institute of Technology in Chicago entwickelten die Architekten eine modulare Struktur. Wie „gebündelte Säulen“ aufgebaut, sind die Module in ihrem Erscheinungsbild inspiriert von Bäumen. Im ersten Stock befindet sich eine Galerie, die von Glasbalustraden umrahmt ist. Die kleinen Sockel im oberen Drittel der Säulen verleihen dem Gebäude die gewünschte Vielseitigkeit und schaffen einen weitgehend offenen Innenraum. Derzeit präsentiert sich das Erdgeschoss als multifunktionaler Raum, der sich sowohl für große Veranstaltungen als auch kleine Meetings eignet.

© LUO Studio
© LUO Studio
© LUO Studio
© LUO Studio
Die Struktur lässt sich beliebig erweitern. Mit vier, …
Die Struktur lässt sich beliebig erweitern. Mit vier, …
… acht oder 16 Säulen sind ganz unterschiedliche Nutzungsarten denkbar. © LUO Studio
… acht oder 16 Säulen sind ganz unterschiedliche Nutzungsarten denkbar. © LUO Studio

Wegwerfarchitektur in Frage stellen

Durch die scheinbar aus dem Dach herausragenden Säulen strömt reichlich Tageslicht in den Innenraum und verringert damit die Abhängigkeit von künstlicher Beleuchtung. Die Anlagen- und Betriebsräume finden sich auf der Westseite des Gebäudes in einer Zone zusammengefasst.

LUO Studio hofft, dass das Projekt die Art von Verkaufszentren, die als „verschwenderisch und kompliziert“ bezeichnet werden, in Frage stellen wird.

_kl / Quelle: LUO Studio