Holzbau schlägt Wellen

Österreichische Ingenieurholzbaukunst auf den Philippinen

08.01.2019 – Ein hölzernes „Spa“ empfängt seit Juli die Reisenden am zweitgrößten Flughafen der Philippinen. Der neue Terminal verkörpert Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Inselstaats ebenso wie die Wünsche, welche die Besucher im Gepäck haben. Unter dem 25.000 m2 überspannenden Holzdach fühlt man sich sofort im Urlaub angekommen. Das Holz strahlt die für die Bevölkerung typische Wärme aus.

Wellen des Wohlbefindens löst dieser imposante Flughafenterminal mit hölzernem Dach bei allen Reisenden aus. © Chubby Atillo
Wellen des Wohlbefindens löst dieser imposante Flughafenterminal mit hölzernem Dach bei allen Reisenden aus. © Chubby Atillo

Mit dem Bau des Terminals 2 für den Mactan-Cebu International Airport betrat man in vielerlei Hinsicht Neuland. Dem Bauherrn schwebte ein repräsentativer Ausdruck der örtlichen Kultur, Traditionen und geografischen Lage vor. Das ist zweifelsohne gelungen. Die verwendeten Materialien, wie Perlmutt im erlesenen Boden, Moos als lebendiger Akzent an den Waschraumwänden, gewobene Tücher an den Check-in-Schaltern und gemütliche Rattansessel in Wartebereichen, stehen in direkter Verbindung zur Naturvielfalt der Philippinen sowie zu regionaler Handwerkskunst. So erinnert auch das Dach von innen an die typischen Fischerboote der Einheimischen. Von außen betrachtet, gleicht es eher heranrauschenden Wellen am Strand. Die bemerkenswerte Höhe kommt im täglichen Betrieb dem Innenklima zugute. Der Dachvorsprung und außen angebrachte Lamellen beschatten die großzügigen Ganzglasflächen an der Ost- und Westseite außerdem als Überhitzungsschutz und lassen dennoch reichlich Tageslicht herein.

Viel österreichisches Know-How steckt im zweitgrößten Flughafen der Philippinen. Der Plan zeigt die Riesendimensionen. © Mactan
Viel österreichisches Know-How steckt im zweitgrößten Flughafen der Philippinen. Der Plan zeigt die Riesendimensionen. © Mactan

Modularer Ingenieurholzbau ganz groß

In bis zu 15 m Höhe überragen die Bögen der Dachstruktur aus 4500 m3 Fichtenbrettschichtholz-Bogenträgern mit Spannweiten von 30 m drei Geschosse mit 65.000  m2. Das klingt so imposant, wie es aussieht. An die dreischiffige Eingangshalle schließen sich, nach hinten versetzt, die Seitenflügel mit den Gates an. Dank modularer Bauweise lässt sich der Terminal später bei Bedarf noch erweitern. Durch die Tonnendachkonstruktion ist der weite Raum von nur wenigen Stützen unterbrochen. Die dazu notwendigen 23 m langen Bogenbinder-Hälften wurden von Rubner Holzbau am Standort Ober-Grafendorf vorgefertigt und in Lapu-Lapu City auf der Insel Mactan unter der Leitung des Holzbauers binnen fünf Monaten von einem europäischen Team montiert. Die Inbetriebnahme fand termingerecht am 1. Juli statt.

Rubner-Projektleiter Anton Wanas: „Derart umfangreiche Projekte im Ausland bergen ein gewisses Risiko, belohnen jedoch auch stets mit grossartigen Erfahrungen – insbesondere, wenn man, wie in diesem Fall, von Anfang an dabei sein darf.“ © Rubner Holzbau
Rubner-Projektleiter Anton Wanas: „Derart umfangreiche Projekte im Ausland bergen ein gewisses Risiko, belohnen jedoch auch stets mit grossartigen Erfahrungen – insbesondere, wenn man, wie in diesem Fall, von Anfang an dabei sein darf.“ © Rubner Holzbau

Überzeugungsarbeit geleistet

Ursprünglich planten die Verantwortlichen das Gebäude als Stahlbau. Dass der Innenausbau in Holz erfolgen sollte, war aber von Anfang an ein Wunsch des Bauherrn gewesen. Aufgrund einer Begegnung auf der BAU-Messe 2015 in München kam Rubner Holzbau ins Spiel, denn die findigen Europäer – so hörte man – können derart große Projekte ganz in Holz realisieren. Kaum vorstellbar? „Wir hatten reichlich Pionier- und Überzeugungsarbeit zu leisten, um das Vertrauen von GMR-Megawide Cebu Airport Corporation zu gewinnen“, erinnert sich Projektleiter Anton Wanas. „Primär hatten wir es mit indischen Privatinvestoren und chinesischen Architekten zu tun, die allesamt über die Möglichkeiten des Holzbaus aufgeklärt werden wollten, bevor zur Tat geschritten werden konnte.“ Rubner Holzbau verortete ausreichend Verlässlichkeit sowohl im Bauherrenkonsortium als auch Architekturbüro, um schon im Vorfeld des Auftrags enorme Ressourcen in die Planung und Berechnung zu stecken. Mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Christian Opitz verfügte man außerdem über die nötige Expertise, was rechtliche und etwa währungstechnische Aspekte eines derart großen Projekts im fernen Ausland angeht. „Nur so konnten wir der Aufgabe gerecht werden und da wir das Projekt von einem sehr frühen Stadium an betreuten, hatte der hohe Vorleistungsgrad für uns ebenfalls Mehrwert“, ergänzt Wanas. Nach und nach entwickelte sich Vertrauen zwischen den Parteien und der Terminal nahm Gestalt an.

© Christopher Colinares
© Christopher Colinares
© Christopher Colinares
© Christopher Colinares

Tropenklima und Erdbeben standhalten

Das Tragwerk wird über die Jahre oft hohen Erdbeben- und Windlasten ausgesetzt sein. „Die besonderen Herausforderungen an die Konstruktion sind die Ausführung der Gebäudefugen für die Bewegungen im Erdbebenfall sowie die Verankerung der Hauptträger am Betonbau, da der Aussteifungsverband in 6,5 m Höhe endet und nicht bis zum Boden geführt werden konnte“, erläutert Wanas. Dass Brettschichtholz für diese Anforderungen die richtige Wahl ist, stand für Rubner außer Frage. Um auch die Auftraggeber davon zu überzeugen, erstellte man ein Modell in Originalgröße, das in Ober-Grafendorf vorgeführt wurde. Das verleimte Produkt hält hohen seismischen Belastungen stand und hat in den dort herrschenden klimatischen Bedingungen eine akzeptable Ausgleichsfeuchte, die eine Kategorisierung in der Nutzungsklasse 2 zulässt. „Für die statischen Berechnungen zogen wir den Eurocode heran und nahmen für die Windlasten und andere ortsspezifische Faktoren lokale Werte an“, beschreibt der Projektleiter die Vorgehensweise.

Für Rubner Holzbau war dies der größte Auftrag über eine BSH-Konstruktion in der Unternehmensgeschichte. © Christopher Colinares
Für Rubner Holzbau war dies der größte Auftrag über eine BSH-Konstruktion in der Unternehmensgeschichte. © Christopher Colinares
Für Rubner Holzbau war dies der größte Auftrag über eine BSH-Konstruktion in der Unternehmensgeschichte. © Christopher Colinares
Für Rubner Holzbau war dies der größte Auftrag über eine BSH-Konstruktion in der Unternehmensgeschichte. © Christopher Colinares

Ist das nachhaltig?

Bei derart langen Anlieferungswegen stellt sich die Frage, ob eine Holzkonstruktion in Sachen Klimaschutz im Gegensatz zu anderen Baustoffen noch immer die Nase vorne hat. An exakten Zahlen arbeitet man bei Rubner derzeit akribisch. Überschlagend lässt sich aber sagen, dass eine durch Transportwege rechnerisch reduzierte CO2-Bindung noch immer positiver zu bewerten ist als eine durch kürzere Wege im geringeren Maße verstärkte CO2-Freisetzung. Denn wäre die Konstruktion aus Stahl gebaut worden, käme dieser auch nicht aus dem Stahlwerk um die Ecke. Für Rubner Holzbau war dies der größte Auftrag über eine BSH-Konstruktion in der Unternehmensgeschichte. Die Pionierarbeit hat sich gelohnt und zog auch bereits einen Folgeauftrag nach sich, wie man verrät.

Für den Innenausbau war Holz von Anfang an vorgesehen. Dass Holz (BSH) auch als sicherer Baustoff verwendet werden kann, dafür war Überzeugungsarbeit vor Ort notwendig. © Rubner Holzbau
Für den Innenausbau war Holz von Anfang an vorgesehen. Dass Holz (BSH) auch als sicherer Baustoff verwendet werden kann, dafür war Überzeugungsarbeit vor Ort notwendig. © Rubner Holzbau
Der Demonstration, dass Holz der Bauaufgabe gewachsen ist, diente ein Testaufbau, der vom Bauherrn in Augenschein genommen wurde. © Rubner Holzbau
Der Demonstration, dass Holz der Bauaufgabe gewachsen ist, diente ein Testaufbau, der vom Bauherrn in Augenschein genommen wurde. © Rubner Holzbau

Projektdaten

Standort: Lapu-Lapu City/PHL
Terminalfläche: 65.000 m2
Architekt: Integrated Design Association Ltd.
Holzbau: Rubner Holzbau
Holzmenge: 4500 m3 BSH
Montagedauer Holzkonstruktion: 5 Monate
Fertigstellung: Juli 2018

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